Artikel Leben :: Natürlich Online

Stört Sie dieses Paar?

Kategorie: Leben
 Ausgabe 07 - 2011 - 01.07.2011

Text:  Tertia Hager

Während gewisse Länder strikte gesellschaftliche Regeln haben, sind andere offen und locker. Doch wer und was bestimmen, dass wir als Gesellschaft so funktionieren, wie wir funktionieren?

Vor ein paar Jahren versuchte man in der Stadt Zürich mit dem Slogan «Erlaubt ist, was nicht stört» die Bevölkerung zu mehr Sauberkeit und Disziplin im öffentlichen Raum anzuhalten. Doch, wie definiert eine Gesellschaft, was stört und was nicht? Dieser Frage sind amerikanische Forscher nachgegangen. Vor der eigentlichen Befragung von über 7000 Freiwilligen aus 33 Nationen stellten die Wissenschaftler eine Art Länderraster auf. Dafür wurden zusätzlich Leute interviewt, zudem wurden Informationen über die Staatsform, Religion, die Geschichte des Landes und besondere Vorkommnisse wie Kriege, Naturkatastrophen sowie demografische Daten zusammengetragen.

Aus diesen Fakten resultierte eine Art Skala: Zu sogenannt eng normgebundenen Ländern gehören beispielsweise Pakistan, Indien, Japan, aber auch Norwegen und die Türkei. Am liberalsten sind die Gesellschaften in der Ukraine, Estland, Ungarn, den Niederlanden und Brasilien. Kaum erstaunlich ist, dass in normgebundenen Ländern mehr autokratische Regierungen zu finden sind. Im Privaten achten Menschen aus solchen Ländern auf die Vermeidung von Konflikten, die Selbstbeherrschung ist grösser. Diese Eigenschaften helfen, mit den gesellschaftlichen Beschränkungen zurechtzukommen, sind die Wissenschaftler überzeugt.

Doch was sind die Ursachen für diese kulturellen Unterschiede? Wie wissenschaft.de schreibt, hat vor allem der Vergleich der historischen Daten Aufschluss gegeben. Es sind oft konkrete Bedrohungen, die später zur Bildung eines normgebundenen Systems führen; Kriege, häufig auftretende Krankheiten, Naturkatastrophen, ein Mangel an Ressourcen jedwelcher Art und vor allem eine hohe Bevölkerungsdichte. In all diesen Fällen sei es extrem wichtig, Menschen dazu zu bringen, koordiniert zu handeln – und genau das ermöglichen strikte Regeln und eine strenge Kontrolle. Die Gesellschaftsform werde selbstverständlich auch von anderen Faktoren geprägt, räumt die leitende Wissenschaftlerin Michele Gelfand ein. Die Bedrohung – von innen oder aussen – spiele indes aber eine Schlüsselrolle. Nun möchten die Wissenschaftler weiterforschen, um feinere Muster herauszuarbeiten. Das Wissen, weshalb eine Gesellschaft geworden ist, wie sie ist, könnte mehr Toleranz gegenüber fremdartig erscheinenden Verhaltensweisen mit sich bringen. Eine Eigenschaft, die in unserer globalisierten Welt immer häufiger nötig ist.

Foto: F1online

Tags (Stichworte):

Kategorie: Leben

Recycling: Tetra Pak muss warten

Schweizer sammeln weltmeisterlich Glas und Papier.

Kategorie: Leben

Lesen: Sternenkind

Für Eltern gibt es wohl nichts Schlimmeres, als wenn das eigene Kind vor einem...

Kategorie: Leben

Archäologie: Käse, eine uralte Delikatesse

In Polen fanden Forscher in steinzeitlichen Gefässen Fettrückstände.