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Licht ins Dunkel

Kategorie: Leben
 Ausgabe_12_2015 - 01.12.2015

Text:  Gundula Madeleine Tegtmeyer

Ein gut geplantes Beleuchtungskonzept für die eigenen vier Wände sorgt für Wohlbefinden – und schont Geldbeutel und Ressourcen.

Licht ist existenziell für unser Leben und kann die unterschiedlichsten Stimmungen in uns auslösen. Wenn es fehlt, wie an kurzen und grauen Wintertagen, leiden wir. Unsere Psyche, Immunsystem sowie Hormonhaushalt werden vom Licht gesteuert. Auch wenn künstliches Licht Sonnenlicht nicht ersetzen kann, so sorgt Kunstlicht doch wenigstens für eine schöne Stimmung daheim.

Was wir Laien gemeinhin als Lampe bezeichnen, heisst bei Fachleuten Leuchte. Sie besteht aus zwei Teilen: Die Lampe regelt Helligkeit und Farbe des Lichts. Die Leuchte hält und schützt die Lampe, lenkt das Licht und kann so einen Raum optimal beleuchten und/oder stimmungsvolle Akzente setzen. Leuchtendesign passt sich dem aktuellen Möbeltrend an, nicht umgekehrt, und ist im besten Falle eine gelungene Verschmelzung von Ästhetik und Funktionalität. Oft lassen wir uns vom Lampendesign verführen und vergessen darüber die tatsächlichen Anforderungen an eine Lampe.

Licht ist nicht gleich Licht. Bei der Wahl der Lampe gilt es einen wichtigen Faktor zu beachten, die Eigenfarbe des Lichts. Entladungslampen wie Leuchtstoffröhren gibt es in drei verschiedenen Kategorien: warmweiss, neutralweiss und tageslichtweiss. Bei Glühlampen unterscheidet man zwischen warmweiss und weiss. LED-Lampen, die auch zu den Glühlampen gehören, bieten ein warmweisses Licht. Grundsätzlich wird die Farbtemperatur in der Einheit Kelvin (K) angegeben. Eine niedrige Temperatur (2200 bis 3000 K) steht für warme, gemütliche Lichteffekte, eine hohe Temperatur (über 3000 K) für kühles Licht.

Licht gestaltet den Raum. Da jeder Raum der Wohnung anders genutzt wird, muss er individuellen Lichtbedürfnissen gerecht werden. Selbst innerhalb ein und desselben Raumes gibt es unterschiedlich genutzte Zonen. Mithilfe eines massstabgerechten Grundrisses kann man einen Beleuchtungsplan erstellen. Hilfreich kann es auch sein, mit einer Schreibtischleuchte und einem Verlängerungskabel verschiedene Beleuchtungsszenarien im Raum durchzuspielen. Dabei stellt man rasch fest, wie sich die Wahrnehmung eines Zimmers, je nach Ausleuchtung, stark verändert. Hier die wichtigsten Punkte, die man beachten sollte, wenn man die Wohnung oder das Haus mit «frischem» Licht ausstatten möchte.

Der Eingangsbereich. Dieser sollte sowohl Bewohner als auch Besucher freundlich empfangen und daher einladend und hell sein. Ist der Flur ein langer Schlauch, empfehlen sich Seil-, Schienen- und Stangensysteme. Tipp: Ein wandhoher Spiegel oder eine Spiegeltür verdoppelt die Lichtmenge.

