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Mannsein, Mut zu partnerschaftlichen Modellen

Kategorie: Leben
 Ausgabe 10 - 2008 - 01.10.2008

Text:  Ivo Knill

Wann ist ein Mann ein Mann? Kommentar von Ivo Knill, Redaktionsleiter der «Männerzeitung».

Für das Mannsein gilt in hohem Masse, Hartmut Volks Aussage: «Es zu wagen verursacht Angst. (Es) nicht zu wagen, bedeutet, sich selbst zu verlieren.» Die männliche Antwort auf drei Jahrzehnte Emanzipation und Frauenförderung kann nicht sein, auf das Mannsein zu verzichten. Das ist nicht gut für die Männer. Und die Frauen wollen das auch nicht: Sie wollen Partner.

Schablonen im Geschlechterkampf

Wer heute in die Medien und in die öffentliche Diskussion schaut, bemerkt eine Fülle von Rastern und Denkgewohnheiten, die das Bild vom Mann prägen. Im Kino gebärden sich Männer als Muskelprotze, Helden oder Schurken. In der Tageszeitung machen sie als Gewalttäter Schlagzeilen. Unzimperlich werden sie als Karrierehengste, Weicheier, Softies und Machos etikettiert und als Problemfälle abgestempelt. Im «Gleichstellungsdiskurs» steht der Mann noch immer als Hindernis auf dem Weg zur Gleichberechtigung da.

Hinter all diesen Bildern und Schablonen mögen Wahrheiten stecken – aber sie verdecken die Einsicht, dass Männer Wesen mit Empfindung und Verstand sind und mit einer Würde, die Respekt verdient. Vielleicht war die Kampfrhetorik einmal gut, als es darum ging, die Grundfesten des Patriarchates ins Wanken zu bringen – heute sollten wir aber auch daran denken, positive Bilder zu schaffen, nur schon wenn wir an unsere Söhne denken. Ich glaube nicht, dass die gegenwärtige Tonlage Männer wirklich motiviert, mehr Lebendigkeit zu wagen. Viel eher lässt sich beobachten, wie junge Männer angesichts ihrer Verunsicherung in überholte, vermeintlich sichere Geschlechterbilder flüchten und ihre Sensibilität mit viel Coolness und Autos mit grossem Auspuff überdecken.

«Emanzipation ist Männersache»

Die Männerzeitung berichtet unter diesem Titel in ihrer aktuellen Nummer über Männer, die sich für Männer stark machen. Sie berichtet über Väterorganisationen,  Bubenarbeit, über Scheidungsväter und ihre Anliegen. Sie zeigt Männer, die den Ausbruch aus dem tradierten Rollenkorsett wagen, das nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer zu eng geworden ist. Sie berichten darüber, wie sich Männer gegen Gewalt von Männern einsetzen und Auswüchse des männlichen Lebensstils kritisch hinterfragen. Fazit: Es ist Zeit, dass sich Männer positiv und selbstbewusst in den Prozess der Gleichstellung einschalten.

Partnerschaftliche Gesellschaft

Steht nun eine Offensive gegen den Feminismus an? Nein. Wir werden den Weg in eine partnerschaftliche Gesellschaft machen können, wenn es uns gelingt, die Schablonen der Geschlechter hinter uns zu lassen. Dazu braucht es Männer, die Ja zur Gleichstellung sagen, die aber auch bereit sind, sich von alten Denkschablonen zu befreien und neue männliche Anliegen für den Weg dahin zu formulieren. Wenn Männer als Väter aktiv sein sollen, dann brauchen sie flexible Arbeitszeiten, flexible Karrieremodelle und eine Familienpolitik, die sie aus der Ernährerfalle befreit, indem sie den ökonomischen Druck auf die Familie reduziert.

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Autor
Ivo Knill ist 44 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Töchter. Er ist Alltagsvater, Historiker, Berufsschullehrer und Redaktionsleiter der 2001 gegründeten «Männerzeitung», die sich mit fundierten Reportagen und Hintergrundberichten für die Anliegen moderner und an einer partnerschaftlichen Gleichstellung interessierten Männer einsetzt.

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