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Unberührtes Bachsertal

Kategorie: Leben
 Ausgabe_06_2016 - 01.06.2016

Text:  Tina Balmer

Der Biohof Rüebisberg macht den einzigen Demeterkäse weit und breit. Auf einer Wanderung zum Bauernhof entdeckt man zudem eine lebendige Kulturlandschaft, schmucke Weiler und das imposante Erdmannliloch.

Das Bachsertal erstreckt sich über knapp acht Kilometer zwischen dem Hauptort Bachs und dem schmucken Städtchen Kaiserstuhl.

Das Zürcher Unterland zeichnet sich durch ein eher trockenes Klima aus. Hier gibt es die Hälfte an Niederschlag im Vergleich zum Zürcher Oberland. Was zum Wandern toll ist, freut die Landwirte meist weniger. Ob sich auch die heutige Familie Weidmann diesen Ort für ihren Hof ausgesucht hätte? Diese Frage stellt sich nicht. Bereits im Jahr 1680 sind erste Spuren des Geschlechts der Weidmanns auf dem Rüebisberg zu finden. Der Hof liegt auf 514 Metern über Meer, wenig höher als die Stadt Zürich, aber gefühlte Lichtjahre davon entfernt.

Die Gegend ist nicht gerade bekannt für ihre Käseproduktion, und so ist Rüebisberg denn auch eine Oase in einer Region, die von Obst- und Ackerwirtschaft geprägt ist. Hier steht der einzige Bio-Demeter-Hof weit und breit mit dem einzigen Bio-Demeter-Käse sehr weit und sehr breit. Die original Schweizer Braunviehkühe sind mit stolzen Hörnern ausgestattet und erfreuen sich in ihrer Mitte der Anwesenheit eines Stiers. Beides ist für das Demeter-Label selbstverständlich.

Jahrelang haben die Weidmanns ihre Milch verkauft. Aber weil sie als einzige in der Umgebung Biomilch produzieren, floss diese in der Regel mit konventioneller Milch zur Weiterverarbeitung zusammen. Dies hat der Familie nie so richtig gefallen, und deshalb brachte Sohn Florian vor einigen Jahren die Idee mit der eigenen Milchverarbeitung auf den Tisch. Die Eltern waren sofort einverstanden, und bald wich die Hofwerkstatt einer schönen kleinen Käserei. Anfang 2012 startete Florian mit der ersten Produktion seines eigenen Demeter-Mutschlis. «Ich mag Mutschli, sie gefallen mir, die wollte ich schon immer machen – obwohl sie in der Produktion und Lagerung viel aufwendiger sind als die grossen Laibe.»

Die ersten Natur-Mutschli wanderten also in den ehemaligen Obstkeller, der heute als Käselager dient. Eines Tages kam ein Freund der Familie mit einem Glas getrockneter Chili vorbei und stellte dieses in Florians Käserei. Der Chili wird in Stallikon in Pfarrer Siebers Stiftung «Puureheimet Brotchorb» nach Demeter- Grundsätzen angebaut und anschliessend von Hand geerntet und verarbeitet. Der Betriebsleiter der Landwirtschaft des «Brotchorb» bringt seitdem regelmässig ein Glas frisch getrocknete Chili nach Rüebisberg, bleibt für den Rest des Tages und hilft bei der Arbeit. Inzwischen ist das Sortiment um den «Bachser Flo» angewachsen. Ein halbharter Käse, der zu Sechs- bis Acht-Kilogramm-Laiben produziert und bis zu vier Monate im eigenen Keller gereift wird. Im Winter 2013/14 hat Florian den ersten Raclettekäse gemacht. Das Sortiment soll sorgfältig überprüft und ausgebaut werden, schliesslich möchten die Weidmanns künftig ihre ganze Milch selbst verarbeiten.

Daneben bewirtschaftet die Familie den Hof mit dreihundert Hochstammbäumen, Wiesen- und Weideland, einigen Hektaren Wald, einer Schnapsbrennerei und einigen Bienenvölkern. «In Notzeiten würden wir wohl überleben», meint Mutter Sabine schmunzelnd. «Der Wald gibt uns das nötige Brennholz, um den Käse zu produzieren und um den Kachelofen zu heizen. Die eigene Quelle, die auf dem Nachbargrundstück gefasst wird, versorgt alle drei Höfe auf Rüebisberg und die Gemeinde Fisibach mit Wasser. Um sicherzugehen, dass jemand auf dem Hof ist, lohnt es sich, vorher anzurufen.

Das Buch «Chäswandern» von Tina Balmer und Giorgio Hösli ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Auf dem Höhenweg
• Ausgangspunkt
Kaiserstuhl AG ist mit dem Zug erreichbar
• Endpunkt
Bachs ZH mit Bus zur nächsten Zugstation
• Wanderzeit
2 3/4 Stunden
• Höhendifferenz
350 Meter Aufstieg
255 Meter Abstieg
• Schwierigkeit
Durchgehend bequeme Wald-, Forst- und Wanderwege. Der direkte Abstieg via Erdmannliloch ist auf einem kurzen Stück steil, weglos und rutschig.
• Route
Der grosse Wegweiser beim Bahnhof Kaiserstuhl zeigt in alle Richtungen – ausser in eine. In genau diese Richtung führt der Weg. Entlang der Friedhofsmauer bis zur Hauptstrasse. Diese überqueren, vorbei am Grenzstein in Richtung Wald. Links, entlang des Waldrands, weiterwandern. Dem nächsten Weg, der rechts weggeht, folgen. Durch den Saxengraben, dann erneut entlang des Waldrands. Bis zur nächsten Kreuzung. Vorbei am Wasserreservoir bis zur Anhöhe. Weiter Richtung Neerach. An Kreuzung mit Waldhütte rechts abbiegen bis zur Hohflue. Hier führen verschiedene Wegspuren den Berg hinunter. Wer beim Erdmannliloch vorbeikommen möchte, wählt die abenteuerliche Variante – die Falllinie. Das nächste Ziel ist der Weiler Thal. Danach Hauptstrasse überqueren und vorbei an Pferdepension Talmüli und dann hinauf zum Rüebisberg, wo der Hof der Weidmanns liegt. Von dort gehts sanft durch den Wald oder im Tal am Fisibach entlang nach Bachs.
• Karten
Swisstopo 1: 25 000, 1051 Eglisau, 1071 Bülach
• Einkehren
Restaurant Neuhof, Bachs, Telefon 044 858 11 80. www.neuhof-bachs.ch
• Kontakt Familie Weidmann
Biohof, Rüebisberg, 8164 Bachs, Telefon 044 858 22 91, www.ruebisberg.ch, www.puureheimet.ch

Fotos: AT Verlag/Giorgio Hösli

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