Die Küche. Dieser Arbeitsort ist heute oft auch Wohlfühlraum für die ganze Familie. Dabei wird aber oft übersehen, dass die Küche in erster Linie ein Arbeitszimmer ist. Deshalb sollte in der Küche nicht an Licht gespart werden. Idealbeleuchtung für die Küche ist eine Allgemeinbeleuchtung mit einer Stärke von 500 Lux. Das Licht von Leuchtstofflampen, nahe und parallel zum Küchenfenster montiert, fällt wie Tageslicht ein. Einen schönen Effekt geben in der Decke montierte Downlights und/oder Leuchtschienen unter Oberschränken und/oder Wandleuchten. Vor allem Arbeitsflächen sollten mit ausreichend Licht versorgt sein: Fachleute empfehlen 500 Lux. Tipp: Beim Kochen entwickelt sich Fettdampf. Glatte oder abwaschbare Küchenlampen sind pflegeleichter. Der Essplatz, das Herzstück in geräumigen Küchen, kann zum Beispiel mit einer Pendelleuchte ins richtige Licht gerückt werden. Der ideale Abstand der Lampe zum Tisch beträgt etwa 60 Zentimeter.

Das Wohnzimmer. Richtet man eine Wohnung neu ein, sollte man sich genügend Zeit nehmen, um zu überlegen, wo das Sofa steht, wo der Fernseher, wo gelesen, wo gegessen wird. Wo werden Bücherregale stehen, Bilder hängen? Eine gute Grundbeleuchtung mit einer Deckenlampe sorgt für Übersicht und Orientierung. Ergänzt wird diese mit indirektem Licht aus Deckenflutern, Wandleuchten und/oder Downlights. So werden extreme Lichtunterschiede, die als unangenehm empfunden werden können, vermieden. Sogenannte Lichtinseln sorgen für Atmosphäre und können je nach Tages- und Jahreszeit zusätzliche Akzente setzen. Als Lichtinseln eignen sich Tisch- und Stehleuchten auf Sideboards, in Zimmerecken, auf Beistelltischen und Fensterbänken. Lässt sich das Licht bewegen, dimmen und verändern, kann die Raumatmosphäre individuell angepasst werden.

Das Arbeitszimmer. Beleuchtungsprofis empfehlen drei Lichtquellen als ideales Lichtkonzept. Allgemeinbeleuchtung, Arbeitsplatzbeleuchtung und Akzentbeleuchtung. Die Allgemeinbeleuchtung schafft eine Grundhelligkeit, zwischen 300 und 500 Lux sind ideal. Die Schreibtischleuchte sollte verstell- und schwenkbar sein, damit sie individuell ausgerichtet werden kann. Um Direktblendung und Reflexe im Bildschirm zu vermeiden, sollten dimmbare Steh-, Wand- und Pendelleuchten weit über Kopfhöhe eines sitzenden Menschen installiert werden. Eine wirkungsvolle Akzentbeleuchtung beispielsweise durch das Bestrahlen von Bildern oder Regalen sorgt für eine zusätzliche angenehme Arbeitsatmosphäre. Niedervolt-Halogenlampen mit einem breiten Ausstrahlungswinkel eignen sich besonders gut für Akzentbeleuchtung.

Das Schlafzimmer. Nach einem anstrengenden und turbulenten Tag kann indirektes Licht im Schlafzimmer helfen, leichter zur Ruhe zu finden. Perfekte Ergänzung zum indirekten Licht sind dimmbare Leseleuchten mit beweglichem Reflektor. Von unten beleuchtete Betten, die mit einem Bewegungsmelder ausgestattet sind, bieten nachts Orientierungshilfe. Einen besonders effektvollen Blickpunkt setzen Schränke mit Innenbeleuchtung hinter farbigem Glas.

Das Kinderzimmer. Kinderzimmer sind Vielzweckzimmer. Es gilt: Gute Grundbeleuchtung, sie muss alle Zimmerbereiche ausstrahlen, auch den Boden. Gezieltes Licht am Bett. Auch am Kinderschreib- und Basteltisch sollte das Licht verstellbar sein. Warmes und indirektes Licht am Wickeltisch schont empfindliche Babyaugen. Gut zu wissen: Im Laufe des Lebens verändert sich der Lichtbedarf des Menschen. Ein 60-Jähriger braucht für dasselbe Helligkeitsempfinden etwa doppelt so viel Licht wie ein Kind. Es lohnt sich für das eigene Wohlbefinden, die Gesundheit und für die Umwelt, seine vier Wände einmal unter dem Aspekt «gutes Licht» zu betrachten und gegebenenfalls in neue Lichtquellen zu investieren.

