Artikel Leben :: Natürlich Online Die Ölkrise | Natürlich

Die Ölkrise

Kategorie: Leben
 Ausgabe 06 - 2010 - 01.06.2010

Text:  Martin Arnold

Ob in Kosmetika, Schokolade, Margarine oder Reinigungsmitteln, Palmöl ist Bestandteil unzähliger Produkte. Der Anbau von Ölpalmenplantagen ist in Asien und Südamerika mitverantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes.

Biotreibstoffe helfen die Treibhausgasemissionen zu mindern und sorgen für klimaneutrale Mobilität: Was noch an den Klimaverhandlungen in Kyoto 1997 wie eine Verheissung geklungen hat, ist in Verruf geraten. Agrotreibstoffe, wie sie heute genannt werden – allen voran Palmöl – führen in den Ursprungsländern zu einer Verschärfung der sozialen Konflikte.

Für den Anbau von Ölplantagen werden in Asien und Südamerika im grossen Stil Urwälder abgefackelt. Das hat Indonesien vorübergehend an die zweite Stelle aller Klimaverschmutzer weltweit gehievt. Alleine Borneo verlor zwischen 2003 und 2007 laut der Nichtregierungsorganisation Watch Indonesia pro Jahr 11 500 Quadratkilometer – in fünf Jahren eine Fläche, die beinahe doppelt so gross ist wie die Schweiz. Sowohl in Borneo als auch in Sumatra stehen die weltweit grössten Torfwälder. Der in ihnen gebundene Kohlenstoff wird bei der Brandrodung in Form von CO2 freigesetzt. Anstatt dass mit der Palmölnutzung CO2 eingespart wird, steigt dessen Ausstoss so massiv an. Damit nicht genug: Durch den Anbau von Palmöl-Monokulturen verliert ein Teil der indigenen Bevölkerung ihre Heimat und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensgrundlage.

Surftipps
Hier erhalten Sie weitere interessante Informationen zum Thema
RSPO – the Roundtable on Sustainable palm oil
Rettet den Regenwald e.V.
Borneo Orangutan Survival Schweiz
WWF Palm Oil Buyers’ Scorecard 2009
Kahlschlag zum Frühstück

Überall drin

Doch Palmöl wird längst nicht nur für Kraftstoffe eingesetzt. Das billige Öl durchsetzt unseren ganzen Alltag. Es wird unter anderem in Lippenstiften, Körpercremes, Waschmitteln, Margarine, Schokolade, Fertigsossen oder als Frittieröl verwendet. Nach Angaben von Nicolas Schmid, Pressesprecher bei Coop, führt der Grossverteiler rund 1000 Artikel auf Palmölbasis. Bei der Migros sieht es ähnlich aus.

In den letzten Jahren hat die Nahrungsmittelindustrie tierische Fette und die gesundheitsschädlichen gehärteten Fettsäuren (Transfette) sukzessive durch das besser geeignete Palmöl ersetzt. «Uns ist bewusst, dass es zwischen dem steigenden Bedarf an Palmöl und der Zerstörung von Regenwäldern einen Zusammenhang gibt», sagt Nicolas Schmid. «Da existiert ein Zielkonflikt, für den es dringend Lösungen braucht.»  Das Einrichtungshaus Ikea verbraucht laut der Umweltorganisation «Rettet den Regenwald» weltweit jährlich 32 000 Tonnen Palmöl für die Produktion von Kerzen und Teelichtern.

Proteste fruchteten bislang nichts, genauso wenig wie der Roundtable for Sustainable Palm Oil (RSPO), den die Umweltorganisation WWF gemeinsam mit Palmölproduzenten aus Indonesien und Malaysia ins Leben gerufen hat. Das Ziel des WWF ist es, Palmöl, das ohne Urwaldzerstörung und Landvertreibung produziert wird, mit einem Label zu versehen. Doch die meisten Produzenten sind bis heute ausserstande, die Auflagen zu erfüllen. Laut RSPO werden zurzeit pro Jahr rund 1,5 Millionen Tonnen nachhaltiges Palmöl produziert, was weniger als fünf Prozent der weltweiten Produktion entspricht.

Weiterführender Artikel
 «Palmöl von der Drogenmafia»: Interview mit Rudolf Rechsteiner über die Machenschaften der Drogenmafia beim Geschäft mit Palmöl.

Monokulturen in Kolumbien

Solange die Treibstoff- und die Nahrungsmittelindustrie die Nachfrage nach Palmöl steigern, steht es um die letzten Reste Urwald allerdings schlecht. Kürzlich informierte sich eine Schweizer Parlamentarierdelegation in Kolumbien vor Ort über die Zustände bei der Palmölproduktion. Sie besuchten die Provinz Sur de Bolivar in Zentralkolumbien, wo der Palmölanbau seit Jahren boomt und immer mehr wertvolle Böden in Beschlag nimmt. Denn die Ölpalme gedeiht in der fruchtbaren Fläche, wo genügend Wasser vorhanden ist, besonders gut. Verdrängt werden dadurch die Rinderzuchten, für die wiederum bislang unberührte Waldgebiete gerodet werden müssen.

Fotos: zvg, RSPO

Tags (Stichworte):

Kategorie: Leben

Carte Blanche:
Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

Der Amerikaner ist dumm, der Franzose arrogant, der Rumäne kriminell. Das zeigt...

Kategorie:

Kategorie: Leben

Gefühle für Maschinen

Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die dem Schoggi-Osterhasen mit...