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Eine saubere Sache

Kategorie: Leben
 Ausgabe 4 - 2008 - 01.04.2008

Text:  Heinz Knieriemen

Ob beim Frühlingsputz oder beim Haushalten allgemein, es gibt Alternativen zur von der Werbung gepriesenen Reinigungsarmada: Seife, Soda, Essig, Alkohol.

Hierzulande werden jährlich und pro Person mehr als zehn Kilogramm Reinigungsmittel verbraucht. Für die gesamte Schweiz sind das etwa 60 000 Tonnen. Die clevere und rührige Putzmittelindustrie suggeriert uns, dass jede Oberfläche ein anderes Mittel benötigt: Fenster, Fussböden, Toilettenschüsseln,
Küchenabdeckungen, Kacheln in der Dusche, Herdplatten, Backöfen, Badewannen. Kraftvoll und am besten selbst- reinigend müssen die Mittel der Wahl sein. Vollwaschmittel entfernen Schmutz, bekämpfen Flecken, bleichen, setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab, enthärten, verhindern das Wiederabsetzen der gelösten Verschmutzungen, hellen optisch auf und verbreiten Wohlgeruch aus der Retorte.

Doch die schöne neue Welt des Putzens und Waschens hat auch ihre Schatten-seiten. All die wohlgemeinten Haushaltshelfer finden wir nicht deswegen in nahezu jedem Haushalt, weil sie grundsätzlich sinnvoll, umweltfreundlich und hilfreich sind, sondern weil es der Werbung gelingt, Faktoren wie Zeitersparnis, das strahlende Weiss oder die klinische Reinheit überzeugend anzupreisen. Man weiss ja nie, wohin sich Viren, Bakterien und Hausstaubmilben verirren...

Seife – der Grundbaustein

Obwohl in den letzten Jahren vor allem durch den Druck des Gesetzgebers Fortschritte im Bereich der Wasch- und Reinigungsmittel gemacht wurden, bilden diese für die Natur immer noch die grösste Belastung aus dem Haushalt. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass eine Vielzahl von Chemikalien und Zusätzen, selbst wenn sie als biologisch abbaubar deklariert werden, gesund- heitliche oder für die Umwelt Probleme schafft. So ist es nicht verwunderlich, dass für viele Menschen die altbewährten Hausmittel der Eltern und Grosseltern wieder an Bedeutung gewinnen.

Es geht dabei nicht darum, alles grundsätz- lich in Frage zu stellen. Wichtig ist es, den ersten Schritt mit Überzeugung und auch einer gewissen Beharrlichkeit zu tun. Seife, Essig, Soda, Natron, Borax, Marseiller Seife, Pottasche, Gallseife, Putzsprit und Co. freuen sich darauf, Ihnen einen Dienst zu erweisen. Und die Umwelt und ihre Bewohner und letztlich auch die Haut freuen sich mit. Wir wollen hier zeigen, wie sich all die zu einer schonenden Reinigung notwendigen Kompo-nenten kombinieren lassen. Dies ergibt ein überblickbares Reinigungskonzept, das allen Anforderungen gerecht wird. Beginnen wir mit dem wichtigsten Baustein, der Seife.

Jeder Mensch weiss, was Seife ist und wie sie wirkt. Sie wird aus natürlichen Rohstoffen gewonnen und ihr Abbau bis zur Mineralisation ist für die Umwelt problemlos. Seifen werden aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt. Als Rohstoffe dienen hauptsächlich Kokosfett, Olivenöl, Palmöl oder Knochenfett, die bei der Tierverwertung anfallen. Selbstverständlich spielen die Auswahl von Ölen und Fetten sowie weitere Zusätze eine entscheidende Rolle für die Qualität, ob nun zum Wäschewaschen oder zur Körperpflege.

