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Naturschönheit

Kategorie: Leben
 Ausgabe_01/02_2016 - 01.02.2016

Text:  Fabrice Müller

Sich die Haare zu färben ist für viele eine gängige Selbstverständlichkeit. Doch Haarfärbemittel bergen beträchtliche gesundheitliche Risiken. Produkte aus Pflanzenfarben sind eine gefragte Alternative.

Der Wunsch des Menschen, seine Haarpracht farblich zu verändern, ist nicht neu. Schon die Ägypter benutzten Henna-Blätter zum Färben ihrer Haare wie auch der Finger- und Zehennägel. Heute färbt einem Bericht des Magazins «ÖKO-TEST» aus dem Jahre 2012 gemäss fast jede zweite Frau in Deutschland ihre Haare. In der Schweiz dürfte die Situation ähnlich sein.

In den meisten Fällen kommen chemische Färbemittel zum Einsatz. Laut dem Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt, welches solche Produkte untersucht, wird unterschieden zwischen temporären, semipermanenten und permanenten Haarfärbemitteln.

Bei den temporären Mitteln, auch Tönungen genannt, wird das Produkt oberflächlich auf das Haar aufgezogen. Die Färbemittel werden dabei, wenn überhaupt, höchstens schwach ans Haar gebunden. Die Haarfärbung verschwindet bereits mit dem ersten Haarewaschen wieder. Bei semipermanenten Färbungen ist die Bindung des Mittels mit dem Haar zwar immer noch nur an der Oberfläche, jedoch schon wesentlich stärker als bei den temporären. Sie überdauern bis zu zehn Haarwäschen. Bei permanenten Colorationen dringen die Farbstoffe ins Haar ein und binden sich dort mit den Haarbestandteilen. Die neue Haarfarbe verschwindet erst mit dem Haarwachstum. Um diesen Effekt zu erreichen, müssen reaktive Chemikalien eingesetzt werden, üblicherweise primäre aromatische Amine und Phenole. «Verschiedene Chemikalien, die früher verwendet wurden, sind heute verboten. Weiterhin erlaubt sind jedoch Chemikalien wie p-Phenylendiamin oder Resorcin», sagt der Basler Kantonschemiker Philipp Hübner. P-Phenylendiamin gehört zu den bekanntesten Allergieauslösern. Auch Resorcin gilt als Allergen und steht überdies im Verdacht, Zellveränderungen zu begünstigen.

Gefragte Alternativen. Als Alternative zu chemischen Haarfärbemitteln setzen immer mehr Coiffeursalons auf reine Pflanzenfarben. So zum Beispiel auch Almut Reich, die in Basel einen Salon führt. Die Nachfrage nach mehr Natur beim Friseur sei gross. Die sogenannte Naturcoiffeuse ist auf Monate hinaus ausgebucht. «Ich erhalte Anrufe von Interessierten aus der ganzen Schweiz, die ihre Haare mit natürlichen Mitteln pflegen und färben wollen», sagt Almut Reich. Sie bedauert es, dass es in der Schweiz nicht mehr Coiffeursalons gibt, die ausschliesslich mit natürlichen Mitteln arbeiten. Auch die Aus- und Weiterbildungen dazu gebe es vor allem im Ausland.

Doch worin unterscheiden sich natürliche von chemischen Haarfärbemitteln? «Natürliche Färbemittel dürfen keine chemischen, sondern nur pflanzliche Zusatzstoffe enthalten», betont Almut Reich. Die Färbung mit herkömmlichen Produkten basiert auf einem chemischen Prozess, bei dem die Farbpigmente des Haares strukturell verändert werden. Um dies zu ermöglichen, muss das Haar über den chemischen Prozess zuerst geöffnet werden, dies geschieht unter anderem auch mit Wasserstoffperoxid. Natürliche Färbemittel hingegen wirken nicht auf die Haarstruktur ein, sondern legen die pflanzlichen Farbpigmente lediglich um das Haar herum.

