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Kategorie: Leben
 Ausgabe 08 - 2011 - 01.08.2011

Text:  Urs Oskar Keller

Blockflötenunterricht – nicht alle verbinden mit diesem Begriff fröhliche Stunden. Trotzdem hat das hölzerne Instrument weltweit viele Liebhaber. Und viele von ihnen spielen auf Flöten aus Schaffhausen.

Die kleine Werbetafel lässt kaum erahnen, dass das Geschäftshaus ausserhalb der Schaffhauser Altstadt Sitz einer berühmten Marke ist. In das Gebäude an der Grabenstrasse wird sich wohl selten ein Besucher verirren, der nicht fachkundig ist, denn von der Strasse her wirkt die alte Flötenmanufaktur unscheinbar. Erst wenn man das Haus betritt, verändert sich die Welt. Aus einigen Zimmern ertönt Flötenmusik. Seit Jahrzehnten ist die Firma Küng eine beliebte Adresse für alle Liebhaber von Blockflöten – aus der Schweiz, aus Deutschland, Japan und auch den USA. Aber: «Man braucht auch ein Gespür dafür, was sich der Kunde vorstellt», sagt Andreas Küng, Mitinhaber des Betriebs. Die um 1890 erbaute Villa war früher auch das Wohnhaus der Familie Küng. Die ehemalige Küche ist heute Aufenthaltsraum für die sechzehn Angestellten.

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Nicht genug einheimisches Holz

Mit der Flötenbauerin und gelernten Schreinerin Irene Frey geht die Führung weiter, vorerst in die Unterwelt. Ein Personen- und Warenlift verbindet die oberen Etagen mit dem Untergeschoss. Vom Holzlager über die verschiedenen Drechselmaschinen bis zur Endkontrolle sind in vielen Räumen alle Stationen von der Herstellung bis zum Vertrieb der Instrumente nahe beieinander. 12 000 Flöten werden hier jedes Jahr gebaut. Die besondere Atmosphäre dieser Werkstätten ist beeindruckend. Im Untergeschoss lagern Hunderte von Holzrohlingen, künftige Sopran-, Alt- und Tenorflöten. Die Rohlinge werden zuerst einige Stunden mit heissem Paraffin (Wachs) imprägniert; nach dem Drechseln zur endgültigen Aussenform werden einige später gebeizt, andere lackiert oder poliert. Es sind vor allem Birnbaum, Kirschbaum, Zwetschge und Ahorn aus Europa, die bei Küng verwendet werden. «Leider gibt es nicht genügend einheimisches Holz, das wir brauchen können», sagt die Flötenbauerin.

Holzduft kitzelt in der Nase

Irene Frey arbeitet seit acht Jahren bei Küng. Das Handwerkliche gefalle ihr am Beruf, erzählt sie. Der Blockflötenbau verbindet Metallbau und Holzbearbeitung. Besonders schätzt die Schaffhauserin das Drechseln der Flöten. «Das liegt mir sehr und ich lasse gern die Holzspäne fliegen.» Die Flötenbauerin bedient im obersten Stockwerk vor allem die computergesteuerten Spezialmaschinen. In ihrem Arbeitsraum mit Blick auf die alte Stadtmauer und den runden Diebesturm gibt es grosse Maschinen, aber auch Hobel, Zangen und Schnitzmesser, die an Haken hängen. An den Wänden kleben private Fotos und Postkarten. Der Duft der Holzspäne kitzelt in der Nase und es riecht angenehm nach Holz, Wachs und Öl.

Nach und nach fügen sich die Flötenteile zusammen: Kopfstück, Mittelstück, Fussstück. Der sogenannte Block, der in das Mundstück eingepasst ist – und der der Blockflöte den Namen gibt – ist aus Zedernholz. Denn dieses kann mehr Wasser aufnehmen und quillt nicht so schnell, was wichtig ist, damit das umgebende Holz nicht reisst.

Der Ton macht die Musik

Zuletzt werden die zehn Grifflöcher gebohrt. Immer hundert Sopranflöten in Serie werden miteinander hergestellt. Die Produktionszeit beträgt für ein solches Instrument etwa 45 Minuten. Dagegen wird an einer Serie von fünfundzwanzig Subbässen wochenlang gearbeitet. Pro Tag können zum Beispiel bis zu 150 Sopranflöten oder zwei bis drei Subbässe fertig intoniert werden. Trotz modernster Maschinen sind über fünfzig Handgriffe nötig, bis eine Blockflöte hergestellt ist. Sie muss mit viel Handarbeit geschliffen, geölt, intoniert und verpackt werden.

Ist das Instrument fertig, wird es getestet. Aus diesem Grund müssen die Instrumentenbauer das Instrument auch spielen können. Wie eine Blockflöte später klingen wird, hänge von vielerlei ab, weiss Lorenz Jörg, ehemaliger Primarlehrer, der bei Küng für das Intonieren und die Klangkontrolle der Flöten mitverantwortlich ist: «Von der Länge, vom Abstand und der Grösse der Tonlöcher, von der Form der Innenbohrung, aber auch vom ‹Windkanal›, in den der Spieler bläst, und von der keilförmig zulaufenden Zunge im Kopfstück, der Schneidekante oder dem Labium.» Dort muss Jörg noch am Klang feilen, er arbeitet mit feinem Schleifpapier den Windkanal nach. Und der ist ohnehin heikel. «Da muss man auf einen Hundertstelmillimeter genau arbeiten, sonst klingt die Flöte nicht gut.» Sollte ein Instrument einen Schaden aufweisen, wandert das Stück ins Feuer. «Der Holzabfall heizt unsere ganze Fabrik», sagt lachend die Flötenbauerin Irene Frey.

Fotos: Urs Oskar Keller, beyondfoto

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