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Hungrige Münder

 Ausgabe 12 - 2011 - 01.12.2011

Text:  Tertia Hager

Damit der Nachwuchs stets gut versorgt ist, bestückt die Natur Säugetiere mit der richtigen Anzahl Milchdrüsen – und zwar immer paarweise.

Als Kind lernt man, dass es keine blöden Fragen gibt. Überraschende hingegen immer wieder. Diese zum Beispiel: «Weshalb haben Frauen zwei Brüste?» Ein Leser der Zeitschrift «Bild der Wissenschaft» stellte sie. Die Antwort liegt wie so oft in der Evolutionstheorie. Der Mensch ist ein Säugetier und reiht sich in das System «Zitzenzahl = durchschnittliche Zahl der Jungtiere mal zwei» ein. So haben Katzen beispielsweise acht Zitzen, denn ein durchschnittlicher Wurf zählt vier bis fünf Jungtiere. Säugetiere, die durchschnittlich nur ein Junges bekommen, beispielsweise ein Pferd oder eine Geiss, haben dementsprechend nur zwei Zitzen. Und beim Menschen ist es eben nicht anders. In etwa 1,2 Prozent der Fälle kommt es beim Menschen zu Zwillingsgeburten. Ausgestattet mit zwei Brüsten, ist die Frau also auch für diesen seltenen Fall gerüstet.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Ein Kuheuter besitzt vier Zitzen, obwohl auch bei Kälbchen Zwillingsgeburten sehr selten sind. Hier hat sich die Natur grosszügig zugunsten eines zusätzlichen Zitzenpaares gezeigt.

Grundsätzlich gilt jedoch ein minimalistisches Prinzip in der Evolution von Lebewesen. «Die Natur verschwendet nicht gern», erklärt die Wissenschaftlerin Sabine Wenisch von der Universität Giessen in Deutschland. Bleibt noch die Frage, weshalb es Zitzen immer paarweise angeordnet sind. «Säugetiere haben einen bilateral symmetrischen Körperbau», erklärt Wenisch. Die Milchdrüsen entwickeln sich aus den paarig angelegten Milch leisten auf beiden Körperhälften. Bei vielen Tieren mit nur zwei Milchdrüsen befinden sich diese zwischen den Hinterbeinen. Beim Menschen und Affen hingegen haben sie sich zwischen den Vordergliedmassen entwickelt. Diese Eigenheit teilt sich die Frau übrigens mit einem weiteren Tier: der Elefantenkuh. Auch Elefantendamen haben zwei Brüste zwischen den Vorderbeinen.

Foto: fotolia.com

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