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Mystisches Hochtal

Kategorie: Leben
 Ausgabe_01-02/2017 - 01.02.2017

Text:  Heinz Staffelbach

Im Breccaschlund, einem von mächtigen Gletschern ausgehobelten Hochtal beim Schwarzsee, finden Suchende nach dem langen Winter Ruhe und Kraft.

@ Heinz Staffelbach, AT Verlag/at-verlag.ch

Das Tal ist wie eine kleine, abgeschlossene Welt für sich. Vielleicht zwei auf vier Kilometer gross ist das versteckte Hochtal, fast rundherum eingeschlossen, beschützt und bewacht von schroffen Türmen und Zinnen und auch langen Graten. Nur am nordöstlichen Ende öffnet es sich der Aussenwelt hinab zum Schwarzsee. Der Breccaschlund. Ein Hochtal, vor langer Zeit von Gletschern ausgehobelt.

Ein Blumenmeer. Es ist eine Landschaft, die auf kleinstem Raum so vieles in sich vereinigt. Rundherum Zähne und Pyramiden aus kargem, zerklüftetem Fels wie in den Dolomiten, der Talboden voller Buckel und Wellen, mit alten, knorrigen Wäldern wie im Urwald von Bödmeren, Karstlandschaften wie auf der Schrattenfluh und, lieblich und doch mutig eingestreut, immer wieder eine saftige Weide und eine behäbige, schmucke Alp. Der Breccaschlund – eine mystische Gebirgslandschaft, wenn Nebel- und Wolkenwesen um die Felsen und die Tannen streichen, und märchenhaft, wenn im Frühsommer ein Blumenmeer die Wiesen überzieht und Gämsen sich am satten Grün laben.

In der Brecca, wie das Hochtal im Dialekt heisst, wird das Älplerleben noch unverfälscht gelebt; es raucht aus dem grossen Kamin auf dem geschindelten Dach, gleich neben der Wohnstube ruht sich das Vieh im Stall aus, und draussen neben dem Stalleingang verköstigt die Bäuerin die durstigen und hungrigen Wanderer.

Die Brecca ist aber auch ein Naturjuwel, und das feine Ineinander verschiedenster Lebensräume bietet so manchen Tieren und Pflanzen ein Zuhause.

Kraftort für Mensch und Tier. Vor einigen Jahren lebte ein Wolf hier und riss eine grössere Anzahl Schafe. Aber es kommt noch illustrer: 2011 wurden Gänsegeier in der Schweiz gesichtet – im Breccaschlund und den angrenzenden Regionen. Die gewaltigen Vögel mit bis zu 2,7 Metern Flügelspannweite stammten wohl von einem Wiederansiedlungsprogramm in Frankreich. Einzelne Gänsegeier werden immer wieder in der Schweiz beobachtet, aber dieses Mal war es eine Gruppe von etwa 25 Vögeln, und die blieben nicht nur einen oder zwei Tage, sondern gleich mehrere Wochen. Der beste Beweis, dass der Breccaschlund nach wie vor eine naturnahe und wilde Berglandschaft ist.

Das Buch «Auf stillen Wegen an starke Orte» aus dem AT-Verlag ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Der Breccaschlund – ein mystischer Kraftort
• Anreise
Mit dem Zug bis Fribourg, dann per Bus bis Schwarzsee Bad.
• Route
Vom Ausgangspunkt Schwarzsee Bad fast bis zur Alp Brecca, ein paar Hundert Meter davor aber rechts weg und aufwärts zur Alp Cerniets (Schilder beachten). Weiter hoch zur Verzweigung vor der Alp Combi und hier nordöstlich Richtung Stierenberg, kurz davor (bei Rippetli) aber links hinab zur Alp Brecca und auf dem Aufstiegsweg zum Ausgangspunkt zurück.
• Kennzahlen
Länge 11,7 km, je 650 m, Auf- und Abstieg, 4 Std., Schwierigkeit T2
• Einkehren und Übernachten
Zahlreiche Alpbeizlis im Breccaschlund, St. Antoni Brecca, Marbach Brecca, Combi, Cerniets, Unteri Rippa, Hubel Rippa. • Restaurants und Hotels am Schwarzsee.
• Entdecken und Erleben
Am schönsten ist ein Besuch im Bergfrühling, im Mai oder Juni, bevor das Vieh hochgetrieben wird und die Blumenpracht verschwindet.
• Karten
Landeskarte 1: 25 000, 1226 Boltigen; 1: 50 000, 253/253T Gantrisch
• Informationen
Schwarzsee Tourismus, Telefon 026 412 13 13, www.schwarzsee.ch

Fotos: Heinz Staffelbach, AT Verlag/at-verlag.ch

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