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Neue Väter hat das Land

Kategorie: Leben
 Ausgabe_06_2013 - 01.06.2013

Text:  Markus Kellenberger

Männer wollen gute Väter sein – und immer mehr von ihnen sind es auch. Aber: Männer sind auch in der Zwickmühle zwischen Familie und Beruf, und genau in diesem Umfeld gibt es für sie noch viel zu tun.

Vater werden ist nicht schwer, Vater ein dagegen sehr – aber sie machen sich, die Männer. «Die Väter von heute leisten deutlich mehr Familienarbeit als ihre Väter es noch taten», sagt Ivo Knill. Was der Chefredaktor der Männerzeitung auf den ersten Blick so locker behauptet, hat das Bundesamt für Statistik belegt. Einige Exemplare mögen zu Hause noch immer einen auf Pascha machen, aber zwischen 2002 und 2012 steigerten die Männer ihre durchschnittlich geleistete Haus- und Kinderbetreuungsarbeit von wöchentlich 20 auf mittlerweile fast 30 Stunden. Das ist noch nicht einmal die Hälfte dessen, was Frauen im Haushalt schon immer geleistet haben und noch immer leisten – aber es ist ein deutlich messbarer Fortschritt.

Diese Entwicklung ist nicht ganz freiwillig, wie Ivo Knill einräumt. Ein wichtiger Faktor ist die wirtschaftliche Lage vieler Mittelstandsfamilien. Noch in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts reichte ein Lohn weitgehend aus, um die Bedürfnisse einer Familie zu decken. Doch unter dem Druck steigender Lebenshaltungskosten – und nicht zuletzt auch der mittlerweile deutlich besseren Ausbildung der Frauen – arbeiten heute mehr Mütter als damals, was die Väter zwingt, sich im Haushalt und insbesondere bei der Erziehungsarbeit mehr zu engagieren. «Aber», sagt Knill, «die meisten Männer tun es gern.»

Teilzeitarbeit nimmt zu

Heinz Walter, Professor an der Universität Konstanz, erforscht seit Jahren das Phänomen «Vater» und stellt fest: «Seit der Jahrtausendwende haben Väter eine ihnen noch nie zuvor erteilte Medienpräsenz erhalten.» Vatermagazine am Kiosk, Vaterbücher in der Buchhandlung, Väter auf Plakatsäulen, Vatersendungen am Radio und im Fernsehen, Väterforen im Internet und Väterangebote bei Reiseunternehmen und Weiterbildungseinrichtungen. Die starke mediale Präsenz deckt sich mit den Umfrageergebnissen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts. «Sie erhoffen sich für ihre Zukunft eine gelingende Balance zwischen beruflichem und familiärem Engagement», sagt Walter. «Und von Politik und Wirtschaft hängt es nun ab, ob diese Hoffnung im Leeren verebbt oder ob sie für alle Beteiligten Gewinn bringt.»

Ein wichtiges Stichwort dafür, wie Familien- und Erwerbstätigkeit ausgewogener als bis anhin unter einen Hut gebracht werden können, ist Teilzeitarbeit – auch in Führungspositionen. Doch gerade hier haben die Männer einen grossen Nachholbedarf. Ivo Knill: «Nur knapp sechs Prozent der erwerbstätigen Männer arbeiten Teilzeit – aber der Trend zeigt nach oben.» Der diesjährige «Vätertag» nimmt sich dem Thema deshalb gezielt an.

Väter sind keine Mütter

Ein neben mehr Teilzeitstellen für Männer wichtiges Thema ist das gemeinsame Sorgerecht. Die laufenden Diskussionen im Stände- und im Nationalrat stimmen zuversichtlich und es zeichnet sich eine Trendwende ab. Das ist besonders für engagierte Väter wichtig, denn im Scheidungsfall wollen sie sich nicht ausschliesslich auf die Rolle des Alimentenzahlers reduziert sehen, weil sie wissen: Kinder brauchen nicht nur Mütter.

Die deutsche Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert bringt das pointiert so auf den Punkt: «Mit Ausnahme des Stillens gibt es kaum Hinweise, dass Frauen darauf vorbereitet sind, der befähigtere Elternteil zu werden.» Aber, fügt sie an, Männer müssten ihre Vaterrolle auch einfordern, im Beruf und vor allem auch zu Hause, und das von Anfang an schon bei der Betreuung und Pflege von Babys und Kleinkindern. Das ist die Stelle, an der Ivo Knill einen wichtigen Satz einzubringen hat. «Väterlichkeit ist nicht die Opposition zur Mütterlichkeit», sagt er. Will heissen: Väter sind keine Mütter – sondern die kindgerechte Ergänzung dazu mit all ihren männlichen Stärken und Schwächen.

Neue Väter Lesestoff – nicht nur für Väter
Vier Mal im Jahr beleuchtet die «Männerzeitung» die Welten, in denen sich Männer durchs Leben bewegen: Teilzeitarbeit, Vatersein, Gesundheit, Beruf, Sex, Leidenschaft, Sucht und Gefühle. Die Juni-Nummer erscheint zum Thema Spiel. Mehr Infos und Bestellmöglichkeit unter www.maennerzeitung.ch

Foto: iStockphoto.com, fotolia.com

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