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Lüstern ohne Reue

Kategorie: Leben
 Ausgabe_07_08/2017 - 01.07.2017

Text:  Gundula Madeleine Tegtmeyer

Sex ist die schönste Nebensache der Welt. Der Gipfel der Lust: das Liebesspiel fair und ökologisch gestalten.

@ istockphoto.com, zvg

Viele Sexshops haben sich in den letzten Jahren zu Erotikshops gewandelt – sie haben ein regelrechtes Facelifting verpasst bekommen: freundliches Ambiente statt schummriger Schmuddel-Look; Sinnlichkeit hat Pornografie abgelöst. Geschultes weibliches Personal berät souverän und selbstbewusst neben ihren männlichen Kollegen die Kundschaft in Sachen Lustgewinn. Die neue Generation von Sexspielzeug ist nicht nur funktional, ihre Designs halten auch ästhetischen Ansprüchen stand. Vibratoren, Dildos & Co sind oft so gekonnt und prominent in Szene gesetzt, als seien es kleine Kunstwerke, die es zu bestaunen gilt. «Erotik und Sexualität sind in den letzten 15 Jahren in der Schweiz gesellschaftsfähig geworden», resümiert Jan Brönnimann, Marketingchef und Sprecher der Erotikläden Magic-X Retail AG (vormals Beate Uhse). Sein Fazit lautet: «Erotik und Sexspielzeug sind heute ein angesagtes Thema.»

Surftipps
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Öko-Sextoy-Hersteller
Amorana - ein junges, ambitioniertes,  Team aus der Schweiz, dass eine inspirierende und umfangreiche Auswahl an Produkten bietet und diese in einem neuartigen und stylischen Look und Feel präsentiert.
Fun Factory - einer der grössten Erotikspielzeug Hersteller in Europa. Medizinisches Silikon, keine Weichmacher, viele Fun Factory-Produkte können in der Bio-Tonne entsorgt werden. Die Vibratoren Amorino, Pearly, Miss Bi können via USB-Stecker aufgeladen werden.
SelfDelve - kleine, von Frauen ökologisch geführte Manufaktur. Für die handgefertigten Silikon-Sextoys wird sogenanntes additionsvernetzendes Silikon (Ton, Sand und Keramiken) verwendet.
playstixx - handgefertigte erotische Spielzeuge aus der Berliner Manufaktur der Sexualberaterin und Bildhauerin Stefanie Dörr. Unikate aus 100 Prozent anti-allergenem Silikon, frei von Weichmachern (BPA-Siegel). Defekte Motorelemente werden ausgetauscht und fachmännisch entsorgt bzw. recycelt. Bezugsquelle in Zürich: „Special Moments“
• LELO-Sextoys & Dildos aus Glas und Keramik, Bezugsquelle
Earth-Angel–Dildo/Caden Enterprises

Erotische Spiele für Paare
Bezugsquellen
Amorelie
Erotisches Kartenspiel - Sexspiel
Gesellschaftsspiele
RFSU-Kondome (in der Schweiz unter „COSANO Feeling“ im Handel)
• Intimina

• Amorelie

• Gynial

• Waschbär

• FunFactory

Kondome
• Fair Squared – Mitglied im Fair Rubber e.V. Der Latex für die Kondome stammt von FSC-zertifizierten Plantagen in Kerala, Südindien. Bezugsquellen: FairSquared, boutiquevegan, avocadostore
einhorn Kondome, das „Fairstainability Kondom“ aus Naturkautschuk in Malaysia produziert. Verpackt sind sie in kleine Design-Tüten
• Öko-Gleitgels

