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Kategorie: Leben
 Ausgabe_01/02_2016 - 01.02.2016

Text:  Tertia Hager

Alle jammern über Stress. Die einfachste und bequemste Methode rasch runterzufahren ist, sich eine Massage zu gönnen. Das Angebot Ist heute so gross wie nie.

Wohl und zufrieden. So fühle ich mich, als ich wieder draussen auf der Strasse stehe. Die Stunde Streicheleinheiten hallt nach, etwas genudelt und voller Energie zugleich mache ich mich leichten Schrittes auf dem Heimweg. Obwohl: Streicheln war das ja nicht. Bearbeitete die Masseurin eine verhärtete Stelle am Nacken, hat das wehgetan. Das Wohlbefinden und die Laune könnten dennoch besser nicht sein. Und die leichte Müdigkeit ist nichts anderes als ein Zeichen der Entspannung, denn eine Massage senkt die Produktion des Stresshormons Kortisol. Es ist die bequemste Art rasch runterzufahren; in unserer durchgetakteten, überoptimierten Zeit eine sehr praktische Sache. Doch auch schon die alten Römer wussten: Es gibt nichts Besseres, als passiv liegend die strenge Arbeit anderer zu geniessen. Cäsar soll dafür eigens ausgebildete Sklaven gehabt haben. Zu allen Zeiten liess sich die gutsituierte Gesellschaft mit Massagen verwöhnen.

Verwirrende Vielfalt. Und auch heute gehört es zum Lifestyle, sich im Hamam eine Seifenschaummassage zu gönnen oder in den Ferien eine Hot Stone Massage auszuprobieren. Das Angebot ist so vielseitig wie verwirrend: Organic Aroma Massage, balinesische Tempelmassage, Energy Balancing Body Treatment, Lomilomi-Massage. Zuweilen trumpft ein Hotel auch mit sogenannten Signature-Treatments auf, einer eigens für das Hotel entwickelten Methode. Meist steckt hinter den geheimnisvollen Namen nichts sagenhaft Neues, sondern eine Kombination von Anwendungen der klassischen Massage, asiatischer Methoden oder anderen bewährten Techniken. Den entspannungssuchenden, verwöhnungsdurstigen Gast dürfte das kaum interessieren: Hauptsache er wird schön gestreichelt und fein geknetet. Etwas warmes Öl, ein ätherischer Duft, etwas sphärische Musik und zwei Hände, die angenehm sanft über den Körper streichen, mal etwas klopfen oder ziehen, mehr braucht es in der Regel nicht.

Bringts der Masseur?
Ein Diplom als Masseur/Masseurin gibt es sowohl nach einer 3 1/2-tägigen Schnellbleiche als auch nach einer zwei- bis dreijährigen Vollzeit-Ausbildung. Wie also kann man herausfinden, dass man in guten Händen ist?
In der Schweiz bieten Zehntausende von Therapeuten und Masseuren ihre Dienste an, mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen. Seit einigen Jahren gibt es einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis: med. Masseur eidg. FA. Dieser garantiert eine fundierte Ausbildung mit grossem medzinischem Grundlagenwissen (Anatomie, Pathologie und Physiologie). Auch das EMR-Label (Erfahrungsmedizinisches Register) ist ein hilfreiches Gütesiegel. Das Register zertifiziert Therapeuten aus den unterschiedlichsten Bereichen von der Aromatherapeutin über Shiatsu bis zur Traditionellen Chinesischen Medizin. Je nach Methode bedarf es einer bestimmten Mindestzahl an Ausbildungsstunden für die Registrierung. Das Verzeichnis umfasst 20 000 registrierte Therapeuten. Die meisten Krankenkassen bezahlen über die Zusatzversicherung nur Behandlungen, die von EMR-anerkannten Therapeuten gemacht wurden. Gut fährt man natürlich auch mit einer Empfehlung einer Freundin oder eines Bekannten. Denn letztlich ist viel Wissen keine Garantie dafür, dass etwas auch gut gemacht wird.

Ölige Sache. Gönnt man sich eine Massage zur gesundheitlichen Vorsorge oder einfach als Wellness-Moment, erlebt man die angenehme Wirkung durch die Muskelentspannung und die angeregte Durchblutung oder auch einfach durch wohlige Wärme. Das Auflegen von warmen Steinen bei einer Hot Stone Massage kann Verspannungen lösen, ohne dass viel Druck angewendet werden muss. Auch warmes Öl, wie es unter anderen bei der Lomilomi-Massage und gerne in grosser Menge bei ayurvedischen Massagen verwendet wird, wirkt unmittelbar und ungemein entspannend. Da nimmt man auch die Öligen Haare, die nach der Behandlung schwer und schlapp herunterhängen, gerne in Kauf.

