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Seitensprünge: Dangerous Liaisons

Kategorie: Leben
 Ausgabe_06_2014 - 01.06.2014

Text:  Gabriela Vetter

Ein Seitensprung kann krank machen und führt meist zum Aus einer Beziehung. Was macht uns denn zu Fremdgängern?

Sind Sie schon beim Wort «fremdgehen» verstimmt? Empört es Sie, weil Ihr Partner es tut? Oder tun Sie es selbst und leiden unter Ihrem «bösen» Geheimnis? Womöglich betrifft Sie die Thematik nicht persönlich, aber Sie wissen von anderen Menschen, dass Fremdgehen meist verbunden ist mit einem zermürbenden, latenten Schmerz. Das Ausbrechen aus einer Beziehung ist oft verbunden mit Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, die krank machen können, wenn man sich nicht mit ihren eigentlichen Ursachen auseinandersetzt. Unter «Fremdgehen» versteht man allgemein einen Zustand der Treulosigkeit gegenüber einem Partner, einer Partnerin. Meist ist es aber so, dass Fremdgehen mit einer Treulosigkeit sich selbst gegenüber zu tun hat.

Von Illusion zu Illusion

Dieses Fremdgehen sich selbst spiegelt sich unmittelbar in der Partnerschaft. Wie die Beziehung zu sich selbst nicht regelmässig gepflegt wird, wird die regelmässige Pflege der Partnerschaft vernachlässigt. Aus der Liebesbeziehung wird eine blosse Zweckgemeinschaft. Man gewöhnt sich daran, nebeneinander zu funktionieren, ohne sich selbst und den Partner zu spüren, geschweige denn sich gegenseitig Lichtpunkt im Alltagsgrau zu sein. Oft wird auch die eigene Unlust auf den Partner übertragen, ohne dass man sich dessen bewusst ist.

Primär geht es also um eine Krise mit sich selbst. Begeisterte Gefühle für das geliebte Du verblassen mehr und mehr. Was aber bleibt, ist die Sehnsucht nach Liebe, Wärme, Geborgenheit. Und «zufällig» stösst man auf ein Gegenüber, von dem man zutiefst glaubt, es könne das Manko ausfüllen. Man spürt wieder Leben in sich und «Schmetterlinge im Bauch». Und schon rennt man der nächsten Illusion hinterher und landet mitunter mit einem Fremden im Bett.

Fremdbestimmtheit, Oberflächlichkeit, Schnelllebigkeit und Kurzsichtigkeit sind Zustände, die zunehmend den Alltag vieler Menschen bestimmen. Sie sind sich nicht gewohnt, die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen. Die Nähe zu sich selbst und das bewusste Erleben sind verloren gegangen oder kein Thema. Man ist sich selbst fremd und sucht nach Geborgenheit und Vertrautheit im Aussen.

Suche nach der Ursache

Falls Ihre Partnerschaft gescheitert ist, stellt sich die Frage, ob Sie sich auf Ihr Leiden fixieren, sei es als Verlassende oder Verlassene. Verlieren Sie sich in eine oberflächliche Beschuldigung des Partners? Oder trifft das Gegenteil zu: Sind Sie voller Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle? Oder gehören Sie zu den wenigen, die es schaffen, sich mit den tiefer liegenden Ursachen des Scheiterns auseinanderzusetzen?

Eine ehrliche Analyse ist ganz besonders dann zwingend notwendig, wenn Ihre Partnerschaften schon wiederholt gescheitert sind. Klären Sie nicht nur ab, was der Anteil des Partners am Fiasko war, sondern schauen Sie auch Ihren Anteil betreffend schonungslos in den Spiegel. Kommt Ihnen das Gefühl, sich aufgegeben und verloren zu haben, vertraut vor? Oder sind Sie jemals nach einer gescheiterten Beziehung mit einem Empfinden in die nächste Partnerschaft gegangen, nicht liebenswert zu sein? Das ist keine gute Basis.

Tiefe Ängste

Ehrlich hinterfragen müssen sich auch alleinstehende Frauen, die sich immer wieder in liierte Männer verlieben. (Das kann umgekehrt auch Männer betreffen, doch kommt dies seltener vor.) Diese Frauen müssen sich die Frage stellen, ob sie im Kern Verbindlichkeit fürchten, etwa Forderungen, die ein ungebundener Mann in Bezug auf die Wohnsituation und die Freizeitgestaltung stellen könnte.

Manchmal ist es auch schlicht die Angst, verlassen zu werden. Meiden Sie vielleicht deshalb unbewusst Konfrontationen? Was aber würde in Ihnen geschehen, wenn Sie sich zuliebe «Nein» sagen und seine Wünsche nicht erfüllen würden?

Je unbewusster die Ursache Ihrer Angst vor dem Verlassen werden bleibt, desto eher geschieht es, dass sich ein psychischer Selbstschutzmechanismus einschaltet. Dieser kann sich zum Beispiel in krampfhafter Geschäftigkeit äussern, eventuell auch, indem Sie sich zur Ablenkung mit den Problemen anderer Menschen befassen, obwohl Sie eigentlich damit nichts zu tun haben.

Was Fremdgehern gemein ist

Fremdgänger müssen Geborgenheit in erster Linie bei sich selbst finden. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass Sie aus einem inneren Unbehagen heraus, ja sogar aus einer Verlorenheit in der eigenen Haut in die tatsächliche aber scheinbare Geborgenheit eines «Du» fliehen. Wichtiger wäre es, ein natürliches Selbstwertgefühl und gesunde Eigenverantwortung zu entwickeln, um sich wohlzufühlen. Dieser gesunde Egoismus fehlt vielen Menschen, im Besonderen den allermeisten Fremdgehern.

Wenn dies nicht geschieht und die Du-Beziehung nicht regelmässig hinterfragt und gepflegt wird, dann werden Liebe und Geborgenheit vom Alltagstrott verschlungen. Und schon sind die Weichen zum Fremdgehen gestellt. Die wenigsten Verlassenen und Verlassenden sind sich dieser Wurzel für den Seitensprung bewusst. Ja kaum einer setzt sich damit überhaupt ernsthaft auseinander. Im Gegenteil, sie rennen davon – vor sich, ihrer Situation und den möglichen Konsequenzen.

Fotos: fotolia.com, thinkstock.com, waldhaeusl.com

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