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Wellen aus Stein

Kategorie: Leben
 Ausgabe_07_08/2017 - 01.07.2017

Text:  David Coulin

Wandern mit Weit- und Aussicht über das Berner Oberland – das ist auf dem leicht zu begehenden Güggisgrat möglich, der in leichtem Auf und Ab das Niederhorn mit dem Gemmenalphorn verbindet.

@ David Coulin, AT Verlag /www.at-verlag.ch

Die Entstehung der Alpen ist eine komplexe Sache: Faltungen, Hebungen, Überschiebungen, Abtragungen und Gletscherflüsse haben in Jahrmillionen eine unübersichtliche Landschaft geformt. Anders ist dies oberhalb von Beatenberg am Thunersee. Hier sieht man zwei Gratzüge aus Kalk, die vom Druck aus Süden wie Wellen aneinandergereiht wurden. Wer auf diesen Wellen surfen will, lässt sich mit der Seilbahn auf das Niederhorn hinauftragen – und schaut sich dort erst einmal um. Alles, was in der Berner Hochalpenwelt Rang und Namen hat, ist von hier aus sichtbar.

Aussicht ohne Ende. Unten liegt der Thunersee in tiefem Blau, und gegen Westen hin erkennt man hinter dem Sigriswilgrat das Mittelland. Natürlich gäbe auch der Sigriswilgrat eine Panoramawanderung her. Interessant dabei ist das Schaloch: ein Tunnel, in dem man das Sigriswiler Rothorn unterqueren kann. Hier zwischen dem Niederhorn und dem Gemmenalphorn ist aber alles ein bisschen bequemer und einfacher. In leichtem Auf und Ab zieht sich der Güggisgrat kilometerlang nach Nordosten hin. Von Zeit zu Zeit ist ein kleiner, von Berganemonen umgebener Tümpel in eine Senke eingelassen, in dessen Wasser sich Eiger, Mönch und Jungfrau spiegeln.

Steinböcke ohne Scheu. Und immer wieder hört man in den steilen Flanken, die ins Justistal abstürzen, ein leises Knirschen und Poltern. Wenn man genau hinschaut – es lohnt sich, auf diese Tour einen Feldstecher mitzunehmen –, wird man vielleicht Zeuge des übermütigen Spiels zweier junger Steinböcke am Rand des Abgrunds.

Die älteren Tiere lassen sich sogar von ganz nah bestaunen und gern fotografieren. Wenn dabei das Sonnenlicht kurz aussetzt, ist das nicht unbedingt die Schuld vorüberziehender Wolken – an Tagen mit guter Thermik ist das Gebiet auch bei Gleitschirmfliegern und Deltaseglern sehr beliebt.

Alpkäse für daheim. So geht das bis zum Gemmenalphorn – wo man nochmals hinunterblickt zu einem Einschnitt, der wie eine Sichel geformt ist und darum auch so heisst – und ins Justistal, bekannt durch die jahrhundertealte Tradition der Justistaler Chästeilet.

Da könnte man jetzt natürlich auch hinunterstreben und auf einer der Alpen ein kräftiges Stück Alpkäse erwerben. Wir beschränken uns hier jedoch auf eine leichte Tour – die Original-Höhenwanderung vom Niederhorn zur Waldegg wäre sogar noch kürzer und zweigt schon vor dem Burgfeldstand zur Chüematte ab.

Dort führt uns der Weg vom Gemmenalphorn auch vorbei und weiter durch lichte Wälder zum Zielort.

Das Buch «Die schönsten Panoramatouren in der Schweiz» aus dem AT-Verlag ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Eine Gratwanderung für jedermann
• Schwierigkeit
T1–T2: An den wenigen exponierten Stellen sind Seilsicherungen angebracht.
• Höhendifferenz
120 m Aufstieg, 850 m Abstieg, Wanderzeit: 3 Std.
• Route
Vom Niederhorn über den Burgfeldstand (2063 m ü. M.) zum Gemmenalphorn (2061 m ü. M.). Vom Gipfel einige Hundert Meter weiter nordwärts hinunter bis zur Weggabelung bei P. 1862. Von dort südwärts weiter absteigend via Oberberg (1816 m ü. M.) zur Chüematte (1691 m ü. M.). Von dort weiter nach Waldegg zur Postauto-Haltestelle.
• Anreise
Mit der SBB bis Interlaken West, mit dem Postauto bis Beatenberg. Variante: mit Bus oder Schiff von Thun zur Beatenbucht, dann mit der Drahtseilbahn nach Beatenberg. Von Beatenberg mit der Seilbahn zum Niederhorn.
• Abreise
In Waldegg Haltestelle Beatenberg, Waldegg. Rückreise mit dem Postauto nach Interlaken West (SBB-Anschluss).
• Unterkunft und Verpflegung
Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit auf dem Niederhorn (Telefon 033 841 11 10, www.niederhorn.ch)
• Karten
Landeskarte 1: 25 000, 1208 Beatenberg, Landeskarte 1: 50 000, 254 Interlaken

Fotos: David Coulin, AT Verlag /www.at-verlag.ch

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