Nur schon das Auflegen einer Hand oder eine Umarmung regen die Ausschüttung von Entspannungshormonen an. In der Hektik des Alltags fehlt es nicht selten an solchen kleinen, wohligen Streicheinheiten und Berührungen; auf einem warmen Massagetisch zu liegen tut deshalb einfach gut. Hans Meier, Spezialist für Hot Stone Massagen in Sarnen, sagt es so: "Egal was für eine Massage es auch ist: Man kann dem täglich geforderten Körper damit etwas zurückgeben und danke sagen."

Das Massage-Menü

Edelsteinmassage
• Woher kommts?
Im Gegensatz zur Hot Stone Massage hat die Edelsteinmassage keine Tradition. Mit dem Revival der Steinheilkunde in den 1980er-Jahren entstand die Edelsteinmassage. Der Name trügt: Edelstein tönt nach Diamant, Smaragd und Co. Es werden weniger kostbare Steine wie Obsidian oder Rosenquarz verwendet.
• Wie gehts?
Edelsteine werden bei verschiedenen Massagetechniken verwendet. Sie werden meist nur aufgelegt und sollen Blockaden lockern und den Energiefluss anregen.
• Für wen?
Für Menschen, die an die Kraft der Heilsteine glauben und für solche, denen nur schon der Name Edelstein ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Lomilomi-Massage

• Woher kommts?
Ähnlich wie beim indischen Ayurveda, ist die Lomilomi-Massage Teil einer (Natur)-Heilmethode, die aus verschiedenen Bereichen besteht und Körper, Geist und Seele miteinbezieht. Sie kommt aus Hawaii. Es gibt unzählige Formen der Massage.
• Wie gehts?
Massiert wird nicht nur mit den Händen, sondern auch mit dem Unterarm und den Ellenbogen. Meist wird grosszügig Öl eingesetzt. Die Massage kann sehr fein bis kräftig sein. Die Technik versteht sich auch als Reinigungsritual, teilweise wird auch Musik eingesetzt.
• Für wen?
Für jene, die gerne etwas Neues ausprobieren und am Spirituellen interessiert sind.

Kräuterstempel

• Woher kommts?
Kräuterstempel kennt man in Südindien, aber auch auf Bali. Die Stempel sind mit verschiedenen Kräutern gefüllt. Je nach gewünschter Wirkung (von beruhigend bis anregend). Die Kombination von Kräutern, Ölen und Wärme wirkt besonders entspannend.
• Wie gehts?
Die Stempel werden in Öl getaucht, über Wasserdampf erwärmt, dann wird damit über den Körper gestrichen und geklopft. Typisch ist das Abrollen des Stoffsäckleins wie ein grosser Stempel.
• Für wen?
Lässt man sich gerne von Düften verführen und mag man sanfte Wärme und sanfte Berührung, ist man hier richtig.

Hamam-Seifenschaummassage

• Woher kommts?
Der Hamam ist ein traditioneller Badeort mit Dampfbad, wie es sie im arabischen und türkischen Raum seit Ewigkeiten gibt. Die Seifenschaummassage bildet den Abschluss eines ganzen Baderituals.
• Wie gehts?
Der ganze Körper wird mit fluffigem Seifenschaum bedeckt. Danach mit warmem Wasser weggespült. Anschliessend folgt eine kurze Ganzkörpermassage mit Öl.
• Für wen?
Für solche, die das zarte Gefühl des Seifenschaums auf der Haut mögen.

Hot und cold Stone Massage

• Woher kommts?
Das Auflegen von aufgewärmten Steinen zu Heilzwecken hat seinen Ursprung bei den Indianern. Doch auch im asiatischen und pazifischen Raum gibt es eine lange Tradition. Die Verwendung von kalten Steinen im Zusammenspiel mit heissen Steinen ist hingegen eine neuere Erscheinung. Die Haut wird durch das Warm-Kalt-Spiel zusätzlich gereizt, dies fördert die Durchblutung.
• Wie gehts?
Kombiniert mit klassischen Massagetechniken mit Streich-, Druck- und Knetelementen werden die aufgewärmten Steine auf Energiepunkte des Körpers gelegt. (Basalt- und Lavastein können die Wärme ein paar Minuten speichern.) Die Wärme entspannt und löst. Ebenso wird mit den Steinen über den Körper gefahren oder sie werden an bestimmten Stellen gedreht, so verteilt sich die Wärme besser.
• Für wen?
Wer gerne intensive Wärme spürt, wird die Hot Stone Massage lieben.

Fotos und Illustrationen: istockphoto.com, ffr

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