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Konsum oder Verzicht?

Kategorie: Leben
 Ausgabe 4 - 2009 - 01.04.2009

Text:  ajo

Ob sich mit umwelt- und sozialverträglichem Konsum die anstehenden Umweltprobleme lösen lassen, war kürzlich Gegenstand einer Tagung in Solothurn.

Ob der Lifestyle of health and sustainability (Lohas), der auf Gesundheit und Nachhaltigkeit bedachte Lebensstil, das Konsummodell der Zukunft ist oder vor allem eine hohle Marketingstrategie darstellt, darüber scheiden sich im Moment die Geister. Auf jeden Fall versuchen immer mehr Firmen mit mehr oder weniger umwelt- und sozialverträglichen Produkten, ein kaufkräftiges Publikum für sich zu gewinnen. Eine von der Stiftung «Praktischer Umweltschutz Schweiz» (Pusch) kürzlich in Solothurn durchgeführte Tagung stellte die Chancen und Grenzen des grünen und fairen Konsums zur allgemeinen Diskussion.

Für Peter Unfried von der linken deutschen «Tageszeitung» steht dabei fest, dass der Lohas der zukünftige Lebensstil sein muss. Wichtig seien öffentliche Identifikationsfiguren wie Al Gore oder der Schauspieler Leonardo DiCaprio, die das Neue vorlebten und symbolisierten. Unfried erhofft sich eine neue Klima- und Konsumkultur innerhalb der stilbildenden Mittelschicht, deren verändertes Konsumverhalten sich auf die Wirtschaft und Märkte niederschlägt.

Laut Josef Känzig vom Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen gilt es für einen ressourcenschonenden Konsum die richtigen Prioritäten zu setzen. Mit verbesserter Gebäudeisolation, niedrigerer Raumtemperatur, energieeffizienten Haushaltsgeräten, einer vermehrten Nutzung des öffentlichen Verkehrs und von Carsharing, der Bevorzugung von Bahn- anstelle von Flugreisen, einem vermehrten Einsatz von Windenergie, einem längeren Gebrauch von Konsumgütern und der Reduktion des Fleischkonsums liessen sich bis zu 30 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs einsparen, so Känzig.

«Mit dem grünen Lifestyle ist die Welt nicht wesentlich ökologischer geworden», betonte Umweltjournalist Hanspeter Guggenbühl. Das als unabdingbar angesehene Wirtschaftswachstum und der steigende Konsum frässen Effizienzfortschritte grüner Produkte vorzu wieder auf. «Ein effektiver Konsum schont die Umwelt weit mehr, als grüner Mehrkonsum», sagte er.

Für Felix Meier, Leiter des Bereichs Konsum und Umwelt beim WWF, stehen Wachstum und Ökologie dagegen nicht unbedingt in einem Widerspruch. Laut Studie lassen sich die Klimaziele, bis 2035 eine Reduktion des CO2-Ausstosses von 60 Prozent gegenüber 2001 zu erreichen, auch mit einem moderaten Wirtschaftswachstum von jährlich einem Prozent realisieren. Gemäss der Studie soll dies vor allem über technologischen Fortschritt, Effizienzsteigerung und Ersetzen nicht nachhaltiger Energieformen und ohne grossen Verzicht möglich sein.

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