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Kategorie: Leben
 Ausgabe_04_2015 - 01.04.2015

Text:  Remo Vetter

Ob als Gärtner oder Spaziergänger: Der April verlangt einem mit seinen sprichwörtlichen Wetterkapriolen einiges an Flexibilität ab.

April, April, der macht was er will. Bei uns auf knapp 1000 Metern über Meer ist der April ein schwieriger Monat. Einerseits gibt es schon viele sehr schöne, sonnige Tage, an denen sich Gartenarbeiten erledigen lassen, andererseits kann es schnell wieder sehr kühl und frostig werden. Das typisch wechselhafte April-Wetter mit Regen, Wind, Sonne und teilweise Schnee kann uns einen Strich durch die Rechnung machen. Viele Gartenarbeiten sind deshalb in dieser Zeit sehr wetterabhängig.

Nützliche fördern. Das Frühjahr ist eine gute Zeit, um sich der Nützlinge anzunehmen; jenen Tierchen, die mithelfen, die Gartenarbeit etwas einfacher zu machen. Der bekannteste und vielleicht auch beliebteste Nützling ist der Marienkäfer, der täglich an die Hundert Blattläuse vertilgen kann. Weitere wichtige, natürlich vorkommende Schädlingsvertilger sind Florfliegen, Schlupfwespen, Schwebfliegen und viele andere. Auch Bienen und Hummeln sind wichtige Nützlinge im Garten, denn sie sorgen für die Befruchtung der Obstgehölze. Wer Nützlinge fördert und schont, hat weniger Probleme mit Schädlingen und reichere Ernten. Damit sich Nützlinge wohlfühlen im Garten brauchen sie einen möglichst vielseitigen Lebensraum: Besonders frühjahrsblühende Pflanzen wie Narzissen, Traubenhyazinthen und Schlehen locken die Tiere schon frühzeitig in den Garten. Später machen blühende Kräuter und Gewürzpflanzen wie Kümmel, Beifuss, Liebstöckel und Fenchel sowie einjährige Blütenpflanzen wie Ringelblume, Bienenfreund oder Schmuckkörbchen Ihren Garten für Nützlinge attraktiv.

Doch die Nützlinge allein können nicht die ganze «Schädlingsabwehr» übernehmen. Um den Garten vor Kohlfliegen, Rüeblifliegen, Kohlweissling, Blattläusen und vielen anderen lästigen Störenfrieden zu schützen, sind Gemüsenetze und -vliese, wenn man sie sofort nach dem Auspflanzen über die Pflanzen legt oder sie über Tunnelgestelle spannt, eine gute Sache. Seitlich und an den Enden müssen sie gut abschliessen. Man kann zum Beispiel mit Erde befüllte Säckchen auf die Ränder stellen, um das Eindringen der Schädlinge zu verhindern. Die Netz- und Vliesmaterialien sind leicht und ausreichend wasserund luftdurchlässig, so- dass sie bis zur Ernte auf dem Beet bleiben können.

Die Voraussetzung für einen guten Obstertrag ist eine Befruchtung der Blüten. Für die Bestäubung der meisten Kern- und Steinobstarten sorgen vor allem Hummeln und Bienen. Sie benötigen den Pollen einer anderen Sorte der gleichen Art zu ihrer Befruchtung. Die meisten Beerenobstarten können sich selbst befruchten. Findet dennoch eine Fremdbefruchtung wie bei Apfel- oder Kirschbäumen statt, fällt der Ertrag höher aus. Eine Befruchtung durch eine andere Sorte ist nur möglich, wenn im eigenen Garten oder in der Nachtbarschaft im Umkreis von etwa 500 Metern entsprechende Befruchtersorten vorhanden sind, die zur gleichen Zeit blühen.

Beeren setzen. Wenn Sie im Herbst keine Himbeeren, Heidelbeeren oder Johannisbeeren setzen konnten, haben Sie jetzt im April die Möglichkeit, dies nachzuholen. Die Ernte wird allerdings nicht so ertragreich ausfallen. Im nächsten Jahr dürfen Sie aber mit dem vollen Ertrag rechnen. Wenn Sie Erdbeeren in Ihrem Garten pflanzen wollen, dies aber noch nicht getan haben, wird es jetzt Zeit. Kaufen Sie kräftige Erdbeerpflanzen im Fachhandel oder auf dem Wochenmarkt.

Bevor die ersten Pflanzen in den Garten gesetzt werden, müssen die Beete vorbereitet werden. Zuerst sollten alle Unkräuter vollständig entfernt werden. Danach wird der Boden mit der Hacke gelockert. Anschliessend wird gut verrotteter Kompost ausgebracht. Grober, nicht vollständig verrotteter Kompost würde Gerbstoffe abgeben, die das Wachstum junger Keime und Pflanzen verlangsamen oder sogar verhindern könnten. Weiterer Dünger sollte nur sehr sparsam eingesetzt werden. Zu viel Dünger in der Anpflanzphase kann sich negativ auswirken. Wir arbeiten seit Jahren nur noch mit reifem Kompost, Gründüngungen und Pflanzenauszügen aus Beinwell und Brennnessel zur Stärkung der Pflanzen und sparen so viel Zeit und Geld.

