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Hoch hinaus

Kategorie: Leben
 Ausgabe_05_2015 - 01.05.2015

Text:  Barbara Hutzl-Ronge (Bearbeitung Tertia Hager)

Um die Magie des Wildkirchli im Alpstein in Ruhe erleben zu können, schläft man am besten auf dem Berg und geniesst morgens die Stille des heiligen Ortes.

Wer es bequem mag, steigt in Wasserauen in die Luftseilbahn und entschwebt direkt auf die Ebenalp. Wer jedoch gerne bergauf steigt, meistert die rund 600 Höhenmeter zu Fuss und wandert via Seealpsee zum Gasthaus Aescher, von wo aus das sagenhafte Wildkirchli in Augenschein genommen werden kann. Weiter geht es über die Ebenalp auf den Schäfler auf 1924 Meter über Meer. Damit ersteigen wir den nördlichsten Ausläufer der Säntiskette und nähern uns dem Berg, dessen beeindruckende Silhouette wir vom nördlichen Bodenseeufer aus so oft bewundert haben.

Morgendliche Stille

Mit einer Übernachtung im Berggasthaus Schäfler, wo es bloss Waschwasser aus dem Krug gibt, stimmen wir uns aufs einfache Leben der Einsiedler des Wildkirchlis ein. Darben wie die Eremiten müssen wir trotzdem nicht, denn hier gibt es die beste Rösti weit und breit. Und dazu vom Gipfel eine beeindruckende Rundumsicht auf die Berge des Alpsteins, vom Pilatus über Napf und Feldberg bis zur Zugspitze, und weit über den Bodensee hinaus. Wunderbar still ist es am nächsten Morgen auf dem Schäfler, nur die Dohlen wispern sich etwas zu. Früh wandern wir zurück auf die Ebenalp und steigen dort durch die Höhle, vorbei am Bärengrab hinunter in die sogenannte Gasthaushöhle, wo einst das Eremitenhäuschen stand. In seinem Nachfolgebau befindet sich heute ein kleines Museum. Über einen schmalen Weg erreichen wir die Wildkirchlihöhle, ein Zaun markiert den heiligen Bereich. Wer zeitig genug hier ist, hat die Höhle, die später eifrig von Touristen besucht wird, ganz für sich allein. Dann scheint die Morgensonne auf den Höhleneingang, still schweigt die Turmglocke. Und plötzlich ist die meistbesuchte Höhlenkirche der Alpen ein wahrhaft magischer Ort, an dem die Zeit ganz eigen vergehen.

Das Wildkirchli
Einst sollen Zwerge die Höhle als heiligen Ort genutzt haben. 1524 wird der Name Wildkirchli erstmals schriftlich erwähnt. Nachdem eine Sakristei und ein Häuschen gebaut wurden, zog sich der junge Pfarrer Paulus Ulmann zwei Jahre lang als Einsiedler an den Ort hoch im Alpsteinmassiv zurück. Nach ein paar Jahren in Lindau kehrte Ulmann zurück an den Ort der Stille, wo er bis an sein Lebensende 1680 als Eremit in der Naturkappelle lebte. Bis 1853 folgten seinem Beispiel 23 Kapuziner, um zu beten, Alpgottesdienste abzuhalten und fünfmal täglich das Glöcklein zu läuten.

Uns lockt nach einer Zeit des Ruhens, Schauens und Geniessens ein zweites Frühstück: Wie ein Adlerhorst am Fels, so spektakulär ist das Gasthaus Aescher an der Steilwand erbaut. Von dort steigen wir wieder durch die Höhle bis zur ersten Weggabelung (noch unterhalb der Bergstation) auf: Ab da folgen wir einem Weg, den Dölf Dobler, der Wirt vom Schäfler, den schönsten nach Appenzell nennt. Recht hat er! Wir gehen also auf weiss-rotweiss markiertem Bergweg über Weiden und durch den Bergwald in Richtung Schwende, Weissbad und über die Gartenalp zum Gasthaus Warth. Später lohnt sich ein kleiner Abstecher zur Kappelle Sonnenhalb. Anschliessend geht es dem Waldrand entlang nach Appenzell.

Das Buch «Magischer Bodensee» von Barbara Hutzl-Ronge ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Vielseitige Wanderung im Alpstein
• Ausgangspunkt
Mit dem Zug nach Wasserauen. Von dort mit der Luftseilbahn oder zu Fuss auf die Ebenalp.
• Endpunkt
Appenzell
• Wanderzeit
Um das Wildkirchli als magischen Ort erleben zu können, empfiehlt sich eine Übernachtung im Berggasthaus Schäfler.
1. Tag: Mit der Luftseilbahn 1 Stunde, zu Fuss 4 Stunden
2. Tag: 3 . Stunden
• Höhendifferenz
Aufstieg: 1056 Meter
Abstieg: 1125 Meter
• Route
1. Tag: Wasserauen–Ebenalp mit der Luftseilbahn für Gemütliche.
Für Wanderer: Wasserauen – Chli Hütten, Seealpsee – Chobel – Gasthaus Aescher – Wildkirchli – Höhle – Ebenalp.
Für alle: Ebenalp Berggasthaus Schäfler.
2. Tag: Schäfler – Ebenalp – Höhle – Gasthaus
Aescher– Wildkirchli – Gartenwaldalp – Warth – Sonnenhalb – Appenzell
• Karten
Landeskarte 1:50 000, 227 Appenzell
• Restaurants/Hotel
Berggasthaus Schäfler, Telefon 071 799 11 44, www.schaefler.ch
Gasthaus Aescher, Telefon 071 799 11 42, www.aescher-ai.ch
Gasthaus Warth, Telefon 071 799 11 47, www.warth-ai.ch
• Weitere Infos
Appenzellerland Tourismus, Telefon 071 788 96 41, www.appenzell.info, www.ebenalp.ch

Fotos: www.at-verlag.ch

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