Doch Vorsicht: Der Begriff Seife wird auch für Produkte verwendet, die nur künstliche Waschsubstanzen enthalten. Diese sogenannten Neutralseifen, auch
als Syndets bezeichnet, stellen mit ihren synthetischen Tensiden eine Irreführung dar. Ein einfacher Test kann diese entlarven: etwas Seife und Neutralseife jeweils in einem Schälchen mit warmem Wasser auflösen, bis es schäumt. Etwas Essig dazugeben. Bei echter Seife hört die Lösung auf zu schäumen, Syndets schäumen dagegen weiter.

 

Wo bekomme ich ökologische Wasch- und Reinigungsmittel?
Die ökologischen Wasch- und Reinigungsmittel sind in Drogerien, Reformhäusern, Bio- und Weltläden, aber auch in Grossverteilern erhältlich. Es ist wichtig, die Zutatenlisten genau anzuschauen. Vor allem Allzweckreiniger segeln häufig unter einem Öko-Label, enthalten jedoch wie konventionelle Mittel synthetische Tenside, Konservierungsmittel, Farb- und Duftstoffe. Bei Ethanol (Putzalkohol) ist die Färbung vorgeschrieben, damit eine deutliche Unterscheidung zu Trinkalkohol gegeben ist.

 

Gib ihm Soda oder Saures

Die nachfolgenden Mittel, die Wasser ent- härten, Kalk ausfällen oder von Oberflächen entfernen, Fette lösen und rückfettend wirken, ergänzen und vervollständigen das auf Seife beruhende Reinigungskonzept. Seife bietet nicht nur Vorteile, sondern als abgebaute Kalkseife macht sie sich beim Waschen unangenehm bemerkbar. Und da kommt Soda (Natriumkarbonat) ins Spiel. Soda kommt natürlich in verschiedenen Seen der USA, Kanadas und Ostafrikas vor. Der Name Soda stammt vom lateinischen Wort für hart oder fest, solidus, ab. Soda bildet die Grundlage vieler industrieller Prozesse und wird z. B. bei der Glasherstellung eingesetzt.

In unserem Zusammenhang ist sie jedoch vor allem als Wasserenthärtungsmittel wichtig. Wenn wir etwas Soda in ein Gefäss mit warmem hartem Wasser geben, setzt sich nach einiger Zeit am Boden der ausgefällte Kalk ab. Nun ist das Wasser enthärtet und beim Waschen bildet sich keine Kalkseife mehr. Aber aufgepasst: Beim Umgang mit Soda ist Vorsicht geboten, da sie auf Augen und Schleimhäute ätzend wirkt. Holzasche besteht zu einem grossen Teil aus Pottasche (Kalium-karbonat). In Wasser gelöst hat sie ähnliche Eigenschaften wie Soda. Asche bildet zusammen mit Fettsäuren die älteste Seifengrundlage.

Während Soda den Kalk im Wasser ausfällt, wird Essig beim Putzen zur Kalk-entfernung eingesetzt. Essig entsteht entweder durch bakterielle Oxidation des Alkohols vergorener Fruchtsäfte oder durch Oxidation von Ethanol. Essig besteht meist zu rund fünf Prozent aus Essigsäure, die sich in der Umwelt problemlos vollständig abbaut. Durch Essig oder verdünnte Essigsäure wird der Kalk aufge- löst, in Kalziumacetat übergeführt und kann dann abgespült werden. Bei der Wäsche wie auch beim Haarwaschen erfüllt Essig eine andere Funktion: Er zersetzt die Kalkseife in Fettsäuren und Kalziumacetat. Die Fettsäuren wirken beim Waschen für das Gewebe und fürs Haar rückfettend. Auch Zitronensäure kann der Kalkentfernung dienen. Sie hat den Vorteil, dass sie geruchsfrei ist.

