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Machen Sie sich sichtbar

Kategorie: Leben
 Ausgabe_11_2015 - 01.11.2015

Text:  Andreas Krebs

«Sehen und gesehen werden» ist das A und O im Strassenverkehr: Fussgänger und Velofahrer haben bei Dunkelheit ein dreimal höheres Unfallrisiko als am Tag. Licht, Reflektoren und richtiges Verhalten können leben retten.

Die immer kürzeren Tagen schlagen einigen Menschen nicht nur aufs Gemüt. Sie fordern vor allem auch erhöhte Konzentration im Strassenverkehr. Die ohnehin schon schlechte Sicht bei Dämmerung wird im Herbst und Winter zusätzlich behindert durch Nebel, Regen und Schneefall. «Fussgänger unterschätzen das Risiko häufig», sagt Maggie Kölla von der Arbeitsgruppe «Sicherheit durch Sichtbarkeit» und betont: «Auch auf beleuchteten Strassen können Autofahrer Fussgänger bei Nacht viel schlechter wahrnehmen als am Tag.»

Sich sichtbar machen. Besonders gefährdet seien Kinder. «Sie sehen die Lichter des Autos und gehen davon aus, dass man sie auch sieht.» Jährlich verunfallen rund 1400 Kinder im Strassenverkehr, jedes siebte in der Dämmerung. Da hilft nur eines: Kinder müssen gut sichtbar sein – und Erwachsene als Vorbilder ebenso. Helle Kleider seien schon einmal eine gute Sache, sagt Kölla. Noch besser seien Sohlenblitze für die Schuhe, reflektierende Armbänder, Westen, Jacken und Theks. «Wichtig ist, dass die Kinder von allen Seiten gut erkennbar sind.» Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) ist die Gefahr zu verunfallen für Fussgänger und Velofahrer bei Dunkelheit rund dreimal höher als bei Tageslicht. Kommen Regen, Schnee und Gegenlicht dazu, steige das Unfallrisiko auf rund das Zehnfache. Letztes Jahr sind auf Schweizer Strassen 243 Menschen tödlich verunglückt, davon 43 Fussgänger (14 auf Fussgängerstreifen) und 29 Velofahrer. Gemäss bfu sei bei einer signifikanten Verbesserung der Sichtbarkeit von Fussgängern und Velofahrern eine Verringerung der Zahl der schweren Unfälle auf die Hälfte zu erwarten. Es gibt wenig Präventionsmassnahmen, die derart wirksam, günstig und einfach umzusetzen sind: Machen Sie sich sichtbar, auch auf dem Fussgängerstreifen!

Retroreflektoren
Retroreflektierendes Material besteht aus kleinsten Glaskügelchen oder Mikroprismen, die das einfallende Licht zurück zur Strahlungsquelle reflektieren. Mit einem retroreflektierenden Band zum Aufbügeln oder Ankleben kann man Kleider, aber auch Velos nachttauglich frisieren. Das Band sollte mindestens zwei Zentimeter breit sein. Grossflächig und rundum anbringen. Achtung: Glänzende Streifen auf Spor- tund Outdoorkleidung haben manchmal nur Ziercharakter. Nicht alles, was glänzt, reflektiert auch. Achten Sie auf Materialangaben wie 3M Scotchlite, reflite oder Reflexite. Eine gute Auswahl gibt es in Sport- und Velogeschäften. Dort findet man auch Accessoires wie Sohlenblitze, Arm- und Beinbinden, Stirnbänder, Kappen oder Westen. Von der Beratungsstelle für Unfallverhütung für gut befunden wurde das neongelbe AH-Schulterband (www.ah-sicherheit.ch). Es ist klein und leicht (30 Gramm) und verschwindet bei Nichtgebrauch in der Hand- oder Jackentasche. Einzelne Produkte sind zusätzlich zum Reflexmaterial mit batteriebetriebenen Lämpchen ausgerüstet, etwa Velohelme oder Warnwesten. So ist der Fussgänger auch dann zu sehen, wenn kein Licht reflektiert werden kann.

Achtung, Mensch! Am besten geeignet sind dafür Retroreflektoren und ruhende Lichter in der sogenannten Biomotion-Konfiguration. Das bedeutet, dass die leuchtenden Produkte an Stellen angebracht werden, welche die menschliche Bewegung leicht erkennen lassen, also an Armen, Beinen und Füssen. So kann das Gehirn, das sich an bekannten Konturen und Formen orientiert, schneller erkennen, was das Auge sieht. Je schneller das Gehirn dies erkennt, desto kürzer ist der visuelle Wahrnehmungsprozess und die daraus resultierende Reaktionszeit. Oft kommt es auf Sekundenbruchteile an. Reflektierende Materialien sind im Abblendlicht aus einer Distanz von 140 Metern erkennbar. Helle Kleider aus 40 Metern, dunkle aus 25 – da kann ein Fahrzeuglenker kaum mehr rechtzeitig reagieren. Neben der Sichtbarkeit sei auch das Verhalten wichtig, betont Kölla. Gerade am Fussgängerstreifen sei, trotz Vortrittsrecht, Vorsicht geboten. «Ist das Auto zu nahe, nützt der Vortritt nichts. Das ist eine Tatsache, die viele Fussgänger nicht wahrhaben wollen.» Natürlich liege es auch an den Fahrzeuglenkern, die Fahrweise den Gegebenheiten anzupassen.

Risiko: Nachtfehlsicht. Bei Unfällen in der Dunkelheit geben etwa 90 Prozent der Autofahrer an, den Fussgänger oder Velofahrer zu spät gesehen zu haben. Tagsüber sind es nur gut 10 Prozent. Schuld daran ist allerdings nicht alleine die schlechte Sichtbarkeit der Fussgänger. Nachtfehlsicht, so vermutet die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, sei ebenso häufig ein Grund für Unfälle wie Trunkenheit am Steuer. Bei einem ADAC-Sehtest mit mehr als tausend Teilnehmern fiel fast die Hälfte beim Dämmerungstest durch – darunter auch Brillenträger: Bei 22 Prozent reichte die Korrektur nicht mehr aus. Eine andere Studie zeigt: Wer an Glaukom (grüner Star) leidet, ist sechsmal so häufig in Autounfälle verwickelt wie Menschen mit gesunden Augen. Auch Müdigkeit und eine «relative Gelassenheit» aufgrund von Reizarmut (leere Strassen) erhöhen das Unfallrisiko.

Pflichten für Velofahrer und Skater.
Velofahrer müssen in der Dunkelheit, bei Dämmerung und in Tunnels Licht einschalten. «Die Lichter müssen auf eine Distanz von hundert Metern sichtbar sein, dürfen aber nicht blenden. Sie können fest angebracht oder abnehmbar sein. Blinkende Lichter dürfen als Zusatz zu einem ruhenden Licht verwendet werden», erklärt Daniel Bachofner Experte Verkehrssicherheit von Pro Velo Schweiz. Auch sogenannte fahrzeugähnliche Geräte wie Inline-Skates, Kick- und Skateboards (oder deren Benutzer) müssen bei schlechter Sicht mit einem weissen (vorne) und roten (hinten), durchgehend leuchtenden, gut erkennbaren Licht ausgerüstet sein. Blinkende Lichter alleine erfüllen auch hier die gesetzlichen Anforderungen nicht. Wer ohne Licht erwischt wird, den büsst die Polizei mit 20 bis 60 Franken.

Foto: zvg

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