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Legemaschinen ohne Wert

Kategorie: Leben
 Ausgabe_06_2016 - 01.06.2016

Text:  Markus Kellenberger

Legehühner sind ein grausames Beispiel dafür, wie unsere Konsumgesellschaft mit der Natur umgeht. 1,7 Millionen dieser Tiere werden jährlich getötet.

Rund 2,6 Millionen Legehennen arbeiten in der Schweiz. Die meisten von ihnen am Fliessband. Bis zu 18 000 Tiere dürfen in einer Eierfabrik gehalten werden, wobei der Platz in der Regel so bemessen ist, dass er gerade mal den Mindestanforderungen des Tierschutzgesetzes und der verschiedenen Labels genügt. Unter dem Knospe-Label leben bis zu 2000 Hühner zusammen. Eine artgerechte Haltung wäre eine Kleingruppe von fünf bis zehn Tieren.

Die Legehenne ist eine Maschine. Bevorzugt wird die Marke Leghorn – ein sogenanntes Hybridhuhn, das ausschliesslich auf seine Legeleistung hin gezüchtet wurde. Rund 330 Eier legt eine solche Henne in ihrem kurzen Arbeitsleben, dann ist Schluss. Knapp eineinhalb Jahre nachdem sie selber aus ihrem Ei geschlüpft ist und ihre Pflicht erfüllt hat, wird sie entsorgt. Grund: Ab diesem Alter, teilt Gallo Suisse, die Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten, mit, nimmt die Qualität der gelegten Eier ab.

Jährlich werden 1,2 Millionen dieser Tiere, die eigentlich bis zu zehn Jahre alt werden könnten, mit Strom betäubt, geköpft und zum Beispiel zu Lyonerwurst verarbeitet. Weitere 500 000 Hühner – oft aus grossen Biobetrieben – werden in speziellen Containern mit dem Namen «Gallo Fox» mit Kohlendioxid vergast. 8000 aufs Mal. Aus ihren Kadavern wird danach in einer Biogasanlage im thurgauischen Münchwilen Ökostrom gemacht. Umweltfreundlicher Strom, mit dem sich dann wiederum das Biofrühstücksei aus der Biohühnerfarm kochen lässt. Ein Kreislauf, der an Zynismus nichts mehr zu wünschen übrig lässt und gerade deshalb ein gutes Sinnbild für eine Konsumgesellschaft ist, die sich von morgens bis abends mit Nachhaltigkeitslügen beruhigt.

Wussten Sie, dass Hühner längst nicht so dumm sind, wie ihnen nachgesagt wird? An der Universität Bristol in England haben Forscher bereits vor zehn Jahren Interessantes über das Leben dieser Vögel herausgefunden. Werden sie artgerecht, das heisst in Kleingruppen, gehalten, können Hühner nämlich vorausschauend handeln, voneinander lernen und Wissen gezielt an Nachkommen weitergeben. Um sich untereinander zu verständigen, zum Beispiel über Futterquellen oder Gefahren, kennen sie über 30 verschiedene Laute. Sie erkennen ihre Artgenossen und halten – aber nur in der Kleingruppe – eine soziale Hierarchie ein. Zu viele Tiere in einem Stall oder Gehege lösen Stress, Streit und Gewalt aus. Die durch unseren Massenkonsum verlangte Massenhaltung beschert den armen Tieren also nicht nur ein kurzes und erbärmliches Leben, es macht sie in dieser kurzen Zeit auch noch krank. Ich wollt ich wäre ein Huhn – nein danke!

Foto: istockphoto.com

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