Alkohol mit der chemischen Bezeichnung Ethanol oder Ethylalkohol kann im Gegensatz zu Wasser Fette lösen und wirkt antibakteriell. Auch Ethanol wird vollständig abgebaut. Mit diesen wenigen natürlichen Komponenten lässt sich der Haushalt auf Vordermann bringen. Vermieden werden synthetische Wasch- und Reinigungsrohstoffe wie Tenside (siehe Kasten), optische Aufheller, Phosphate, WC-Duftverbesserer, synthetische Farben, Desinfektions- und Konservierungs-mittel, bedingt akzeptabel sind die Seifentenside. Ätherische Öle von Lavendel, Orangenblüten, Thymian, Rosmarin, Eukalyptus, Pfefferminze und Zitrone hingegen duften und beleben nicht nur, sondern konservieren auch sanft. Der eigenen Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

 

Tenside: Die chemischen Heinzelmännchen
Tenside sind die eigentlichen Heinzelmännchen der Waschmittel- und Kosmetik- industrie. Als waschaktive Substanzen setzen sie die Oberflächenspannung von Wasser herab und erhöhen dessen Schmutzlösevermögen erheblich. Sie können auch wasserunlösliche, fetthaltige Verschmutzungen lösen. Tenside sind daher für die Reinigungswirkung verantwortlich, werden aber auch als Lösungsmittel oder Emulgatoren eingesetzt. Sie stabilisieren oder reduzieren die Schaumbil-dung und neutralisieren die Härtebildner des Wassers. Sie enthalten fettfreundliche  sowie wasserfreundliche Gruppen und ermöglichen so zusammen mit Wasser  eine Reinigung von Haut, Haaren und Wäsche. Seifen, Shampoos, Pflege-spülungen, Waschlotionen, Zahnpasten und alle Formen von Reinigungsmitteln kommen ohne sie nicht aus. Tenside werden in ihrer Wirkung auf die Gesund-heit und Natur kritisch beurteilt. Seit 1980 müssen sie deshalb mindestens zu 80 Prozent biologisch abbaubar sein. Dabei wird aber nur der Verlust der oberflächen-aktiven Wirkung gemessen. Welche Spalt- und Abbauprodukte dabei entstehen und wie lange diese für ihren Abbau benötigen, wird nicht berücksichtigt. Tenside sind säureunempfindlich. Sie werden daher im Gegensatz zu Seife nicht sofort im Magen unschädlich gemacht. So besteht die Gefahr, dass sie in den Darm gelangen und unsere Gesundheit gefährden. Beim Abwaschen mit tensid-haltigen Mitteln ist es deshalb wichtig, das Geschirr mit Wasser nachzu-spülen, um die Tenside vom Geschirr zu entfernen.

Tenside lassen sich in vier verschiedene Gruppen einteilen:
• Anionische Tenside haben die grösste Waschkraft, bilden also vor allem die waschaktiven Substanzen.
• Kationische Tenside werden vor allem als sogenannte Konditionierer eingesetzt. Das ist vor allem bei Shampoos für trockene Haare wichtig, da sie eine elektrostatische Aufladung der Haare verhindern.
• Amphomere Tenside haben vor allem haarpflegende Wirkungen.
• Nichtionische Tenside unterstützen die Waschkraft, werden als Emulgatoren, Schaumstabilisatoren oder zur Verdickung von Shampoos eingesetzt. Zu dieser Gruppe gehören sowohl die stark irritierenden Natriumaurylsulfate, aber auch solche auf der Basis nachwachsender Rohstoffe wie Saccharose, Glukose und Stärke.

 

Von sauber bis blitzblank

Auf dem nachfolgenden Rundgang durch den umweltbewussten Haushalt kommt das schonende Reinigungskonzept nun zur Anwendung:

Waschen von Hand oder in der Maschine: Pflanzenseifenflocken nach Angaben in heissem Wasser auflösen. Das Wasser mit Soda oder unter Zugabe eines geeigneten umweltverträglichen Wäsche-spülers ins Weichspülerfach auf den Härte- grad von 10° fH enthärten. Bei starken Flecken die Wäsche mit Gallseife vorbehandeln.

