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Auf die sanfte Tour

Kategorie: Leben
 Ausgabe_11/2016 - 01.11.2016

Text:  Fabrice Müller

Krebs bedeutet Krieg – zumindest für die Schulmedizin. Ihre Ausrottungsmethoden: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie. Es gibt Alternativen.

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«Ich habe wieder Singen gelernt. Mit dem Singen kann ich ausdrücken, was ich vorher nicht sagen konnte», freut sich Anita Herrmann (Name geändert), die nach einer konventionellen Brustkrebsbehandlung nun eine ambulante Rehabilitation am Sokrates Gesundheitszentrum Bodensee macht. Dank der hier angebotenen komplementären Therapien habe sie wieder neuen Lebensmut geschöpft. Viele der Therapien hätten tiefe Spuren hinterlassen; ganz besonders die Musiktherapie. «Mir war immer bewusst, wie wohltuend die Arbeit mit Musik ist», sagt Herrmann, «aber die Erfahrung, mich so intensiv wahrzunehmen, hat meine Erwartungen weit übertroffen.»

Surftipps
• SHI: Haus der Homöpathie
Paramed: Akademie und Ambulatorium
• Klinik Sokrates: Gesundheitszentrum Bodensee
Fontisana: Wissensquelle für mehr Gesundheit
Naturheilpraxis Lily Dobler: für körperliches Wohlbefinden

Das Therapieprogramm des Sokrates Gesundheitszentrums Bodensee im thurgauischen Güttingen integriert Schul- und Komplementärmedizin bei der Rehabilitation von Krebspatienten. Das Konzept ist einmalig in der Schweiz: Die Klinik mit christlichkaritativer Ausrichtung kombiniert bewährte schulmedizinische und rehabilitative Behandlungen durch komplementärmedizinische und naturheilkundliche Heilmethoden sowie spirituelle Angebote. Dabei bilden Schulmedizin, Homöopathie, Musiktherapie und Spiritualität die vier Schwerpunkte.

Gemäss der Carstens-Stiftung wählten in Europa in den Jahren 2003 bis 2005 zwischen 12 und 24 Prozent aller Krebspatienten Homöopathie als Begleittherapie der konventionellen, schulmedizinischen Behandlungsmethoden. Heute dürften es schon deutlich mehr sein.

Warum haben Sie Krebs? Krebs ist zu einer Zivilisationskrankheit geworden, vergleichbar mit früheren Krankheiten wie Syphilis, Tripper oder Tuberkulose. «Die Namen ändern sich», sagt Mohinder Singh Jus, Leiter der SHI Homöopathie Schule in Zug, «aber die wahre Ursache dieser Krankheiten werden wir nie herausfinden. Sie liegt nicht im Labor, sondern im Innersten des Menschen, auf einer immateriellen  dynamischen Ebene.» Warum ein Mensch krank geworden ist, wisse im Grunde genommen nur er selbst. «Wenn ein Patient mit Krebs zu mir kommt, ist eine meiner ersten Fragen: Warum haben Sie Krebs?» Gemäss Singh Jus muss der Krebs als Symptom verstanden werden, das dem betroffenen Menschen etwas sagen will. Die Schulmedizin jedoch habe sich zur Symptomjägerin entwickelt, und mit ihr der Patient, meint der Homöopath mit indischen Wurzeln. Zu schnell würden Fieber, Ausfluss, Blutungen, jeder Hautausschlag, jede Entzündung gnadenlos unterdrückt  «Wie soll unser Immunsystem stark werden und uns schützen, wenn wir es in seiner Arbeit ständig stören?»

Die Homöopathie betrachtet Krebs als Gesamtkrankheit, nicht als lokales Symptom, wie es die Schulmedizin in der Regel handhabt. «Folglich sprechen wir nicht von Lungen- oder Leberkrebs, sondern von Krebs an der Lunge oder an der Leber», erklärt Singh Jus. Der Krebs sei die Frucht einer Krankheit, die sich vom Samen bis zum sicht- oder spürbaren Symptom entwickelt habe. «Weil die Zeitspanne des Prozesses vom Samen bis zur Frucht, dem Tumor, oft sehr lange dauert, bleibt der Krebs am Anfang meist unbemerkt.»

Der Mensch im Zentrum. Der Mensch in seiner Ganzheit steht bei naturheilkundlichen Behandlungen im Zentrum. «Besonders bei Krebs ist es wichtig, nicht nur die Krankheit, sondern den Menschen ins Zentrum zu stellen», betont Simon Feldhaus vom komplementärmedizinischen Schulungsinstitut und Ambulatorium Paramed in Baar. Wie Singh Jus berücksichtigt er bei seinen Patienten nicht nur die körperliche Konstitution, sondern ebenso die Psyche, den Charakter und das Naturell. Dazu gehören Fragen zum eigenen Umgang mit dem Körper und der Seele – ist man zufrieden mit dem Leben? Hat man sich selbst gern (siehe «natürlich» 10-16)? «Ich versuche, über das Gespräch hinter die Fassade eines Menschen zu blicken und zu erkennen, was ihn bewegt oder wo es Blockaden gibt», sagt Feldhaus. Die Überlegungen zum eigenen Ich stehen für ihn in einem engen Zusammenhang mit der Konsumhaltung des Menschen. Denn: «Steigt der Wunsch nach immer mehr materiellen Werten, steigt meist auch die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben. Das wiederum begünstigt gewisse Krankheiten wie Krebs.»

