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Gnadenbrot

Kategorie: Leben
 Ausgabe 4 - 2009 - 01.04.2009

Text:  Omkari Esther Zingrich

Schlecht behandelten, verwaisten und «ausrangierten» Tieren einen Platz im Alter bieten, wo sie in Frieden leben dürfen, das wollen Tiergnadenhöfe. Davon profitieren zwar ein paar Pferde, Schweine und Esel. Doch der Mehrheit der Nutztiere bleibt dies verwehrt.

Tierschutz entsteht aus dem Bedürfnis, das Tier ebenso wie den Menschen vor Gewalt und fehlendem Respekt zu schützen. Schon vor 50 Jahren motivierte dieser Respekt gegenüber Tieren Hans Schwarz zur Gründung des Pferdealtersheims Le Roselet. Seit den 1990er-Jahren sind weitere Tiergnadenhöfe entstanden, die Tiernotfällen eine Bleibe und Zuwendung bieten möchten. Monika Spoerlé hat beispielsweise vor 14 Jahren den Tierlignadenhof in Kaisten AG ins Leben gerufen, Ruth Maurer initiierte 1999 die Stiftung Samana Wasi in Rüti bei Büren BE und Claudia Steiger gründete zusammen mit Christof Zimmerli 2002 die Stiftung Tiere in Not – Animal Help (Stinah) in Zürich. Alle geben ihren ganzen Einsatz für ein ehrenamtliches Lebenswerk. Beim Besuch auf den drei Bauernhöfen tönt es überall gleich: zum einen fast täglich Anfragen wegen misshandelter, nicht mehr gewollter oder kranker Tiere, zum anderen viel Arbeit für die Betreuung und den Unterhalt der aufgenommenen Tiere.

Ein Leben für die Tiere

Seit 14 Jahren lebt Spoerlé mit über 100 Tieren: vom Goldfisch, von Füchsen, einem Reh, Schweinen bis zu Schafen und Pferden. Im von Grün und Blumen umrahmten Tierparadies schnattern Gänse und Enten, gackern Hühner und zwitschern Vögel. Die umtriebige und standfeste Freidenkerin hat hier ihre Vision verwirklicht: einen Ort, wo Tiere Zuwendung finden und Menschen über die Tiere zu mehr Menschlichkeit erwachen sollen. Die beherzte Tierfreundin ist erleichtert, dass das Unternehmen inzwischen in eine Stiftung umgewandelt wurde. Was sie jetzt noch sucht, sind Menschen, die sich auf dem Hof engagieren möchten.

Die Gleichgültigkeit aufbrechen

Die Unverbindlichkeit des freiwilligen Helfens haben auch Claudia Steiger und ihr Partner Christof Zimmerli kennen gelernt. «Freiwillige Helfer sind wertvoll, aber leider mangels Verpflichtung keine verlässliche Basis fürs Mittun», ist von ihnen zu hören. Die Initianten der Stinah, beide Juristen, arbeiten Vollzeit, um das Tierheim, das sie neben ihrer juristischen und politischen Tierschutzarbeit betreiben, finanzieren zu können. Ende Juni zog das Paar von Buch am Irchel ZH nach Trasadingen SH auf einen grösseren Hof, wo derzeit ein Aktivstall für 35 Pferde, einige Schafe und ein Refugium für Hühner entstehen. Das Paar sucht nun eine bezahlte Teilzeitarbeitskraft.

Wenig Bewusstsein bei den Sportverbänden

Für Claudia Steiger und Christof Zimmerli bedeutet Tierschutz nicht, zu Vereinstreffs zusammenzukommen und über Missstände zu lamentieren. Für die beiden gehört die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun dazu. «Nach gewissen Erfolgen hinsichtlich Haltungsverbesserungen muss nun vermehrt auch die Nutzung und Ausbildung der Tiere ins Zentrum des Augenmerks gestellt werden», sagt Steiger. «Die Nutzung ist für das Wohl der sensiblen, gutmütigen Pferde ein Risiko. Leider sind sich die Sportverbände ihrer Pflichten in diesem Zusammenhang noch zu wenig bewusst.»

Durch Liebe gesunden

Das sind Gedanken, die sich auch Ruth Maurer von der Stiftung Samana Wasi macht. Über Ihre Schützlinge, das sind im Moment zwölf Tiere – Schafe, Esel und Pferde -, sagt die Tierheilerin und Bäuerin: Man muss sich bewusst sein, dass es manchmal Monate braucht, bis das Vertrauen des Tieres in den Menschen wieder aufgebaut ist. Nach einer Ausbildung für spirituelles Heilen und der eigenen Tätigkeit als Tierheilerin war für sie völlig klar, dass Mensch und Tier durch Liebe gesunden. Die gebürtige Bernerin erzählt, wie sie in vielen Begegnungen Mitgefühl für ein krankes Tier empfunden, es voller Liebe umarmt und für Heilung gebetet hätte. «Die Besitzer staunten dann, als es diesen Tieren plötzlich wieder gut ging.»

Adressen
• Stinah (Stiftung Tiere in Not – Animal Help), Zürich, Hof in Trasadingen SH, www.stinah.ch, Claudia Steiger und Christof Zimmerli, 079 621 99 76, 079 416 01 72
• Samana Wasi Stiftung für Tiere in Not, 032 353 77 30 www.samanawasi.ch, Ruth Maurer, Rüti b. Büren BE
• Stiftung Tierlignadenhof, Kaisten AG www.tierlignadenhof.ch, 062 874 24 70
• Fondation p. le Cheval, Le Roselet, Les Breuleux JU, Altersheim für Pferde, www.philippos.ch, 032 959 18 90
• New Graceland, Evelyne Bader, Bilten GL Für Renngreyhounds und Galgos www.newgraceland.ch, 055 615 36 67
• Esel in Not, Eselhof Aline, Feldbach ZH, 055 244 15 25

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