Putzen: Schmierseife, also eine reine Kaliseife ohne Zusätze, ist ein universelles umweltfreundliches Reinigungsmittel. Ins heisse Putzwasser Soda geben (1 EL auf 3 Liter Wasser), einige Minuten warten und dann Schmierseife zugeben. Mit etwas Essig oder Zitronensäure ergibt sich ein Allzweckreiniger, der am besten in eine Sprühflasche abgefüllt wird. Die Dosierungen müssen individuell erprobt werden. Glänzende Oberflächen wie Kacheln mit Schmierseife abwaschen und mit Essigwasser nachwischen. Kalkablagerungen in Dusche, Lavabo und Bade- wanne mit Essig abreiben, mit kaltem Wasser nachspülen. Stark verkalkte Armaturen in ein Essigtuch einwickeln und über Nacht einwirken lassen.

WC-Schüssel: Mit Putzpulver und WC-Besen bürsten. Putzpulver von Sonett beispielsweise enthält Soda, Bimsmehl, Bentonit, ätherische Öle aber keine Tenside. Bei hartnäckigen Ablagerungen 10-prozentige Essigsäure einwirken lassen. Ein guter WC-Reiniger ist zudem Coca-Cola, da die aggressive Ortho-phosphorsäure (E 338) auch mit hartnäckigen Rückständen fertig wird.

Backofen: Nach jedem Gebrauch mit Putzpulver und etwas Schmierseife mit einem Scheuerschwamm ausreiben.

Scheiben und Spiegel: In eine Sprühflasche zu gleichen Teilen Wasser und Brennsprit mit wenig Schmierseife einfüllen. Scheiben besprühen, mit einem Abstreifer trocknen und Schlieren mit einem Tuch nachreiben.

 

Backpulver für weiche Fensterleder

Putzarbeit lässt sich auf schonende Art und Weise weiter optimieren. Hier eine Auswahl bewährter Methoden:

Gallseife enthält die gleichen waschaktiven Substanzen wie Kernseife, zusätz-lich aber noch ein Enzym der Rindergalle mit spezieller Reinigungskraf als Fleckenentferner.

Borax (Natriumborat), ein Mineral, das in ausgetrockneten Salzseen oder Vulkanschloten vorkommt, macht die Wäsche weich, ohne dass Weichspüler verwendet werden muss. Borax ist mild alkalisch und kann auch zur Desinfek-tion zum Beispiel bei der WC-Reinigung, Beseitigung von Matratzen- gerüchen, Wein- und Kalkflecken verwendet werden. Es entfernt Schimmel und vertreibt auch Ameisen.

Natron (Natriumbikarbonat) ist eng verwandt mit der Soda und wird auch als Backtriebmittel oder in Brausetabletten verwendet. Dem letzten Spülwasser zugefügt, verhindert es, dass Fensterleder hart werden. Auf unangenehm riechende Teppiche gestreut und nach einiger Zeit wieder abgesaugt, wirkt Natron geruchsbindend.

Essig hilft, matte Farben wieder aufzufrischen. Auf einen Liter Wasser gebe man einen Schuss Essig, ein wenig Schmierseife und einen Schuss Spiritus. In eine Sprühflasche gefüllt, ist die Mischung ein gutes Fensterputzmittel.

Zitronensäure ist geruchsfreie und entkalkt Kaffeemaschinen.

Rhabarberblätter in Pfannen und Töpfen aufgekocht, machen diese durch die Oxalsäure wieder blitzblank.

Kastanien neben Obst gelegt vertreiben Fruchtfliegen. Sie sind auch ein guter Mottenschutz im Kleiderkasten.

Rainfarn, Steinklee, Waldmeister,Rosmarin und Raute als Kräuter-mischungen in Leinensäckchen wirken gegen Motten im Kleiderschrank.

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