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Draht ins Jenseits

Kategorie: Leben
 Ausgabe 01 - 2011 - 01.01.2011

Text:  Lioba Schneemann

Ein Medium arbeitet als Vermittler zwischen den Lebenden und den Toten. Entweder glaubt man an dieses Phänomen oder nicht. Ein Augenschein an einem medialen Abend.

Zwei Theorien versuchen spiritistische Phänomene – sei es der Kontakt mit Geistwesen, Trance-Reden, automatisches Schreiben oder Stühle-Rücken – zu erklären. Anhänger der animistischen Theorie glauben, dass solche Vorgänge von den Medien selber ausgelöst werden, indem diese etwa in das kollektive Unbewusste eintauchten oder ihre Energie durch reine Willenskraft bündeln könnten. Anhänger der spiritistischen Theorie glauben an das reale Wirken von Verstorbenen oder Geistern. Der Präsident des Basler Psi-Vereins, Lucius Werthmüller, erklärt: «Viele Rationalisten sehen in medialen Kontakten Selbsttäuschung oder Betrug. Die meisten modernen wissenschaftlichen Parapsychologen anerkennen zwar das Phänomen, deuten es aber animistisch.»

Erklärungen für Medialität hält auch die Psychologie parat. Im Spiel ist demnach weniger das Übernatürliche, vielmehr spielen eine gute Kommunikationstechnik und ein gutes Einfühlungsvermögen die Hauptrolle. Dieter Streuli, Psychologe und Präsident von Infosekta (Fachstelle für Sektenfragen in Zürich), erklärt: «Ein Medium arbeitet geschickt mit den verbalen oder nonverbalen Informationen, die es von der befragten Person erhält. Die Ratsuchenden erfahren also oft Dinge, die sie selber dem Medium mitteilen. Sie blenden diesen Umstand aber aus. Auch bei der Herstellung einer ‹Verbindung› zu einer verstorbenen Person arbeiten Medium und Publikum in vergleichbarer Weise zusammen.»

Medial Arbeitende betonen, dass jeder Mensch medial sei. Wer kennt nicht allerlei Beispiele aus dem Alltag? Seien es Vorahnungen, ungute Gefühle oder spontane Impulse, die sich später bewahrheiten und die man sich nicht recht erklären kann. Diese Wahrnehmungen, so die These, vermitteln sich nicht durch die fünf Sinne, sondern spielen sich auf der feinstofflichen Ebene ab. In der Umgangssprache spricht man vom sechsten Sinn.

Hinter diesem Phänomen steht die Annahme, dass der Mensch nur körperlich stirbt. Er verlässt seinen physischen Körper, lebt aber in einer anderen Dimension weiter. Energie kann nicht zerstört werden, sie ändert nur ihre Form, so der Grundgedanke. Der Geist behält das Wahrnehmungsvermögen, Denkfähigkeit, Erinnerungen und Gefühle. Die Vorstellung des Spiritualismus, wozu Medialität zählt, werde gestützt durch Berichte von Menschen mit medialen Fähigkeiten sowie durch Berichte von Nahtoderfahrungen, Medium Christoph Bürer. erklärt Christoph Bürer. «Es gibt Menschen, die Geistwesen im Jenseits besonders gut spüren, hören oder sehen können. Diese Fähigkeit besitzen alle Menschen und auch Tiere», erklärt er.

Die Essenz des Seins

Eine herausragende Feinfühligkeit besitzt die dänische Psychologin und Therapeutin Rebecca Rosing. Sie sieht die Welt buchstäblich mit anderen Augen: Sie spürt, hört und sieht alles Lebendige und Feinstoffliche klar und deutlich. Etwa, so schreibt sie, den «energetischen Verlauf von Gefühlen» eines Menschen mit Farben und Formen. «Spricht eine Person liebevoll über jemanden, sehe ich ein angenehmes warmes Dunkelgrün, das durch eine trichterförmige Öffnung ausströmt.» Seit sie Kind ist, kenne sie diese Gabe, sich mit allem Lebendigen zu verbinden, zudem werde sie stets von Geistwesen begleitet. «Es fing meist damit an, dass ich mich mit einer einzelnen Blume verband. Von ihren Schwingungen ging ein Klang aus, ein zarter klarer Ton, der mich trug. Ich spürte ihre Essenz und hörte ihr Wachstum», schreibt sie in ihrem Buch «Die Einfachheit des Seins».

Keine Wahrsagerei

Medien, die wie Christoph Bürer oder Isabelle Schumacher in der Tradition des britischen Spiritualismus arbeiten, sehen sich nicht als Wahrsager. Sie vermitteln in erster Linie Botschaften vom Leben nach dem Tod. Bürer: «Ich erhalte Eindrücke, Gefühle oder Ideen aus der geistigen Welt, die ich dann so wertfrei wie möglich weitergebe. Es ist wie ein Puzzle, das ich zusammensetze.» Die Klienten, die kämen, sollten nicht sagen, was sie konkret erwarteten und ihn nicht mit Informationen beeinflussen. Die Hinweise der Verstorbenen gäben meist einen Sinn, wenn auch erst im Nachhinein. «Im Laufe einer Kommunikation mit dem Verstorbenen geben diese über mich Tipps weiter. Jedoch muss jeder selbst Verantwortung übernehmen», sagt Bürer.

Hochburg England

Alle Kulturen, Naturvölker und Religionen glauben an Kontakte mit dem Jenseits und die Existenz von Geistwesen, seien es die alten Ägypter, die Griechen oder die Römer. Die Bibel beinhaltet zahlreiche Beschreibungen von Kontakten mit Engeln und Lichtgestalten, die Kirche wie auch die Wissenschaft, lehnen Spiritualismus jedoch vehement ab. Aber was heisst dies? Dass es menschlich ist, an übernatürliche Kräfte zu glauben? Oder ist es ein Beweis, dass es solche Dinge wirklich gibt?

Informationen
Basler Psi-Verein, Tel. 061 383 97 20, www.bpv.ch
InfoSekta, Tel. 044 454 80 82, www.infosekta.ch

Fotos: fotolia.com

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