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Zügig unterwegs

Kategorie: Leben
 Ausgabe_11_2015 - 01.11.2015

Text:  Tommy Dätwyler

Weniger schwitzen beim Pedalen und ohne Stau rasch am Ziel: Der Absatz von Elektrovelos hat rasant zugenommen – nicht zuletzt weil es heute für jedes Bedürfnis ein passendes Rad gibt.

Das E-Bike, ein Velo für Dicke, Faule und Rentner? Lange Zeit wurden Fahrer und Fahrerinnen eines Elektrovelos gerne müde belächelt. Wer zu faul ist, um in die Pedalen zu treten, soll es doch einfach bleiben lassen, war nur eines von vielen Ressentiments, denen E-Bike-Besitzer begegneten. Heute ist das anders: Das Elektrovelo hat sich aus der Altherren-Ecke verabschiedet. Mit 20 Jahren ist das E-Bike nicht nur volljährig, sondern definitiv auch schick geworden – gerade junge Städter sind gerne mit den praktischen Rädern unterwegs.

Ein kurzer Rückblick: Die ersten Schweizer Elektrovelos wurden 1995 von der Firma BKTech in Kirchberg in die Serienproduktion geschickt. Heute, zwanzig Jahre später, werden von der gleichen Firma unter dem Namen Biketec allein dieses Jahr in Huttwil 50 000 Flyer-EBikes produziert. Drei Viertel davon gehen in den Export, vor allem nach Deutschland, Holland und Österreich. Aber auch andere Elektrovelo-Produzenten beweisen, dass die Schweiz im Bereich Innovation und Entwicklung international Spitze ist. Entsprechend gross ist die Auswahl: Ob City-, Touren-, Mountainoder Cargobike – inzwischen gibt es für jedes Bedürfnis ein Elektrovelo. Selbst Klappvelos mit Motor sind im Angebot. Jedes sechste in der Schweiz verkaufte Velo war letztes Jahr ein elektrisches Zweirad. Von 2013 auf 2014 wuchs der Absatz von E-Bikes um knapp 17 Prozent. Anja Knaus von Biketec führt diesen Erfolg auf die ständige Weiterentwicklung zurück. Wurde früher ein Motor an ein gewöhnliches Velo montiert, werden diese heute als komplette, stabile und «charaktervolle» Elektrovelos entwickelt. «Auch das Design wird immer wichtiger, und das E-Bike selber ist zum Lifestyle-Produkt geworden», erklärt Knaus.

Fahrtipps für E-Bikes
So gut sich das motorisierte Velofahren anfühlt, so stark unterscheidet sich ein E-Bike von einem herkömmlichen Drahtesel: Schon beim Aufsteigen fällt das mit rund 20 Kilogramm deutlich grössere Gewicht auf. Balance und Bremsmanöver fühlen sich anders als gewohnt an. Auch wenn die E-Bike-Hersteller unisono betonen, das Velofahren mit Motor sei nicht risikoreicher als eine Velofahrt ohne Unterstützung, wird bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU) betont: «E-Bike-Fahren braucht Übung». Nicht nur die plötzlich ungewohnt hohe Geschwindigkeit, sondern auch das Kurvenfahren und das Bremsen könne Neulenker – vor allem bei Talfahrten und auf schwierigen Wegen – am Anfang überfordern. 57 Prozent der Unfälle mit E-Bikes waren 2014 Selbstunfälle.
Grundsätzlich gilt deshalb: Defensives Fahrverhalten ist der Schlüssel zum ungetrübten E-Bike-Spass. Gut zu wissen, dass gemäss TCS die Unfallursache Nummer 1 auch bei den E-Bikes das Linksabbiegen ohne deutliches Handzeichen und Einspuren ist. An zweiter Stelle steht das Fahren im Kreisel. Wichtig auch das Tragen eines Velohelmes, das bei der schnelleren E-Bike-Kategorie (mit Tretunterstützung bis 45 km/h) obligatorisch ist.

Beliebtes E-Mountainbike. Diese Entwicklung bestätigt auch Anatol Sostmann bei der Firma Trek, die bis 2014 in der Schweiz für die Marke Villiger verantwortlich war. Seit einem Jahr heissen die Villiger E-Bikes Diamant. Dank grossen technologischen Fortschritten sei es heute möglich, leistungsfähige und zuverlässige E-Bikes für alle nur denkbaren Aufgaben zu bauen und so Leute jeden Alters anzusprechen. Als grosser Renner entpuppte sich das E-Mountainbike, wie zahlreiche Verkäufer bestätigen. Die jüngere und sportliche Generation hat die Vorzüge der flinken und schnelleren Elektrovelos auch auf Trials und im Gelände entdeckt und damit der Schweizer Velobranche neue Perspektiven eröffnet.

