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Die vielen Wege zur Gelassenheit

Kategorie: Leben
 Ausgabe_12/01_14/15 - 01.12.2014

Text:  Lioba Schneemann

Es gibt Tage, da scheints schief zu laufen. In solchen Momenten ist es heilsam, zurückzulehnen und sich bewusst zu werden, dass es allen gleich geht.

Wenn wir einen schlechten Tag haben oder ärgerlich sind, denken wir rasch einmal, dass es nur uns so geht – alle anderen sind glücklich und zufrieden! Wir haben die Neigung, in solchen Situationen alles aus einer selbstbezogenen Sicht zu sehen. Oft gesellt sich mitunter noch eine Portion Scham hinzu, so, als wären wir alleine dafür verantwortlich. Selbstkritisch denken wir, dass das Unglück ein Zeichen unserer persönlichen Schwäche und nicht einfach eine Realität des Menschseins ist. Manche perfektionieren dies noch weiter, indem sie sich in Selbstkritik suhlen, so, als hätten sie es verdient, dass es ihnen schlecht geht. Diese Denkmuster machen jedoch alles noch schlimmer. Zu allem Unglück führen sie auch direkt in die Isolation: Wir stecken dann mittendrin im Gefühl des Getrenntseins von anderen und der Welt.

In solchen Situationen hilft es, sich darüber klar zu werden, dass alles, was geschieht, in Wirklichkeit das Resultat eines komplexen Gefüges von Ursachen ist. Nichts geschieht isoliert von anderen Dingen oder unseren Mitmenschen, schon gar nicht ausschliesslich durch «mich» und «meinen Fehler». Wir sind alle miteinander verbunden. Anderen geht es so wie uns. Bei näherem Hinsehen merken wir: Andere machen das Gleiche durch wie wir. Alles beeinflusst sich gegenseitig – wenn auch nicht immer voll und ganz, aber zu einem grossen Teil. Vor diesem Hintergrund sieht die Welt rasch rosiger aus. Die Erkenntnis der gemeinsamen Erfahrung erlöst uns vom Gefühl des Getrenntseins und der Einsamkeit.

Die Sicht erweitern

Wenn wir es schaffen, uns neben dem Gefühl der Verbundenheit mit aufrichtiger Selbstliebe und Wertschätzung zu begegnen, haben wir weitere wertvolle Ressourcen zur Hand. Ein Mensch, der Liebe für sich selbst empfindet, reagiert auf Fehlschläge warmherzig und verständnisvoll, anstatt mit Härte und Kritik. Hier schliesst sich auch der Kreis wieder, denn je freundlicher wir mit uns selbst umgehen, desto näher fühlen wir uns dem Rest der Welt.

Die Praxis der Achtsamkeit hilft uns dabei. Achtsamkeit ist offenes Gewahrsein, das uns befähigt, schmerzhafte Gedanken und Gefühle zu erkennen. Wir lernen, uns mit mehr Gleichmut und einer Portion Gelassenheit anzunehmen. Denn Schmerz verengt die Wahrnehmung, während achtsames Gewahrsein die Sicht erweitert. Und indem wir in uns hineinlauschen, erkennen wir eher, wann wir uns in unserer Unzulänglichkeit und unserem Schmerz isolieren und ob wir einmal mehr im automatischen Modus reagieren.

Lioba Schneemann zeigt Menschen, wie sie sich entspannen und achtsamer leben können. Sie gibt Kurse in Liestal und Umgebung. www.schneemannentspannt.ch



Mit der Praxis des Selbstmitgefühls fügen wir unserem Verhaltensrepertoire etwas hinzu, das bereits in uns wohnt. Denn jeder von uns hegt ganz natürlich den Wunsch, glücklich und zufrieden zu sein. Jeder Mensch möchte ohne Leiden und in Leichtigkeit leben. Der Wunsch nach Glück ist die natürlichste Sache der Welt.

Buchtipp
Jan Chozen Bays: «Achtsam durch den Tag», 53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit, Windpferd Verlag

foto: zvg,  Christian Schnettelker / flickr / cc

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