Artikel Leben :: Natürlich Online

Mehr Menschlichkeit

Kategorie: Leben
 Ausgabe_03/2017 - 01.03.2017

Text:  Susanne Hochuli

Neue Ideen braucht das Land! Auf Ihrer Wanderschaft durch Deutschland hat Susanne Hochuli ein beeindruckendes Beispiel gefunden, wie die Wirtschaft auch anders funktionieren könnte. Menschlicher. Und gewinnbringender.

@ Pascal Meier, zvg

Sie trompetet genauso drauflos wie Trump – nur mit Intelligenz und Inhalt: Sina Trinkwalder (39). Sie kennen die Frau nicht? Sie gehört zu Augsburg wie die Augsburger Puppenkiste. Ihr Motto: «Wir können die Welt nicht verändern, aber jeden Tag ein bisschen besser machen.» Und an der Wand ihres Unternehmens manomama steht der Spruch: «Menschen mit einer neuen Idee gelten solange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.»

manomama war eine Idee von Sina Trinkwalder. Sie sagte sich vor über zehn Jahren: «Das kann es doch nicht gewesen sein!» Damit meinte sie ihre Werbeagentur, die sie mit ihrem Mann führte. Sie wollte etwas für Menschen tun, und zwar für Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben. Bei uns wären das wohl Ausgesteuerte, Randständige, Bildungsfremde, Sozialhilfebezüger, Menschen mit Migrationshintergrund. In Deutschland sind es ebensolche, auch wenn die Bezeichnung für die durchs Netz-Gefallenen anders ist: Hartz-IV-Empfänger.

Mehr Menschlichkeit in die Welt zu bringen – aus diesem Bedürfnis heraus entstand also manomama. Menschlichkeit, die sich auch finanziell auszahlt: Erstens fürs Unternehmen, zweitens für die Mitarbeitenden von manomama, die in den Jobcentern als «Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen» geführt werden, und drittens für den Staat. Weil er weniger Leistungen bezahlen muss, im Gegenteil noch von Steuern profitieren kann.

Genäht, gestaltet, zugeschnitten und Schmuck kreiert wird bei manomama. Es ist eine ökosoziale Textilfirma, die in Deutschland gewinnbringend Kleider herstellt. Aber statt Gewinn zu scheffeln, investiert Sina Trinkwalder lieber in das Unternehmen. Und in neue Projekte. «Die einzige Aufgabe eines Unternehmens heute ist die Maximierung der Menschlichkeit – nicht die Steigerung des monetären Gewinns!», sagt sie. Das Spannende an dieser Erfolgsstory ist, dass es nur Gewinner gibt. Dass es gelingt, Menschen mit null Chancen und vermutlich, nach längerer Zeit auf der Verliererstrecke, auch mit null Bock zu selbstbewussten Mitarbeitenden einer Firma zu machen und sie wirtschaftlich wieder auf eigene Beine zu stellen.

«Menschen mit einer neuen Idee gelten solange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat» – aber neue Ideen müssen zuerst gedacht werden. Doch bevor sie überhaupt keimen können, ersticken sie allzu oft in Vorschriften, Reglementierungen, Richtlinien, werden erdrosselt durch die Meinung der einen und Verurteilungen der anderen, bevor man es überhaupt ausprobiert hat. Wenn ich daran denke, wie viele Menschen in der Schweiz eine Arbeit finden sollten, Menschen, denen auch bei uns «multiple Vermittlungshemmnisse» attestiert werden, finde ich: neue Ideen sind unabdingbar!

Und da wünschte ich mir, dass sich Begeisterungsfähige aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an einen Tisch zusammensetzen, mit einer einzigen Auflage: «Das geht nicht» darf nie gesagt werden. Und Ideologien bleiben aussen vor. Etwas mehr manomama würde der Schweiz gut anstehen. Und nur Gewinner hervorbringen!

Zur Person
Susanne Hochuli ist ehemalige grüne Regierungsrätin des Kantons Aargau und wandert in diesem Jahr quer durch Europa in Richtung Norden. Infos: www.susanne-hochuli.ch, www.unterwegs.susanne-hochuli.ch


Foto: Pascal Meier, zvg

Tags (Stichworte):

Kategorie: Leben

Nahrung: Neue Richtlinen für Sojaimporte

Der steigende Fleischkonsum sowie das Fütterungsverbot von tierischem Eiweiss...

Kategorie:

Kategorie: Leben

Praxis: Glückspilze als Vorbilder

Der Brite Richard Wiseman ist Fachmann in Sachen Glück.