Bewusst auf das urbane Gebiet spezialisiert hat sich ein anderer Schweizer E-Bike-Pionier: die Firma Stromer in Oberwangen. Mountainbikes sucht man im Stromer-Angebot vergeblich. Dies sei «eine bewusste Entscheidung», erklärt dazu Verena Stettler von Stromer. «Wir konzentrieren uns auf die Bedürfnisse von Pendlern und Velo-Begeisterten in den urbanen Gebieten und Agglomerationen.» Die Nachfrage nach stabilen und sicheren E-Bikes, die auch den verschiedensten Transportaufgaben gewachsen seien, nehme seit Jahren zu. E-Bikes würden immer mehr zu Pendlerfahrzeugen, die einen Zweitwagen ersetzen, erklärt Stettler.

Tipps rund um den Akku
• Akku nach jeder Fahrt nachladen.
• Akku bei längerer Standzeit getrennt vom Velo lagern, in trockenem Raum bei einer Temperatur von 10 bis 20 Grad.
• Tiefentladung vermeiden, deshalb etwa alle zwei Monate nachladen.
• Akku sollte mindestens halb voll sein.
• Akku im Winter erst laden, wenn er etwas aufgewärmt ist.
• Nach längerer Standzeit in der Kälte nicht sofort die volle Leistung fordern.
• Akku nicht grosser Hitze beziehungsweise starker Sonneneinstrahlung aussetzen.
• Stets das dazugehörende Ladegerät verwenden und nach Anweisung anschliessen.
• Defekte Akkus nicht öffnen.
• Defekte Akkus nicht im Hausmüll entsorgen, sondern an die Verkaufsstelle zurückgeben.
• Beim Transport des E-Bikes aussen am Auto den Akku entfernen.

180 Kilometer Reichweite. Aus diesem Grund richte Stromer das Augenmerk unter anderem auch besonders auf die Reichweite seiner Elektrofahrräder. Im Frühling 2016 präsentiert Stromer mit dem ST2S ein Rad, welches dank neuartigem Akku bei der Reichweite die Rekordmarke von bis zu 180 Kilometer pro Ladung erreicht. Zusammen mit einer kraftvollen Tretunterstützung sei damit gewährleistet, dass man zum Beispiel auch einen weiter entfernten Arbeitsplatz unverschwitzt und ohne Staustress erreichen könne.

Eine andere technische Neuigkeit hat bereits dieses Jahr für Aufsehen gesorgt: Die High-Tech-Motorenfabrik Maxon in Sachseln (OW) hat einen besonders leichten Bike-Drive-Motor entwickelt. Der neue Motor verspricht «mehr Saft» auch am Berg und eine sagenhafte Beschleunigung von 0 auf 30 Kilometer in drei Sekunden. Fahrtwind wird damit quasi sofort garantiert. Der neue, etwas mehr als drei Kilo schwere Nabenmotor kann sogar auch noch nachträglich ins Heck eines (geeigneten) Velos eingebaut werden. Beim traditionellen Schweizer Velohersteller Komenda in St. Gallen – er arbeitet mit Maxon zusammen – ist man überzeugt, dass starke, individuell zusammengestellte und damit «sehr persönliche» E-Bikes das Bild vor allem in den Städten in Zukunft noch mehr prägen und immer mehr auch ganz junge Leute begeistern werden. Komenda führt unter anderem die Marken Ibex, Cresta und Giant.

Probefahren! Auch optisch unterscheiden sich Elektrovelos nur noch minim von klassischen Velos. Beim Preis indessen ist der Unterschied spürbar: E-Bikes ohne Schnickschnack sind im Fachhandel für 2500 bis 5000 Franken zu haben. Bei Migros oder beim Discounter sind auch Räder ab 1000 Franken zu finden. Spezialausführungen mit Zubehör öffnen den Preisrahmen gegen oben unbegrenzt. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich der Wirkungsgrad der Motoren stark verbessert und die Reichweite in den letzten Jahren vergrössert hat. Auch die Zuverlässigkeit hat spürbar zugenommen; die Batterien sind grösser, aber nicht schwerer geworden. Gleichzeitig haben die Produzenten ihr Augenmerk auch auf die Stabilität und die Bedienungsfreundlichkeit gelenkt. Unbestritten ist bei den Produzenten zudem, dass schnellere Velos mit Spitzengeschwindigkeiten bis 45 Stundenkilometer auch bessere Bremsen brauchen. Beim Kauf gilt es neben Sicherheitsaspekten die eigenen Vorlieben zu berücksichtigen. Es lohnt sich unbedingt, vor dem Kauf verschiedene Modelle auszuprobieren

Fotos: flyer-bikes.com, diamantrad.com

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