Die Gene und Geerd Hamer.
Weitere Faktoren, die sich förderlich auf den Krebs auswirken, sind familiäre Veranlagungen: Neigen Familienmitglieder oder Verwandte zu Depression, Sucht, Suizid oder Krebs, beeinflusse diese eine Grundtendenz in der körperlichen Konstitution, so Singh Jus. «Krankheiten in der eigenen Vorgeschichte wirken oft Jahre später noch nach, obwohl sie schulmedizinisch längst ausgeheilt sind.» Unterdrücktes Fieber, ein behandelter Scheidenpilz oder regelmässige Mittelohrenentzündungen hinterlassen laut dem Homöopathen Spuren im Körper und begünstigen, je nach Konstitution, eine neue Krankheit wie eben Krebs.  «Vergangene Krankheiten sind wie Narben, die im Körper ihre Spuren hinterlassen. Emotionale Schocks oder Tiefpunkte wie eine Scheidung, Liebeskummer, starker Stress oder ein Todesfall wirken sich stimulierend auf gewisse Grundtendenzen eines Menschen aus», sagt Singh Jus.

Noch radikaler sieht es Ryke Geerd Hamer, Wegbereiter der sogenannten Neuen Medizin: Er geht davon aus, dass ausnahmslos jedem Krebs ein seelischer Schock vorausgeht; diesen Schock könne man im Gehirn lokalisieren («Hamer’schen Herd»). Aufgrund dieser Lokalisation könne man auf die Krebsart und den Ort, wo er auftritt schliessen. Die These ist umstritten, Hamer selbst ist es noch viel mehr. Die Pharmazeutin Florence Kunz-Gollut hat sich vom Drumherum nicht beeinflussen lassen und eine gut verständliche Zusammenfassung der Hamer’schen Theorie geschrieben: «Krebs ist eine Reaktion keine Krankheit». Darin erfahren wir auch, dass der Zusammenhang zwischen Krebs und Emotionen schon vor über 2000 Jahren vom griechischen Arzt Galenus behauptet wurde. Demnach werden alle Krankheiten durch Ungleichgewichte in Körper und Seele verursacht. Um Heilung zu bewirken, meint Galenus, müsse man am Temperament arbeiten und vor allem die Balance zwischen Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle wiederherstellen. Für den Krebs macht er einen Hang zur Melancholie und einen Überschuss an schwarzer Galle verantwortlich.

Literatur
• Claudia Ritter «Superfood von A bis Z gegen Krebs», 2016, Herbig Verlag, Fr. 26.90
• Jean-Lionel Bagot «Krebs und Homöopathie. Natürliche Hilfe bei den häufi gsten Nebenwirkungen von Chemo, Strahlentherapie und Operation», 2015, Narayana Verlag, Fr. 37.90
• György Irmey und Anna-Luise Jordan «110 wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs», 2001, Trias, Fr. 28.90
• Mohinder Singh Jus «Die Reise einer Krankheit. Homöopathisches Konzept von Heilung und Unterdrückung», 2016, Homöosana Verlag, Fr. 37.90
• Jörg Spitz und William B. Grant «Krebszellen mögen keine Sonne», 2010, Mankau Verlag, Fr. 17.90
• Florence Kunz-Gollut «Krebs ist eine Reaktion, keine Krankheit», 2013, sokutec Verlag, Fr. 19.90

Positive Energie unterstützt Heilkraft. Der Homöopath Mohinder Singh Jus ist überzeugt, dass eine Krebsbehandlung nicht zwingend schulmedizinisch durchgeführt werden muss. «Wir behandeln immer wieder Krebspatienten rein homöopathisch.» Das bedinge aber eine entsprechende Einstellung des Patienten. «Wer ohne Angst in eine Krebsbehandlung einsteigt, hat die besseren Heilungschancen. Die positive Energie unterstützt die Heilkraft.»

An der medizinischen Universität Wien führten Wissenschaftler im Rahmen der Ambulanz «Homeopathy in Malignant Diseases» eine Studie mit 538 Patienten mit malignen Krebserkrankungen durch. Zusätzlich zur konventionellen onkologischen Behandlung wurden die Patienten mit homöopathischen Mitteln therapiert: Den Patienten wurde auf individueller Basis Q-Potenzen, in Akutfällen auch C-Potenzen verschrieben. Von den 538 dokumentierten Fällen erfüllten 54 Patienten die Einschlusskriterien und standen für die Analyse zur Verfügung. In der Gesamtbetrachtung zeigte sich, dass 65 Prozent der Patienten die erwartete Überlebenszeit erreichte respektive übertraf. Je nach Krebsart hatten sie eine bis zu dreimal längere Überlebenszeit, und das bei besserer Lebensqualität.

Die Verbesserung der Lebensqualität war für die Brustkrebspatientin Anita Herrmann besonders wichtig. «Mir geht es heute gut», sagt sie. «Die Musiktherapie hat mein Selbstvertrauen gestärkt und ich lebe im Jetzt. Die Bedeutung jedes einzelnen Tages, jedes Momentes ist mir bewusster denn je. So kann ich mich wieder am Leben erfreuen.» 

 Foto: istockphoto.com

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