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Ferien daheim

Kategorie: Leben
 Ausgabe_04_2015 - 01.04.2015

Text:  Vera Sohmer

Die Schweiz ist ein Ferienland – auch für Einheimische. Reizvolles lässt sich entdecken, indem man das Einfache sucht und einen Gang runterschaltet.

Mit dem Postauto durchs Appenzellerland kurven und staunen. Da hat sich die Natur viel Mühe gegeben, eine Landschaft zu modellieren, die nur einen Zweck zu haben scheint: dem Betrachter zu gefallen. Und in Momenten, in denen man denkt, das ist ja fast zu schön, um wahr zu sein, kommt es manchmal noch besser. Zum Beispiel dann, wenn es vom etwas mehr als 1000 Meter hohen Kaien bei Rehetobel nach Heiden hinuntergeht. Einmal noch um die Kurve mit dem Postauto und dann geht ein Raunen durch die Reihen: Vor uns liegt das in sattgrüne Hügel eingebettete Dorf Heiden mit seinen herausgeputzten klassizistischen Häusern. Sie strahlen im Sonnenlicht mit dem markanten Kirchturm um die Wette. Dahinter liegt der tiefblaue Bodensee. Er ist mit Segelschiffen gespickt, lauter weisse Pünktchen aus der Ferne.

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Was man hier machen kann? Nichts Wildes, sich der Langsamkeit hingeben. Die Sitznachbarin im «Poschti» wandert von Heiden aus ein Stück auf dem Gesundheitsweg (www.gesundheitskanton.ch), um dann ein paar Stunden im Heilbad Unterrechstein (www.heilbad.ch) abzutauchen. Ihr Mann tuckert derweil mit der Zahnradbahn nach Rorschach, um sich die Kunstsammlung im Forum Würth (www.wuerth-haus-rorschach.ch) anzuschauen, einem kühnen Firmenbau aus Glas, direkt am Seeufer. Die beiden kommen aus Lumnezia, Bezirk Surselva im Bündnerland. Auch dort sei es wunderbar. Aber die Gegend hier habe schon einen ganz besonderen Reiz.

Schlafen im Baumhaus. Wer weiss, vielleicht liegt später die anspruchsvollere Jura-Route drin. Auf einem der Abschnitte radeln Besucher durch den Naturpark Doubs mit seinem kargen Charme. Der Park schlängelt sich unter anderem durch eine canyonartige Schlucht und die Uhrmacherstädte La Chaux-de-Fonds und Le Locle liegen auf dem Weg. Sie gehören mit ihrer schachbrettartigen Architektur zum Unesco-Weltkulturerbe, es werden Stadtführungen angeboten. In der Nähe von Le Locle kann man in Baumhäusern übernachten – sie hängen bis zu acht Meter hoch in alten Eschen (www.lesnids.ch).

Ferien im eigenen Land sind bei Schweizerinnen und Schweizern durchaus beliebt und bezahlbar. Einem weiteren Vorurteil zum Trotz reisen Einheimische innerhalb der Landesgrenze gerne in andere Sprachregionen. Laut einer Umfrage der Vereinigung für Angewandte Linguistik eignet sich dafür immerhin ein Viertel der Touristen extra Französisch- oder Italienischkenntnisse an, um sich in ihren Ferien gut oder besser verständigen zu können. 20 Prozent gaben an, eine Fremdsprache lernen zu wollen, weil sie oft Ferien in einer anderssprachigen Region machen. Beliebter ist in den vergangenen Jahren unter anderem die Genferseeregion geworden. Sie verzeichnete, wie auch die Stadt Genf, überdurchschnittlich mehr Übernachtungen von Schweizern.

Beschaulich bitte. Laut Schweiz Tourismus waren 2013 fast 45 Prozent aller Touristen aus dem Inland. Gezählt wurden dabei nur jene Gäste, die in Hotels übernachteten. Nicht eingerechnet sind Tagesausflügler und Übernachtungen in der Parahotellerie – also in Chalets, Ferienwohnungen oder Privatzimmern. Offenbar, das zeigt die Statistik weiter, lieben es die Schweizer beschaulich. Sie machen gerne Exkursionen mit Bergbahnen, betrachten Naturschauplätze und geniessen regionale Spezialitäten. Auch bei den sportlichen Aktivitäten gehen es die meisten gemütlich an. Sie schnappen sich ihren Rucksack und machen Wanderungen. Jene Touren, die weniger als zwei Stunden dauern, sind am beliebtesten. Das zeigt sich auch bei den SAC-Hütten, die auf einfachen Routen liegen. Man tut gut daran, die Übernachtung frühzeitig zu reservieren. Über das Wochenende sind die Hütten oft gut ausgebucht. Ein paar Runden im Natursee zu schwimmen, ist für viele ebenfalls Erholung pur.

Schweigen im Kloster. Wer das Bedürfnis hat, auf ganz andere Weise Ferien zu machen, kann ins Kloster gehen. Immer mehr Klostergemeinschaften öffnen ihre Pforten, um Stressgeplagten ein paar Tage Auszeit zu bieten. Schweiz Tourismus schlägt 13 Adressen an malerischen Orten vor – von Einsiedeln über Rapperswil bis Müstair im gleichnamigen Bündner Tal. Die Idee: Hinter Klostermauern sind Besucher abgeschirmt von Lärm und Hektik. Das ist ideal, um dem täglichen Wahnsinn für kurze Zeit zu ent iehen. Zumal das Leben im Kloster einem eigenen Rhythmus unterliegt. Alles ist klar geordnet und aufs Wesentliche konzentriert. Dass bei der Auszeit im Kloster eine Woche lang auf Smartphone und Notebook verzichtet werden soll, ist Härtetest und Verlockung zugleich. Denn so lässt es sich ohne Ablenkung und Zerstreuung nachdenken, darüber «wo du im Leben stehst und wie deine nächsten Schritte aussehen könnten», wie es das Kapuzinerkloster Rapperswil formuliert. Was Besucher mitbringen sollten: Die Bereitschaft, sich auf das Klosterleben einzulassen, das heisst mitbeten, mitarbeiten, mitessen, mitmeditieren – und den Mund halten. Es gibt Klöster, in denen Schweigen oberstes Gebot ist. Reden ist dann erst wieder angesagt, wenn man seinen Freunden von den besonderen Ferien im Kloster erzählt. 

Fotos: swiss-image.ch/Christian Perret, swiss-image.ch/Rainer Eder, istockphoto.com, zvg

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