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Alles im Griff ?

Kategorie: Leben
 Ausgabe_10/17 - 01.10.2017

Text:  Markus Kellenberger

Bei den E-Bikes wachsen die Unfallzahlen mit den schnellen Flitzern stetig. An den meisten Unfällen sind die E-Bikerinnen und -Niker selber schuld – ein bisschen Fahrtraining kann da nicht schaden.

@ fotolia.com, istockphoto.com

Es wird Herbst. Und mit jedem der dunkler werdenden Tage fallen nicht nur immer mehr Blätter, sondern leider auch immer mehr E-Bike-Fahrerinnen und -fahrer. Die schlechter werdende Sicht, Nässe und rutschige Strassen fordern ihren Tribut. Die allermeisten E-Biker, das hat die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU 2015 genau analysiert, verletzen sich bei «Stürzen ohne Fremdeinwirkung». Das heisst: Die Kurve wurde zu schnell angegangen, ein Hindernis übersehen, man hat Bremswirkung und Bremsweg, zum Beispiel auf Kies oder feuchtem Laub, falsch eingeschätzt – oder vor der Fahrt zu tief ins Glas geschaut.

Fast immer auf den Kopf. Weil E-Bikes schwerer als normale Velos und je nach Kategorie auch deutlich schneller unterwegs sind, kommt es bei Selbstunfällen häufig zu erheblichen Verletzungen, ähnlich wie bei Motorradfahrern. Sehr häufig sind dabei Arm- und Beinbrüche, in vielen Fällen kombiniert mit Wirbelsäulen-, Kopf- und Gehirnverletzungen, und das obschon zwei Drittel all jener Frauen und Männer, die mit einem E-Bike unterwegs sind, mittlerweile einen Helm tragen. «Die Verletzungen sind komplexer als bei konventionellen Velofahrern», sagt Reto Babst, Leiter des Traumazentrums des Kantonsspitals Luzern. Entsprechend lange blieben die Sturzopfer denn auch hospitalisiert – durchschnittlich zehn Tage lang.

Gleich hinter den Selbstunfällen folgen zahlenmässig Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern, wobei die vermeintlichen Opfer, die E-Bike-Fahrer, nicht immer ganz unschuldig sind, und sei es nur deshalb, weil man stur auf seinem Vortrittsrecht beharrt hat oder halt doch etwas gar flott in den Kreisel eingebogen ist. In solchen Schreckmomenten reicht ein panisches Brems- oder Ausweichmanöver – und es knallt.

E-Bike – aber sicher!
Minimieren sie das Risiko für einen Selbstunfall oder eine Kollision mit Dritten, indem Sie sich mit den Besonderheiten Ihres E-Bikes, seinem Fahrverhalten und der Wahrnehmung anderer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer bewusst auseinandersetzen.
Das können sie tun:
Machen Sie einen freiwilligen Fahr- und Bremskurs. Viele Kantonspolizeikorps, Verkehrsorganisationen wie der TCS, Pro Velo Schweiz, die Pro Senectute und verschiedene Schweizer Hersteller von E-Bikes bieten spezielle E-Bike-Fahrkurse an.
Tragen Sie unbedingt und auch für kurze Strecken einen Helm und denken Sie daran: Ein Helm kann zwar Ihre Frisur kurz durcheinanderbringen – aber ein Sturz ohne kann bleibende Schäden zur Folge haben.
Machen Sie sich auf der Strasse sichtbar. Tragen Sie Kleider oder Westen mit reflektierenden Materialien.
Licht ist Pflicht – auch am Tag.
Fahren Sie bei Regen, Nässe, Glätte und schlechter Sicht bewusst langsamer als bei guten Bedingungen.
Wählen Sie bei schlechtem und nassem Wetter vor allem in der Stadt die minimalst mögliche Tretunterstützung durch den E-Motor. Bei zu hoher Antriebsleistung und entsprechend hohem Tempo ist die Gefahr gross, auf Strassenmarkierungen und Tramschienen auszurutschen.

Viel schneller als gedacht. Unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass das Tempo von E-Bikes von anderen Verkehrsteilnehmern schon fast chronisch falsch eingeschätzt wird. Konkret: Je schneller ein Zweirad unterwegs ist, und zwar unabhängig davon, ob es ein Velo oder ein E-Bike ist, desto stärker unterschätzen Fussgänger und Autofahrer dessen Geschwindigkeit. So wundert es die Spezialisten von der BfU nicht, dass Zusammenstösse in der Regel an Zebrastreifen, Kreuzungen und Kreiseln passieren, dort also, wo es darauf ankommt, die Geschwindigkeit der anderen Fahrzeuge richtig einzuschätzen.

Noch schwieriger wird es für die anderen Verkehrsteilnehmer dann, wenn das E-Bike zusätzlich «frisiert» wurde. Noch sind es polizeilich rapportierte Einzelfälle. Aber auch hier zeigt der Trend nach oben, denn aktuell liegt das Durchschnittsalter der E-Bike-Fahrer bei rund 47 Jahren – und da ist noch den eine oder andere ehemaligen «Töfflibueb» dabei.

2015 verletzten sich bei Unfällen verschiedenster Art 163 E-Bike- Fahrerinnen und -fahrer schwer, 14 weitere kamen ums Leben. Die Zahl der Leichtverletzten dürfte um ein Vielfaches höher liegen, ist aber kaum fassbar, da viele von ihnen die bei Stürzen und Zusammenstössen erlittenen Schürfungen und Prellungen mithilfe der Hausapotheke selber behandelt haben. Noch gibt es keine konkreten Zahlen für das laufende oder das letzte Jahr. Dennoch steht für Marc Bächler von der BfU mit Blick auf den anhaltenden Verkaufsboom bei den E-Bikes bereits jetzt fest: «Die Unfälle mit E-Bikes nehmen weiterhin zu.»

Fotos: fotolia.com, istockphoto.com

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