auf Wasserbasis hergestellt und biologisch vollständig abbaubar

Let’s talk about sex. Diese grössere Akzeptanz und Offenheit im Umgang mit dem Thema Sex geht einher mit dem Wandel in Partnerschaften, denn Paare reden mittlerweile offener miteinander über Erotik und sexuelle Bedürfnisse. «Noch vor 15 Jahren sind fast ausschliesslich Männer die Zielgruppe von Sexshops gewesen», sagt Brönnimann, «das Geschäft mit Erotikartikeln hat sich früher stark an der Pornografie ausgerichtet.» Das habe sich geändert. Die Wünsche und Bedürfnisse auch der Frauen würden heutzutage gleichberechtigt im Erotiksortiment berücksichtigt. Und ein weiterer erfreulicher Trend sei zu verbuchen: «Gefragt sind zunehmend Produkte, die beiden Spass machen, solche, die sich in das gemeinsame Liebesspiel einbauen lassen.» Die Sextoy-Hersteller haben auf die neuen Bedürfnisse reagiert, wie auch das Angebot von Erotiksets für Paare in den Regalen der Sexshops belegt. Für Menschen, die kommunikative Anlaufschwierigkeiten in Sachen sexueller Wünsche und Fantasien haben, empfiehlt Brönnimann zur Auflockerung erotische Brett- und Kartenspiele, wie sie zum Beispiel Amorelie anbietet. «Solche Spiele helfen, die eigenen Vorlieben besser kennenzulernen, um im nächsten Schritt offener mit dem Partner über Fantasien und Wünsche sprechen zu können.»

Safer Sex auch mit Toys. Bevor wir das Thema vertiefen, an dieser Stelle zunächst noch eine Begriffsklärung: Was ist überhaupt ein Sextoy? Toy ist das englische Wort für Spielzeug. Sextoys sind Dinge und Gegenstände, die das Liebesleben abwechslungsreicher und intensiver machen sollen, ob nun allein oder als Paar.

Laut Alexandra Haas, Inhaberin des Zürcher Erotikgeschäfts «Special Moments», sind die Schweizer «sehr offen für vergnüglichen Sex, auch mit Sextoys, und sehr froh um Tipps». Eine kompetente Beratung ist wichtig; eine sorgfältige Prüfung sowie Wahl in Sachen Sexspielzeug sind geboten. Denn Sextoy-Hersteller müssen keinerlei gesundheitliche oder ökologische Auflagen erfüllen. Eine einfache Grundregel zur Orientierung im grossen Angebot lautet: Grundsätzlich Hände weg von Sextoys, die nach Gummi riechen – sie können die Gesundheit gefährden!

Herkömmliche PVC-Dildos und -Vibratoren enthalten meist sogenannte Phthalate als Weichmacher. Bei längerem Gebrauch werden diese freigesetzt. Phtalate gelten als krebserregend und können Nieren und andere Organe schädigen. Von Nachhaltigkeit, fairem Handel und Wiederverwertung ist schon gar nicht die Rede. Doch die Nachfrage nach medizinisch und ökologisch unbedenklichen Sextoys nimmt zu. Hersteller und Händler reagieren auf den Trend. «Wir haben im Sortiment nur Produkte, die gesundheitlich völlig unbedenklich sind», versichert Alexandra Haas und verweist dabei auf die Label Fun Factory, SelfDelve und playstixx. Die beiden Letzteren sind von Frauen geführte Manufakturen, die sich speziell ökologischen Aspekten widmen. Auch vegane Produkte findet man im «Special Moments». «Besonders beliebt sind Fun Factory, Womanizer, We-Vibe, Aneros, Shinga, Swan und unser Special-Moments-Gleitmittel», plaudert Haas aus dem Sexkästchen. Vibrator «Paulchen» aus medizinischem Silikon von Fun Factory ist TÜV-geprüft und hat es in der Damenwelt zu Kultstatus gebracht. Out sind Sextoys, die mit Einwegbatterien betrieben werden, ebenso Gleitmittel auf Erdölbasis.

Think global, act local. Angesagt sind aufladbare Sextoys wie der Massagestab Lily des Schwedischen Herstellers LELO. Auch der stylische Vibrator Lelo-Gigi-blue kann ökologisch punkten. «Think global, act local. Aus Liebe zu sich selbst – aus Liebe zur Natur» lautet das Motto des Herstellers Fun Factory. Büro- und Produktionsgebäude entsprechen konsequent den aktuellsten Energiestandards und werden mit einer besonders ökofreundlichen Pelletheizung erwärmt. Standort des Unternehmens ist Bremen in Deutschland, somit sind die Lieferwege innerhalb Deutschlands und in die Schweiz kurz. Nach britischem Vorbild von «Lovehoney» werden defekte Sextoys durch ausgewählte Partner recycelt. 2012 stellte Fun Factory sämtliche Verpackungen von branchenüblichen Plastikblistern auf umweltfreundlichere Pappschuber um. Fun Factory-Toys werden zunehmend mit langlebigen Lithium-Polymer-Akkus ausgestattet, die keinen unerwünschten Memory-Effekt haben. Die Modelle Amorino, Pearly und Miss Bi können via USB Stecker weltweit aufgeladen werden. Und noch ein weiterer ökologischer Trend zeichnet sich ab: Dildos aus Glas und Keramik, wie zum Beispiel von Lovemoiselle, finden immer mehr Liebhaberinnen. Gefüllt mit Wasser lassen sie sich auf die gewünschte Betriebstemperatur erwärmen. Zudem sind sie nach dem Liebesspiel leicht zu pflegen.

