Artikel Leben :: Natürlich Online Gärten der Welt | Natürlich

Gärten der Welt

Kategorie: Leben
 Ausgabe_07/08_2016 - 01.07.2016

Text:  Hans Keller

Kann man Gärten, die Licht, Luft und Regen brauchen, in einer Gruft präsentieren?

Man kann. Im untersten Stock des Smaragd-Neubaus des Zürcher Museums Rietberg. Bevor man in die Gruft abtaucht, steht man vor einem hölzernen «Turm zu Babel», in dessen Etagen Pflanzen- und Blumengefässe ruhen, deren Blütenpracht sich erst während des Jahres so richtig entfalten wird. Unten, im Soussol, funkeln sodann Gartendarstellungen aller Zeiten aus dem Dunkeln. Doch was ist ein Garten überhaupt? Die Antworten sind vielfältig: eingezäunte Natur, vergewaltigte Natur oder schlicht Nahrungsquelle?

Die Ausstellung zeigt, dass Gärten oft verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig decken sollten. Im alten Ägypten etwa bestimmten die dort gedeihenden Baumarten die Gartenbotanik. Sykomoren, Dattel- und Doumpalmen waren Nahrungsquellen, Schattenspender sowie die Verkörperung von Göttinnen und Göttern. Auf einem Relieffragment steht Isis als Sykomore da, aus der zwei Arme ragen. Zweckdenken verbindet sich mit Religion.

Bis 9. Oktober 2016: Museum Rietberg, Zürich, Telefon 044 415 31 31, www.rietberg.ch

Im fernen Osten dienen Gärten dagegen oft der meditativen Betrachtung, etwa der berühmte Zen-Steingarten in Kyoto, den man nicht betreten, sondern bloss betrachten darf. Im europäischen Mittelalter wiederum lassen sich häufig christliche Symbole wie Kreuze in den Gartenanlagen entdecken. Interessant die Entwicklung von den hügeligen Gärten der italienischen Renaissance hin zum französischen Barock, der von Ebenen geprägt wird. Die Gärten mutieren zu geometrischen Angelegenheiten, die etwa so naturfern wirken wie die gestelzte Kultur jener Zeit. Eine Gegenbewegung kam im 18. Jahrhundert als Landschaftsgarten aus England. Gärten sollten nun übergangslos die sie umgebende freie Natur einbeziehen. Der Gärtner William Kent (1685–1748) lieferte das Motto zu dieser Auffassung: «Natur verabscheut die gerade Linie.» Steigt man schliesslich, den Kopf voller Gartenbilder, im Museum ans Tageslicht, steht man im Rieterpark, einem englischen Landschaftsgarten par excellence. Sanft hügelige Wiesen liegen da im Schatten riesiger Bäume und Büsche.

Gartenjahr 2016: Mehrere Organisationen stehen hinter der Gartenjahr-Kampagne, die den Schutz und die Pflege von Gärten und Grünflächen zum Ziel hat. Der Schweizer Heimatschutz hat dazu ein Büchlein mit Gartenporträts, Veranstaltungstipps und Führungen veröffentlicht. Telefon 044 254 57 00, www.heimatschutz.ch

Foto: zvg

Tags (Stichworte):

Kategorie: Leben

Die wilden Kerle

Mit viel Lärm und Tumult läuten die Bärzelibuben Anfang Januar das neue Jahr...

Kategorie:

Kategorie: Leben

Geld im Blut

Weichmacher, Flammschutzmittel, Tenside: Das sind nur einige der Giftstoffe,...