Staudenzeit. Der April ist auch eine gute Pflanzzeit für Stauden wie beispielsweise Rhododendren. Bevor Sie die Stauden in das vorbereitete Beet pflanzen, stellen Sie diese mit dem Wurzelballen etwa 30 Minuten in Wasser. Nach der Wässerung wird die Staude so eingepflanzt, dass der Wurzelballen mit der Erdoberfläche abschliesst. Ideal ist eine Zugabe von Kompost und Hornspänen. Ältere Stauden können geteilt werden. Dies fördert das Wachstum und dient der Vermehrung von Stauden. Die gewonnenen Teile werden separat wieder eingepflanzt.

Gartenarbeiten im April
• Alle Geräte vor dem ersten Einsatz überprüfen. Sind diese noch funktionstüchtig?
• Entfernen der letzten Winterabdeckungen und Beete aufräumen. Haben Sie Ihre Pflanzen im Herbst mit einer Mulchschicht oder Laubschicht vor dem Frost geschützt, dann sollten Sie diese Schicht nun entfernen. Erwärmt die Frühlingssonne die Beete, dann würde sie durch diese Schicht nicht sehr weit vordringen können.
• Frühblühende Sträucher zurückschneiden und Jungtriebe von Kletterern anbinden.
• Mitte/Ende April beginnt die Rasenmähsaison: Sie können im April also ruhig schon einmal den Rasen mähen. Laub, das noch vom Herbst oder Winter auf den Rasenflächen liegt, wird dabei gleich noch mit aufgenommen und gehäckselt. Das ist ein guter Dünger. Anlegen von neuem Rasen. Kahle Stellen auffüllen und den alten Rasen belüften. Es ist wichtig, dass Sie den Rasen nicht zu spät aussäen. Grosse Hitze kann ihn nämlich im Wachstum beeinträchtigen. Regelmässig wässern.
• Auf Brachflächen Gründüngerpflanzen wie Senf, Leguminosen, Bienenweidesäen, überwinterte Gründüngerpflanzen in den Boden einarbeiten.
• Gemüse wie Salat, Blumenkohl, Kohlrabi, Bleichsellerie und Knollenfenchel unter Glas oder Folie aussäen.
Machen Sie sich am besten einen Mischkulturplan für Ihr Gemüsebeet.
• Die Zwiebeln der Herbstblüher kommen jetzt in die Erde. Die Zwiebeln sollten dabei doppelt so tief in die Erde gelegt wer den, wie sie dick sind. Achten Sie beim Pflanzen darauf, dass Sie die Zwiebeln richtig herum in die Erde stecken. Meist ist nämlich nur durch die kleinen Wurzeln erkennbar, wo bei den Zwiebeln oben und unten ist. Bedecken Sie die Blumenzwiebeln an - schliessend am besten mit humusreicher Erde.
• Wenn Sie frühzeitig in den Genuss frischer Kräuter kommen wollen, wie beispielsweise Melisse, Estragon, Thymian, Majoran und Basilikum, dann sollten Sie diese seit dem März vorziehen. Auch können jetzt Rotkohl, Chinakohl und Blumenkohl in Töpfen auf der Fensterbank vorgezogen werden. Nach dem letzten Frost, werden die Setzlinge dann im Mai ins Freiland umgesetzt. Manche Blumenkohlsorten können aber auch schon im April direkt ins Freiland gesät werden. Ab Mitte des Monats kann man damit beginnen, Fenchel auf der Fensterbank vorzuziehen. Die vorgezogenen Pflänzchen  werden dann Mitte Juni ins Freiland gesetzt. Ab Mitte April Zucchini vorsähen oder ab Mitte Mai direkt ins Freiland säen. Ende April kann damit begonnen werden Gurken vorzuziehen.

Oh Rhabarber! Der Rhabarber ist eine der ersten Pflanzen, die wir ernten können. Die Erntezeit dauert von April bis Juni. Viele Gärtner schneiden bei der Ernte die Rhabarberstiele einfach an den Enden ab. Dadurch riskiert man, dass die Schnittstellen faulen und so die Wurzel schädigen. Die richtige Methode zur Ernte von Rhabarber ist das Herausdrehen aus dem Wurzelstock. Rhabarberblätter können auf den Kompost gegeben oder zum Abdecken von Flächen verwendet werden, die erst in einigen Wochen bepflanzt werden. Dadurch wird das Wachstum von Unkräutern verlangsamt. Die Blätter verrotten nach einiger Zeit und geben dem Boden wichtige Nährstoffe zurück. Nährstoffe gibt es auch für uns: Rhabarber hat einen hohen Gehalt an Kalium und dieses fördert den Nährstofftransport in die Zellen. Zudem hat Rhabarber auch eine blutreinigende Wirkung. Der Rhabarber ist also wie geschaffen, um den Körper im Frühling wieder auf Vordermann zu bringen. Für mich sind die Stangen aber vor allem einfach ein kulinarischer Genuss: Wie freue ich mich, endlich wieder eine saftige, frisch gebackene Rhabarber-Wähe geniessen zu können.

Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.



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