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Sinnsuche

Kategorie: Leben
 Ausgabe_04_2015 - 01.04.2015

Text:  Rita Torcasso

Ferien können mehr sein, als nur ein Land kennenzulernen. Viele Menschen unternehmen Reisen, um sich selbst zu finden oder um anderen zu helfen. Warum Pilgern guttut.

Die älteste Reiseform, bei der es um das Seelenheil geht, ist das Pilgern. «Nur wo du zu Fuss warst, bist du auch wirklich gewesen», wusste Goethe. Seit der Jahrtausendwende pilgert man wieder – allein auf dem Jakobsweg waren letztes Jahr 200 000 Personen unterwegs. Viele Neo-Pilger liessen sich vom Buch «Ich bin dann mal weg» des deutschen Entertainers Hape Kerkeling inspirieren. Darin schildert er seine sechswöchige Wanderung auf dem Jakobsweg bis Santiago de Compostela als Marsch, auf welchem er zeitweise «auf den Zähnen gelaufen» sei. «Ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht nach irgendeiner göttlichen Instanz, sondern nach mir suchen muss», so seine Einsicht. «Der Weg nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück. Du musst ihn alleine gehen, sonst gibt er seine Geheimnisse nicht preis.» Im Buch beschreibt er viele Begegnungen mit Sinnsuchenden. Für sich kommt er nach 350 Kilometern zur Erkenntnis: «Gott ist ‹das eine Individuum›, das sich unendlich öffnet, um ‹alle› zu befreien.» Ein häufig genannter Grund einer Pilgerreise ist, «um einen klaren Kopf zu bekommen». Eine Diplomarbeit der Universität Innsbruck untersuchte Motivation und Nachhaltigkeit des Pilgerns. Pilger wollten «den Alltag durchbrechen und Erfahrungen von Ganzheit und Spiritualität machen».

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In der Wüste

Meinen eigenen Weg fand ich vor fünf Jahren in der Wüste Marokkos. Die erste Wanderung allein mit zwei einheimischen Führern wurde zur heilenden Erfahrung nach einer Krise. Seither nehme ich mir jedes Jahr Zeit, um in die Wüste zurückzukehren. Leben in der Wüste lehrt Demut. Jede Mahlzeit ist ein Fest, das mit dem Teeritual als Zeichen der Zusammengehörigkeit beginnt, Wasser, Schatten, Fallholz und Stürme bestimmen den Tagesablauf. Nomaden richten ihr Leben nicht an Fixpunkten aus, ausser jenem des Unterwegsseins. Daraus entsteht ein Zeitgefühl, das in der Gegenwart verankert ist. Ein nomadisches Sprichwort sagt: «Solange du wanderst, bist du mit deiner Seele verbunden, wenn du stehen bleibst, geht sie weiter.» Für mich ist die Wüste Herausforderung und Geschenk: Man gibt die Kontrolle ab und stösst an die eigenen Grenzen. Treffend schreibt der Philosoph Alain de Botton: «Reiseziele sagen uns etwas darüber, was einer Person fehlt, was ein Mensch am dringendsten innerlich braucht.» Für Tourismusforscher liegt in der Beschleunigung und Zerstückelung unseres Alltags einer der Hauptgründe, warum Reisen als Sinnsuche immer breitere Kreise ansprechen. Edgar Kreilkamp von der Universität Lüneburg definiert diese Suche als einen «aktiven, von der einzelnen Person ausgehenden Prozess», der sich an Werten wie Eingebundensein, Zeit haben und Zeit widmen orientiert. Er hält fest: «Für mehr Reisende zählt, so aussergewöhnliche Erfahrungen zu machen, dass man sich selbst verändert oder weiterentwickelt.»

Achtung Trampelpfade

In der Antike führten noch alle Wege nach Rom, heute steht uns scheinbar die Welt offen. Doch Reisende bewegen sich mehrheitlich in «Traveller-Ghettos» auf den von Reiseführern vorgegebenen Routen. Auch sogenannt sinnstiftende Angebote schützen nicht vor solchen Trampelpfaden. Doch bieten sie besondere Einblicke, wie etwa der Verein «Interreligös Reisen», der  Gelegenheit gibt, sich mit Menschen anderer Religionen auszutauschen, in Klöstern auf der ganzen Welt den Alltag der Gemeinschaft zu teilen oder spirituelle Erfahrungen zu machen. Einen Mehrwert bieten auch Kulturreisen, bei denen Insider «ihr Land» zeigen oder man auf den Spuren berühmter Landsleute reist.

Reisen als Sinnsuche rückt die Frage, warum man reist, ins Zentrum. Nicolas Bouvier war überzeugt: «Eine Reise braucht keine Beweggründe. Sie beweist sehr rasch, dass sie sich selbst genug ist.» Ähnlich wie in der Verliebtheit stellt man alle Antennen auf Empfang. Anders als früher entdeckt man aber kaum mehr Neuland. Doch im besten Fall erhält man auch heute noch mehr Klarheit über das eigene Eingebundensein in der Welt.

Foto: fotolia.com

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