Kleines Lampenglossar
Eine Halogenlampe, auch Halogenglühlampe genannt, ist eine spezielle Form von Glühlampe. Sie sind keine echten Energiesparer, liefern aber ein doppelt so helles Licht wie herkömmliche Glühlampen und punkten mit deutlich höherer Lichtausbeute und Lebensdauer. Halogenlampen eignen sich für punktuelle Beleuchtung am Schreibtisch, Leseleuchten und für akzentuierte Beleuchtung. Das Licht einer Halogenlampe wird oft als kalt empfunden. Blicke direkt in eine Halogenlampe sollten wegen ihrer starken Blendwirkung vermieden werden.
• Vorteile: Liefern gebündeltes Licht. Brauchen keinen Starter. Können mit Hausmüll entsorgt werden. Dimmbar.
• Nachteile: Werden heiss. Brauchen verhältnismässig viel Strom.
Bei gleicher Helligkeit verbrauchen Energiesparlampen nur etwa 20 Prozent der Energie einer herkömmlichen Glühlampe, welche seit rund vier Jahren verboten sind. Energiesparlampen halten 8000 Stunden und sind die Idealbesetzung im Flur oder Treppenhaus. Neue Modelle lassen sich mittlerweile auch problemlos dimmen.
• Vorteile: Geringer Stromverbrauch (macht hohen Anschaffungspreis wett.) Beste Ökobilanz.
• Nachteile: Ältere Modelle werden nur langsam hell. Enthalten (wenig) Quecksilber. Geht die Lampe zu Bruch, Raum lüften. Gummihandschuhe anziehen und Staub und Splitter mit Karton aufnehmen. Mit Wasser nachwischen. Bruchstücke in luftdichtes Gefäss füllen und an Verkaufsstelle zurückgeben. Energiesparlampen sind häufig etwas grösser als die einstigen Glühbirnen und passen somit nicht in alle Leuchten.
Leuchtstofflampen erzeugen die gleiche Helligkeit wie Glühbirnen, verbrauchen aber nur ein Zehntel der Energie. Verwendet werden Sie überwiegend in Kellern und Garagen. Leuchtstofflampen sind mit einer geringen Menge von Quecksilber sowie wertvollen Materialen gefüllt. Die volkstümliche Bezeichnung «Neonröhre» ist falsch. Echte Neonröhren gehören zu den Kaltkathodenlampen und werden üblicherweise für (farbige) Werbung verwendet.
• Vorteile: Mittlerweile gibt es Lichtstofflampen mit denselben Lichtfarben wie Glühbirnen, somit sind sie auch im Wohnraum gut einsetzbar. Lange Lebensdauer.
• Nachteile: Müssen wie Energiesparlampen recyclet werden. Zerbricht eine Lampe, gilt das Gleiche wie bei der Energiesparlampe.
Lampen mit Leuchtdioden kennt man unter dem Begriff LED. Dieser steht für «Licht emittierende Dioden», diese wandeln Strom direkt in Licht um. LEDs erreichen allerdings weder die Lichtleistung noch die Lichtqualität (Farbwiedergabe und Brillanz ) einer Halogenlampe.
• Vorteile: Geringer Stromverbrauch. Sehr hohe Lebensdauer. Wird sofort hell.
• Nachteile: Relativ teuer. Müssen an Verkaufsstelle zurückgegeben werden. Qualitätsniveau sehr unterschiedlich. Etikette beachten. Fehlen Angaben zu Lumen, IRC oder Farbtemperatur, besser ein anderes Produkt wählen.

Fotos: istockphoto.com, fotolia.com

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