Für Almut Reich bringen Pflanzenfarben viele Vorteile mit sich: «Pflanzenfarben ergeben ein nuanciertes, natürliches Farbbild, bei dem das Haar Fülle und Glanz erhält. Denn die Pflanzenfarbe wirkt kräftigend auf das Haar.» Bei längeren Haaren reduziere sich die Spliss-Anfälligkeit. Durch die Gerbsäure in den Pflanzenfarben erhalte das Haar zudem mehr Stabilität. Naturcoiffeure sprechen von einem pH-Wert zwischen 4,5 und 4,8. Der natürliche Geruch der Pflanzenfarben sowie die Umweltverträglichkeit gelten als weitere Vorteile.

Einschränkungen gibt es mit pflanzlichen Haarfärbemitteln bei der Farbauswahl, wie Almut Reich erklärt: «Weil sich die Pflanzenfarben um das Haar herumlegen, lassen sich dunkle Haare nicht aufhellen beziehungsweise bleichen. Bei hellen Haaren hingegen sind alle Rot-, Blond, Kupfer- und Brauntöne möglich.» Auch graue oder weisse Haare können mit einer Naturfarbe ummantelt werden. Sie geben jedoch – im Gegensatz zu pigmentierten Haaren – ein anderes, meist helleres Farbbild mit Reflexen ab. Wie oft man nachfärben muss, sei sehr individuell und hänge auch mit der Haarfarbe und dem Wachstum zusammen, erklärt Reich. Für die Pflanzenfarben kommen je nach Farbton Extrakte aus Henna, Indigo, Weizen, Oregano, Birkenblättern, Sandelholz, Walnussschale, Kurkuma, Kaffee, Heidelbeere oder Kamille in pulverisierter Form zum Einsatz.

Die Walnuss etwa gibt dunklen Haaren eine satte Farbe und blonden Haaren einen dunkelgoldenen Schimmer. Im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Färbemitteln lässt sich mit Henna gefärbtes Haar weder umfärben noch wäscht es sich im Verlauf der Zeit aus – die Farbe muss auswachsen. Einen Trägerstoff wie die chemischen Produkte brauchen rein pflanzliche Mischungen nicht. Erhältlich sind Naturfarben von Marken wie Logona, Santé, Khadi, Oliebe, Herbanima oder Culumnatur in Drogerien, Bioläden und bei manchen Naturcoiffeusen.

Allergietest empfohlen. Zwischen chemischen und rein natürlichen Färbemitteln gibt es – so Almut Reich – verschiedene Produkte, die zwar als Naturprodukte angeboten werden, jedoch gleichwohl auch chemische Stoffe enthalten. Deshalb sei es wichtig, nur zertifizierte Naturkosmetikprodukte zu kaufen. (Die Labels BDIH, NATRUE und Ecovert helfen, entsprechende Produkte zu finden.) Können auch pflanzliche Farbpigmente allergische Reaktionen auslösen? «Mir sind bis heute keine bekannt», sagt Almut Reich. Sie schliesse allerdings nicht aus, dass auch natürliche Stoffe Allergien auslösen können.

Um sicherzugehen, dass eine Kundin, die Allergikerin ist, die Produkte gut verträgt, führt die Naturcoiffeuse vor der Anwendung am Arm der Kundin einen Allergietest durch. «Es macht einen Unterschied, ob die Stoffe innerlich eingenommen oder äusserlich aufgetragen werden. Wer beispielsweise eine Birkenallergie hat, reagiert bei der Haarfärbung nicht zwingend allergisch auf Birke», erklärt die Coiffeuse. Dafür haben pflanzliche Stoffe neben ihrer Farbwirkung auf das Haar auch weitere positive Nebeneffekte. Henna-Extrakte etwa wirken auf die Kopfhaut antibakteriell und stärken das Haar an der Wurzel. Und das wussten wohl schon die Ägypterinnen.

Fotos: mauritius-images.com, istockphoto.com

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