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Rauchzeichen

Kategorie: Leben
 Ausgabe 03 - 2010 - 01.03.2010

Text:  Nicole Amrein

Nichtraucherin Öko-Lisa sieht dem kommenden Schweizer Rauchverbot gelassen entgegen – und hat Ideen, wie Wirte ihre Umsatzrückgänge kompensieren könnten.

Es fällt mir deshalb leicht, mit dem Genussrauchen aufzuhören, weil ich nie damit angefangen habe. So blicke ich dem 1. Mai 2010 gelassen entgegen. Dem Tag, an dem das Rauchverbot schweizweit in Kraft treten wird. Ich kann auch gut damit leben, wenn einzelne Kantone das neue Gesetz nur als Untergrenze ansehen und innerhalb ihres Hoheitsgebietes noch strengere Vorschriften erlassen. Zum Beispiel könnte man die russische Praktik aus den Anfängen des 17. Jahrhunderts wieder aufleben lassen, wo der Tabakkonsum vom Klerus als Todsünde angesehen und mit dem Aufreissen der Nase beziehungsweise dem Aufschneiden der Lippen bestraft wurde. Man kann es auch schlicht dabei belassen, die Süchtigen bei jedem Wind und Wetter vor die Tür zu verbannen und dadurch von offizieller Stelle dem Smirting Vorschub leisten.

Beim Rauchen flirten

Smirting ist ein Konstrukt aus den beiden Wörtern Smoking und Flirting. Als solches bezeichnet es nicht weniger als das Flirten während des Rauchens vor Gebäuden, in denen der Konsum von Tabak strikte untersagt ist. Unsere südlichen Nachbarn hatten Smirting schon perfektioniert, da war vom Rauchverbot in Italien noch keine Rede. 2005 eingeführt, gilt es im Übrigen als eines der Restriktivsten in ganz Europa. Vor Smirting genoss man noch die Zigarette nach dem Sex. Im Zuge des Nichtraucherschutzes gibts zuerst die Zigarette, dann das Schäferstündchen – vorausgesetzt, die Beteiligten sind dazu noch in der körperlichen Verfassung. Denn Rauchen kann zu Impotenz führen. Zu Atemwegserkrankungen. Zu Gefässverengungen. Im schlimmsten Falle zum Tod. Nun raucht ja wohl niemand, um früher von dieser Welt zu gehen. Nicht mal die Menschen im Süden von Laos, bei denen es völlig normal ist, dass selbst die kleinsten Kinder schon am Glimmstängel hängen, noch ehe sie laufen können. Auch als «Volk der Särge» bekannt, schnitzten die Stammesmitglieder der Kha Loum und Alak bereits zu Lebzeiten ihre ganz persönlichen Särge. Was zuerst war – die Tradition des eigenen Sargschnitzens oder die französischen Kolonialherren, welche die ersten Tabakpflanzen auf das Bolaven-Plateau gebracht haben – ist ähnlich der Frage vom Huhn und vom Ei nicht abschliessend geklärt.

Die Genusspolizei

Fakt ist: Argumente fürs Schloten sind in etwa so schwierig zu finden, wie jene Barbesitzer, die dem Rauchverbot in ihren Lokalen positiv gegenüberstehen. Von verheerenden Umsatzeinbrüchen ist die Rede, von drohenden Betriebsschliessungen. Im äussersten Notfall können wir in der Schweiz immer noch dem italienischen Beispiel folgen und unsere Wirtinnen und Wirte umschulen. Zu Hilfspolizisten, die per Gesetz dazu verpflichtet werden, die Einhaltung des Rauchverbots in ihren Lokalen gegenüber den Gästen durchzusetzen. Bei Verstoss drohen bis zu 3000 Franken Busse.

Und wenn dann das Rauchen in öffentlichen Bereichen eines dunstfreien Tages kein Thema mehr sein sollte, so können die zuständigen helvetischen Stellen das Verbot ja immer noch auf den Alkohol ausdehnen. Oder auf die Trans-Fettsäuren. Oder die Mono- und Disaccharide beziehungsweise den Genuss schlechthin.

Die Autorin
Die Journalistin und Moderatorin Nicole Amrein hat mehrere satirische Frauenromane und Romanserien verfasst, darunter einige Bestseller. Jeden Monat gewährt uns die Bernerin mit spitzer Feder einen unterhaltsamen und intimen Blick ins Tagebuch von Öko-Lisa. Mehr Informationen unter www.nicoleamrein.ch

Illustration: Manuela Lanfranconi; Foto: FranUlloa / flickr / cc

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