Vorspiel Kurbeln. Den wohl bislang grünsten Sextoy-Traum erfüllt der irische Earth-Angel-Dildo. Entwickelt wurde er von Caden Enterprises mit dem Save-The-World-Gedanken. Die nötige Energie wird mit einer Handkurbel erzeugt: nach wenigen Minuten Kurbelns kann man bis zu 60 Minuten umweltfreundlich Lust erleben. Die Materialien sowie die Verpackung sind zu 100 Prozent abbaubar. 25 Prozent des Verkaufspreises gehen an die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Ob Vibratoren für den Penis, Silikonvaginas oder Analspielzeug – auch im Herren-Sortiment haben Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit Einzug gehalten. Auch in Sachen geschützter Sex. Das Potenzial ist gross. Das Gebot der Stunde lautet, sich beim Liebesspiel möglichst umweltfreundlich und fair zu schützen. Zum Beispiel mit RFSU-Kondomen. Sie werden aus Naturkautschuklatex hergestellt, einem nachwachsenden Rohstoff, der recycelbar ist. RFSU ist die schwedische Abkürzung für Riksförbundet för sexuell upplysning, zu Deutsch: Verband für sexuelle Aufklärung. RFSU zertifizierte Kondome unterliegen den strengen Standards der RFSU-Norm. Diese verbindet nicht nur die Anforderungen der Europäischen und der ISO-Standards, RFSU hat darüber hinaus seine eigenen noch strengeren Massstäbe hinzugefügt. Die Kondome sind jedoch nicht geeignet bei Latex-Unverträglichkeit. Das Kondom RFSU Thin ist in der Schweiz unter der Bezeichnung «COSANO Feeling» im Handel.

Vegan und Fair Trade sind auch die «Lümmel Tüten». Die bunten und neckisch verpackten Präservative gehören zu den weltweit ersten Kondomserien, die aus fair gehandeltem Natur-Latex hergestellt wurden. Das heisst: Fairtrade-Mindestpreis, keine Kinderarbeit, Unterstützung von sozialen Projekten in den indischen Plantage sowie nachhaltiges Wirtschaften.

Wer erotisches Neuland erkunden und nachhaltigen Schwung in sein Liebesleben bringen möchte, ist in den modernen Erotikshops gut beraten. Trauen Sie sich! Erklimmen Sie den Gipfel der Lust und erleben Sie wahre Hochgefühle – ob allein oder zu zweit, Hauptsache nachhaltig. Ihrer Gesundheit und der Umwelt zuliebe.

Öko-Sextoy-Hersteller
• Amorana
ein junges, ambitioniertes, Team aus der Schweiz, dass eine inspirierende und umfangreiche Auswahl an Produkten bietet und diese in einem neuartigen und stylischen Look und Feel präsentiert. www.amorana.ch
• Fun Factory
Einer der grössten Erotikspielzeug-Hersteller in Europa. Medizinisches Silikon, keine Weichmacher, viele Fun Factory-Produkte können in der Bio-Tonne entsorgt werden. Die Vibratoren Amorino, Pearly, Miss Bi können via USB-Stecker aufgeladen werden. www.funfactory.com
• SelfDelve
Kleine, von Frauen ökologisch geführte Manufaktur. Für die handgefertigten Silikon-Sextoys wird sogenanntes additionsvernetzendes Silikon (Ton, Sand und Keramiken) verwendet. www.selfdelve.com
• playstixx
Handgefertigte erotische Spielzeuge aus der Berliner Manufaktur der Sexualberaterin und Bildhauerin Stefanie Dörr. Unikate aus 100 Prozent anti-allergenem Silikon, frei von Weichmachern (BPA-Siegel). Defekte Motorelemente werden ausgetauscht und fachmännisch entsorgt bzw. recycelt. www.playstixx.eu

Fotos: istockphoto.com, zvg

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