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Und wie feiern Sie?

Kategorie: Leben
 Ausgabe_06_2016 - 01.06.2016

Text:  Susanne Hochuli

Geht es um Festvorbereitungen, sind Susanne Hochuli und ihre Tochter wahre Meisterinnen. Improvisation ist ihnen ein Graus – bis sie von ihren angolanischen Mitbewohnern lernen, wie Festen auch noch geht.

Nun, Spezialistinnen in religiösen Festen sind weder meine Tochter noch ich. Das geben wir zu. Es wäre also vermessen, wenn wir uns zu den Gepflogenheiten der Konfirmation äussern würden, geschweige denn zu den Traditionen der Erstkommunion der Katholiken.

Worin wir aber gut schweizerisch nicht zu übertreffen sind, sind die Vorarbeiten zu solchen Festivitäten. Spätestens am kirchlichen Fest selber würden wir erschöpft in den Kirchenbänken sitzen und statt Gebete all die To-do-Listen nochmals und nochmals ableiern und kurz vor dem Einnicken zur Orgelmusik erschreckt auffahren, weil: die Dekoration hinten links auf dem Tisch farblich nicht assortiert zum Vorspeiseteller passt. Und fertig wäre es mit der Kontemplation. Die Gedanken rasten, das Herz spränge taktlos und der Stress frässe sich schweissig seine Spuren in die gepuderten Gesichter. Nein, so stellt sich der liebe Gott die Feste ihm zu Ehren auf Erden nicht vor. Aber so sind sie oft: durchorganisiert bis zur fehlenden Lebenslust und Fröhlichkeit.

«Mami», sagt meine Tochter, die Augen staunend aufgerissen, «da ist ja noch nichts parat.» Wir feiern auf unserer Terrasse die Erstkommunion von Bruna, dem angolanischen Mädchen, das mit seiner Familie auf unserem Hof wohnt. Nach dem Kirchgang treffen die Gäste, vor allem angolanische Freunde, ein – ins unvorbereitete Nichts. Und dann geht es los: Bier und Kommunionstorte werden im Kühlschrank kalt gestellt. Ein Tisch wird aus dem Schopf herbeigeschleppt und ich werde gefragt, ob es mir was ausmache, meinen Esstisch herauszurücken. Starke Männerarme packen an. Bänke, Stühle, Geschirr und eine Unmenge von Esswaren werden aufgestellt.

Das Fest läuft schon beim Vorbereiten. Rosa, eine Freundin der Mutter von Bruna, erzählt vom Leben in Angola, von diesem Gemisch aus Kulturen, Musik und Menschen, und ich frage: «Magst du Cesaria Evora?» und alle rufen: «Ja, bitte Musik!» Evoras Stück «Angola» rührt uns alle; wir tanzen, wir essen mit den Händen, also nur meine Tochter, ich und die Nachbarin Nadja, wir verschlucken uns vor Lachen über Rosas Geschichten. Kinder spielen, wir putzen uns die Hände an Haushaltspapier und nicht an dekorativen Servietten ab, der Hund frisst die von uns abgenagten Knochen und Nadja sagt: «Sollte ich mal depressiv werden, machen wir wieder ein solches Fest.» Die Sonne lacht, Vögel singen, der liebe Gott schaut hinter einem Wölklein hervor und sagt: «So stelle ich mir den Himmel auf Erden vor.»

Zur Person
Susanne Hochuli, erste grüne Regierungsrätin im Aargau. Sie wohnt zusammen mit ihrer Tochter, Hund und Pferden auf ihrem Bauernhof in Reitnau.



Illustration: Rod / flickr / cc

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