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Nachhaltig frisch

Kategorie: Leben
 Ausgabe_05_2015 - 01.05.2015

Text:  Vera Sohmer

Viel bringt viel? Bei der Kleiderpflege ist das Gegenteil der Fall. Wer es zurückhaltend angeht, hat länger Freude an seinen Lieblingssachen — und schont die Umwelt.

Lüften
Einfacher, gründlicher und umweltschonender kann man seine Kleider kaum pflegen. Hängen Sie Ihren Anzug oder das Kostüm an die frische Luft. Das kann über Nacht sein, sofern der Platz vor Regen geschützt ist. Die Frischluftkur hilft gegen schlechte Gerüche und gibt den Textilfasern Elastizität zurück. Die Kleidungsstücke glätten sich so fast von selbst. Das gilt auch für alle Wolltextilen. Wolle kann sich durch ihren Faseraufbau selbst reinigen, sie verschmutzt viel weniger schnell und nimmt schlechte Gerüche kaum auf.

Bürsten
Unsere Mütter und Grossmütter griffen gerne zur Kleiderbürste, denn sie wussten: Es gibt keine bessere Methode, um Mäntel, Jacken oder Hosen direkt nach dem Tragen von Staub sowie trockenem Schmutz wie Schlammspritzern zu befreien. Wer sich diesen Ratschlag zu Herzen nimmt und konsequent zur Kleiderbürste greift, spart nicht nur manchen Waschgang oder die Textilreinigung, sondern auch Ressourcen und Geld. Die Anschaffung einer guten Kleiderbürste mit Holzgriff und Wildschweinborsten lohnt sich. Es gibt sie in verschiedenen Härtegraden, je nachdem wie fein das auszubürstende Gewebe ist. Als Alternative zum Fusselroller empfiehlt sich eine spezielle Bürste mit Lamellen aus Naturkautschuk. Fusseln und Haare lassen sich damit schonend entfernen. Die Fusselroller mit klebender Folie sind zwar praktisch, doch sie verkleben den Stoff. Viele Pullover, Strickwesten oder Schals neigen dazu, Knötchen zu bilden. Fachleute sprechen von Pilling. Dies ist kein Zeichen schlechter Qualität, sondern entsteht, wenn abstehende Fasern durch Reibung an anderen Stoffen oder unter Druck miteinander verfilzen. Bei den speziellen Fusselrasierern ist Vorsicht geboten, damit das Gewebe nicht beschädigt wird. Lieber eine Kleiderbürste mit Bronzedraht verwenden.

Aufbewahren
«Besonders feine Stoffe knittern leicht und gehören unbedingt auf einen Bügel», empfiehlt Katharina Blansjaar in ihrem Buch «Ganz mein Stil». Dabei auf gut geformte Bügel achten. Sie sollten die richtige Länge haben, der natürlichen Schulterform nachempfunden sein und an den Enden breiter zulaufen. Dies ist insbesondere bei Blazern und Blusen wichtig, damit sie in Form bleiben und keine Falten werfen. Oberteile im Schrank aufeinanderzustapeln, ist unproblematisch, solange die Türme nicht zu hoch werden. Was unten liegt, bekommt schnell Pressfalten. T-Shirts oder Sweatshirts sind dafür weniger anfällig als Wollpullover oder Hemden.

Werden Kleider längere Zeit nicht getragen, sollten sie vor Staub, Sonnenstrahlen und Feuchtigkeit geschützt werden. Sie lassen sich im Kleiderschrank nach hinten oder oben räumen oder in Kleiderschutzhüllen auf dem Estrich verstauen. Ein guter Mottenschutz ist, wenn die Kleider vor der Einlagerungszeit gewaschen oder gereinigt werden. Dies beseitigt Hautpartikelchen und Schweissspuren, von denen sich Motten ernähren. Chemische Mottenmittel riechen oft ziemlich stark. Ebenso wirksam sind Lavendelsäckchen oder Zedernholz. Auch Neemextrakt gilt als geeignetes Mittel.

Fleck weg
Eingetrocknete Flecken sind schwer zu entfernen, deshalb lieber gleich dahintergehen, aber sachte. Zu starkes Rubbeln und Reiben beschädigen das Gewebe schnell. Und wenn gerubbelt wird, immer von innen nach aussen, andernfalls wird der Fleck nur vergrössert. Viele Flecken lassen sich gut mit Gallseife behandeln: Fleck mit Wasser befeuchten, Seife einreiben, einwirken lassen. Danach ganzes Kleidungsstück in konzentrierte Waschmittellauge legen. Nochmals einwirken lassen und dann wie gewohnt waschen. Delikate Stoffe, die gereinigt werden müssen, nicht selbst mit Fleckenentferner behandeln, das Kleidungsstück lieber gleich zum Profi bringen.

Waschen
Ein Blick auf die Pflegeetiketten ist wichtig, denn falsche Behandlung hat schon manches Lieblingsteil ruiniert. Dabei gilt: Eine höhere Waschtemperatur empfiehlt sich nie, eine niedrigere geht immer und spart überdies Energie. Wenig verschmutzte Kleider werden in der Regel bei 30 Grad ohne Vorwäsche sauber.

Nach Angaben des WWF belastet ein Kleidungsstück die Umwelt dann am meisten, wenn es in Gebrauch ist. Ein Grund dafür ist der Energiebedarf, wenn das Wasser in der Waschmaschine aufgewärmt wird. Eine 60-Grad-Wäsche ist laut WWF nur sinnvoll, wenn hoch ansteckende Viren im Haushalt grassieren, um diese abzutöten. Vor unerwünschten Keimen schützt ebenfalls das Sonnenlicht, deshalb die Wäsche raushängen, wenn möglich. Umweltfreundlich waschen heisst auch, sich nicht allein aufs Ökolabel von Waschmitteln und -maschine zu verlassen. Denn selbst «grüne» Waschmittel können problematische Zusätze enthalten. So greifen beispielsweise Duftstoffe und ätherische Öle Wasserorganismen an. Folgende Regeln beachten: Maschine voll beladen und das Waschmittel nach Verschmutzungsgrad dosieren. Sich nach der Wasserhärte erkundigen; bei weichem Wasser benötigt es am wenigsten Waschmittel. Auf Weichspüler verzichten. Anfänglich vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sind Waschnüsse eine gute Möglichkeit, mit wenig Umweltbelastung zu waschen. Die Früchte des sogenannten «Seifenbaums» gibt es als lose Nüsse, in flüssiger Form oder als Pulver. Die Nüsse sind bei niedriger Waschtemperaturen mehrfach verwendbar und können auf dem Kompost entsorgt werden. Und: Nicht jedes Kleidungsstück muss in die Maschine, nur, weil man es einmal getragen hat.

Trocknen
Tumbler belasten die Umwelt. Sie verursachen laut WWF einen Stromverbrauch von fast 800 Millionen Kilowattstunden pro Jahr – das ist fast genauso viel, wie für das Waschen verbraucht wird, und dies, obwohl nur ein Teil der ganzen Wäsche in der Schweiz im Tumbler getrocknet wird. Kleider an der Leine trocknen spart Energie und die Textilien werden zudem geschont, was sie langlebiger macht.

Fotos: istockphoto.com, Illustrationen: Lina Hodel

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