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Kategorie: Leben
 Ausgabe 11 - 2011 - 01.11.2011

Text:  Daniela Schwegler

Wenn die Nase das Schicksal leitet: Astrid Nigg liess sich vom Duft handgefertigter Seifen betören – heute ist sie Seifenproduzentin.

Astrid Nigg wurde einst von den feinen Gerüchen verführt: Auf einem Markt in Wien liess sie sich von der Nase leiten und landete an einem Stand mit selbst gemachten Naturseifen. «Das möchte ich auch können», dachte sie und lernte sodann das Handwerk in Kursen. Inzwischen ist die Naturkosmetikerin nicht nur selbst Seifenproduzentin, sie bietet auch entsprechende Kurse an. In ihrer Werkstatt ist momentan Hochbetrieb; Herbst und Winter sind für Astrid Nigg die Hauptsaisons der Seifenproduktion. Sie trägt Brille, Gummihandschuhe und Schürze und hantiert über dem Kochtopf. Während sie Natriumhydroxidstücke im destillierten Wasser auflöst, steigt Dampf auf. Die Lauge wird heiss. Seifenrühren kann ins Auge gehen: «Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein Spritzer auf der Haut und es entsteht sofort eine schmerzhafte Brandwunde», erklärt sie. Auch die giftigen Dämpfe sollte man nicht einatmen. Der Dämpfe wegen steht das Fenster offen. Von draussen strömt frische Herbstluft herein.

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Rühren, rühren

Inzwischen hat Astrid Nigg die verschiedenen Pflanzenöle abgewogen und die Pflanzenfette vorsichtig eingeschmolzen. Nun kommt die abgekühlte  Lauge unter das handwarme Öl-Fettgemisch. Dann heisst es rühren. «Beim Verseifungsprozess verbinden sich Öl- und Laugenmoleküle und parallel dazu entsteht Glycerin», erklärt die Fachfrau. «Glycerin ist ein wertvoller Feuchtigkeitsspender für die Haut.» Der Stoff bleibt nur bei kalt gerührten Seifen erhalten. Ebenso die essentiellen Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente. Bei industriell im Heissverfahren hergestellten Seifen gehen diese Substanzen verloren und das Glycerin wird entzogen, um daraus andere Produkte wie Lippenstifte und Cremes herzustellen. «Darum trocknen solche Seifen die Haut oft aus, sodass man sich nach dem Duschen eincremen muss», erklärt Nigg. «Mit Naturseifen ist das nicht mehr nötig. Die Haut bleibt samtig weich.»

Im Unterschied zur Industrieseife enthält die Naturseife auch keine Parfümöle, Konservierungs- oder andere chemische Zusatzstoffe. Die Rohstoffe sind alle natürlich. Mittlerweile ist die Seifenmasse durchs Rühren sämig geworden. Nun fügt Astrid Nigg den Kräuterölauszug und die ätherischen Öle hinzu. Die Öle stellt sie aus verschiedenen Kräutern und Blumen her. Auf den umliegenden Wiesen und im eigenen Garten pflückt sie im Sommer Frauenmänteli, Johanniskraut, Zitronenmelisse, Pfefferminz, Holunder, Lavendel, Thymian und Salbei.

Um das Öl herzustellen, gibt sie die Pflanzen in ein mit Olivenöl gefülltes Glas und lässt das Ganze vier Wochen an der Sonne ziehen. Die fettlöslichen Pflanzenbestandteile gehen dadurch ins Öl über. In den Seifen entfalten sie später ihre Wirkung: Kamille ist beruhigend, Pfefferminze erfrischend und Rosmarin fördert die Durchblutung. Weiter verarbeitet Nigg feste, getrocknete Pflanzenteile. Diese sorgen in der Seife für einen angenehmen Peelingeffekt auf der Haut. Nachdem nun alle Zutaten im Topf sind, heisst es weiter rühren – bis zur sogenannten Puddingphase. Zu guter Letzt gibt es noch einen Schuss Rahm: «Für die Sämigkeit, eine schöne Schaumbildung und weil die Haut das einfach liebt.» Dann füllt Nigg die Masse in Förmchen ab.

Gute Seifen müssen ruhen

Nach einem Tag Trocknungszeit kann der Seifenblock zu handlichen Seifenstücken zugeschnitten werden. Wie guter Wein müssen auch Naturseifen reifen. Acht Wochen sind das Minimum. «Am liebsten mag ich sie zwischen halb und einjährig», sagt Astrid Nigg. «Dann sind die Seifen am cremigsten und am schaumigsten.» Nach spätestens drei Jahren sollten die Seifen aufgebraucht sein, andernfalls könnten sie ranzig werden. Mit dem heutigen Produktionstag ist Astrid Nigg zufrieden. «Seifenmachen ist einfach etwas Schönes», sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht.

Fotos: zvg

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