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Der Durst der Welt

Kategorie: Leben
 Ausgabe 02 - 2010 - 01.02.2010

Text:  Martin Arnold

Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Wasser. Das kostbare Gut wird deshalb knapp. Die Versorgung der Menschen mit genug Trinkwasser ist darum neben dem Kampf gegen die Klimaerwärmung die zweite grosse Herausforderung.

Eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine weitere halbe Milliarde Menschen durstet. Das führt nach Schätzungen der Unesco täglich zum Tod von 4500 Kindern unter fünf Jahren. Und der Klimawandel macht die Situation nicht besser. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 zwei Drittel der Menschen an Wasserknappheit und rund eine Milliarde Menschen Durst leiden.

Walter Fust, ehemaliger Direktor des Deza, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes, ist als Geschäftsführer des Global Humanitarian Forums (GFH) täglich mit der Wasserproblematik konfrontiert.  Fust: «Die Wasserfrage ist untrennbar mit Fragen der Ernährungssicherheit und des Klimawandels verbunden.» In einer kürzlich veröffentlichten Studie ging das GHF deshalb der sozialen Dimension dieser anstehenden Veränderungen nach. Fust: «Es gibt bereits heute mehr Klimaflüchtlinge als politischmotivierte Emigranten. 26 Länder haben ernsthafte Probleme mit der Wasserversorgung. 2050 werden es doppelt so viele sein.»

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Die Schweiz und das Wasser

Die Schweiz als Wasserschloss Europas gehört schon lange auch bei der Wasserforschung zu den führenden Nationen. Das Wasserforschungsinstitut Eawag, das zur Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH gehört, arbeitet auf der wissenschaftlichen Ebene sowohl bei der Wasserversorgung als auch bei der Abwasserreinigung eng mit zahlreichen Ländern zusammen.

Eine Erfolgsgeschichte ist dabei das Projekt Sodis. Die Aufbereitung von Wasser zu keimfreiem Trinkwasser mithilfe einer einfachen Petflasche und Sonnenlicht ist inzwischen schon weltweit verbreitet. Ein zukünftiges Schwergewicht wird die Versorgung der rasch wachsenden Städte mit Trinkwasser sein, aber auch die Bewirtschaftung und Behandlung der Abwasser.

Unersättliche Landwirtschaft

Weltweit entfällt aber 70 Prozent des Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, wo das kostbare Nass förmlich verschwendet wird. Damit kommen auch die Schweizer wieder ins Spiel. Der «Living Planet Report2008» des WWF zeigt: Jeder Schweizerkonsumiert direkt oder indirekt täglich 4600 Liter Wasser, wobei der globale Durchschnitt bereits 3600 Liter beträgt. Die Flüssigkeit, die aus dem Duschkopf kommt, das WC runter gespült oder in Küche, Garten und bei der Autowäscheverbraucht wird, beträgt allerdings nur ein Viertel der gesamten verbrauchten Wassermenge. Der Rest ist sogenannt «virtuelles Wasser».

Mit «virtuellem Wasser» ist der Import von Wasser gemeint, der sich in Gütern versteckt. Offensichtlich ist das bei Früchten und Gemüse, weniger offensichtlich aber bei Fleisch und Kleidern. Die Produktion eines T-Shirts verbraucht beispielsweise über 2500 Liter Wasser. Kasachstan ist einer der grossen Baumwollproduzenten. Das Wasser für die Bewässerung wird den Zuflüssen des Aralsees abgezapft. Damit tragen unsere Kleider zur grossen ökologischen Katastrophe bei, die mit der völligen Austrocknung dieses Sees einhergeht.

Fairen Preis für Wasser

«Der Schlüssel zur Lösung der Wasserproblematik liegt in der Landwirtschaft. Denn dort liegt ein riesiges Sparpotenzial brach. Landwirte müssen lernen, effizientere Bewässerungsmethoden wie die Tröpfchenbewässerung anzuwenden», ist Christian Zurbrügg, Leiter der Abteilung Wasser und Siedlungshygiene in Entwicklungsländern (Sandec) an der Eawag überzeugt. Mit dem zunehmenden Anbau von Agrotreibstoffen ist aber eher das Gegenteil der Fall. Die Landwirtschaft benötigt immer mehr Wasser.

Der freie Zugang zu Wasser gilt allgemein als Menschenrecht. Dass daraus aber auch die freie Nutzung von Wasser abgeleitet wird, möchte er in Frage stellen. Fust: «Die Erfahrung zeigt, dass kostenlos wertlos bedeutet und zu exzessivem Verbrauch führt. Deshalb müssen die Konsumenten weltweit lernen, für Wasser zu zahlen. Zumindest, wenn sie für die industrielle Produktion oder die Landwirtschaft grosse Mengen verbrauchen. Es ist zu kostbar, um es sinnlos zu verschwenden.»

Die zehn Wasserspar-Gebote
• Undichte Spülkästen sofort reparieren lassen. (Ein auch nur leicht tropfender Spülkasten verschwendet jährlich die Wassermenge von 100 Vollbädern.)
• Beim Zähneputzen und Rasieren nur Wasser laufen lassen, wenn man es wirklich braucht.
• Duschen statt Baden. (Eine Dusche benötigt nur einen Drittel der Wassermenge eines Vollbades.)
• Den Garten, wenn überhaupt nötig, erst am Abend giessen.
• Für die Gartenbewässerung das in Regentonnen gesammelte Dachwassernutzen.
• Autos möglichst wenig waschen – und wenn, dann in einer automatischen Waschanlage.
Waschmaschinen und Geschirrspüler nur laufen lassen, wenn sie voll sind.
• Moderne Armaturen und Mischbatterien sind sparsamer. Es gibt auch Durchflussbegrenzer und Sparduschknöpfe.
• Vorwaschen braucht es nur bei stark verschmutzter Wäsche.
• Für das «kleine Geschäft» die Toilettenspülung unterbrechen

Fotos: fotolia.com

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