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Der Furz, ein Tabu

Kategorie: Leben
 Ausgabe 10 - 2012 - 01.10.2012

Text:  Anja Zogg

Leserin Anja Zogg hat uns einen Text zum Thema «Gut verdaut» geschickt. Wir finden, ein überaus amüsantes Stück zum Tabu Furzen und unserem verkrampften Umgang damit. Lesen und lachen auch Sie.

Wenn der Wind weht, ein Hauch von Dünger, einen fahren lassen; – leise, laut, knatternd oder stockend, mit Duftanhang oder ohne. Es bleibt immer dasselbe: schlicht und einfach ein Furz. Du möchtest nicht mehr weiterlesen, ekelst dich oder findest das Thema geschmacklos? Das kann ich verstehen.

Der Furz wird von einem grossen Teil der Bevölkerung verachtet. Und doch bleibt kein Mensch vor ihm verschont. Er gehört zum menschlichen Organismus, er ist sogar ein wichtiger Bestandteil von uns. Wir entledigen uns unserer Gase. Die einen mehr, die anderen weniger. Der Gestank jedoch ist bei jedem anders. Fürze sind tabu, obwohl sie einfach zur Natur gehören. Aber warum eigentlich? Ist es der Gestank? Sind es die Töne? Oder schlicht und einfach der Satz von Mutti: «Furzen tut man nicht.» Wenn die wüsste, dass selbst sie einige Male pro Tag aus ihrem Darm Winde entweichen lässt. Seid beruhigt: Furzen ist vollkommen legal. Du musst ja nicht auf der Strasse mit Nachdruck furzen, oder bei der Einladung zum Abendessen, deinen Hintern heben, um die wundervollsten Töne von dir zu geben. Aber du musst sie auch nicht unterdrücken. Lass sie entweichen und entschuldige dich höflich, falls fehlerhafte Töne vorkamen oder die Luft etwas dicker geworden ist.

Kinder freuen sich über Fürze
Drei Jahre lang habe ich bei einer Familie gearbeitet. Das Schöne war, dass ich mit den Kindern über Fürze lachen konnte. Wenn mir im Bus ein Furz entfahren war, so musste ich einfach die Kinder fragen, wer gefurzt habe und der Kleinste rief sofort, ich, und strahlte dann über das ganze Gesicht, wenn alle lachten.

In der Öffentlichkeit ist es ja schon sehr unangenehm, wenn man Duftnoten setzt, die einem fast umhauen. Noch nie habe ich es im öffentlichen Raum zugegeben. Im Zug schaue ich einfach ganz vorwurfsvoll zu meinem Nachbarn und rümpfe meine Nase. Blöder ist es, wenn wir nur zu Zweit dasitzen. Dann muss ich wohl oder übel meinen Kopf hinter einer Zeitung verbergen.

Schweben wie Ballone
Zu Hause ist man lockerer. Die einen, die wie ich ein grosses Vokabular an Furztönen und Düften haben, die schämen sich irgendwann nicht mehr, zu Hause das Treiben einfach zuzulassen. Denn würden wir nicht rauslassen, was im Bauch rumort, würden wir irgendwann als gasgefüllte Ballone in der Luft schweben. Deshalb lieber raus damit. Mein Freund hat sich daran gewöhnt und doch meint er hin und wieder, wenn er das gewusst hätte, dann hätte er es sich nochmals überlegt mit mir.

Jedenfalls geniesse ich die Lachanfälle, die wir deswegen manchmal haben. So kommt es nicht selten vor, dass ich im Büro furzen muss und prompt mein Freund aus dem Wohnzimmer ruft: «Was hast du gesagt, Schatz?» Schlimmer sind diejenige, die einen grauenhaften Würgereiz auslösen und sich dann wie eine Wolke um einen legen. Meist suchen wir uns dann beide eine Sitzgelegenheit weit weg, der Fahne. Und selbst nach einer halben Stunde darf man noch nicht in jene Ecke des Raums zurückkehren, da die Furzwolke noch immer dicht über der Abschusszone liegt und nicht daran denkt, sich endlich aufzulösen. Dann hilft nur noch Fenster und Balkontüre aufzumachen und zu warten bis die Luft frischer wird.

Fürze können in den blödesten Momenten abgehen. So sitzt man zum Beispiel mit Freunden im Wohnzimmer und plaudert gemütlich miteinander. Da macht sich das Mittagsessen mit den Zwiebeln bemerkbar – ich gebe mir grosse Mühe nicht zu furzen. Das ist nicht immer einfach und benötigt eine gute Portion Selbstbeherrschung. Doch ganz bestimmt in diesem Moment erzählt einer aus der Runde etwas wirklich Lustiges, so dass ich loslachen muss. Nur leider entlädt sich durch die Entspannung der Muskeln, im gleichen Moment ganz nebenbei auch noch was anderes. Wer das schon einmal erlebt hat, weiss, dass eine Mischung aus Lachen und Furzen einfach nur saukomisch tönt. Die anderen schauen einen zuerst einmal perplex an, bevor sie in Lachen ausbrechen. Und auch hier gilt: mitlachen! Das ist die beste Medizin gegen die peinliche Röte, die einem ins Gesicht steigt.

Noch schlimmer finde ich es aber, wenn man bei einem Firmenessen eingeladen ist. Man sitzt da so schön am Tisch und isst. Alles ist ruhig, bis auf einmal ein kleiner pfeifender Furz entweicht. Kennt ihr die ganz leisen, wo nur ein leichtes Pfeifen und dann eher ein Luftzug kommt? Der Furz mag jedoch noch so leise sein, in der Stille tönt er doch wie der Widerhall von einem Schuss. Da nützt dann auch kein Lachen mehr, sondern nur noch eine tief beschämtes: «Entschuldigung».

Und habt ihr gewusst, das Fürze auch husten können? Wenn ich Husten habe und gleichzeitig auch noch Gase im Darm, dann kann es öfters mal vorkommen, dass ich gleichzeitig Husten und Furzen muss. Der Druck ergibt einen Unterdruck und meist kommt das Ganze dann auch noch so abgehackt raus, wie eben beim Husten. Tja, das ist vor allem dann spannend, wenn du gerade bei einer Vorlesung sitzt und der Redner gerade eine Denkpause eingelegt hat. Also wenn du Husten hast und ein Furz sich ankündigt, dann geh aufs Klo! Denn das kommt niemals gut raus.

Bei «Supertalent» Lieder furzen
Mein Freund findet manchmal es sei schade, dass er mich nicht bei «Das Supertalent» anmelden könne mit meinem Furz-Vokabular. Oder er meint, ich solle etwas üben, damit ich Lieder furzen könnte, dann könnte ich wenigstens Geld damit verdienen. Oder er meint, er könnte meine Fürze aufnehmen und nach Hollywood verkaufen für Echt-Fürze in Filmen.

Wenn es ganz besonders schlimm ist, findet er aber auch, dass er mir demnächst einen Filter einbauen würde. Und er überlegte sich auch schon mal, ob man die Gase sammeln und wiederverwerten könnte, vielleicht für ein Feuerzeug. Die Ideen sind grenzenlos und doch leider nicht umsetzbar. Doch Lacher garantieren sie immer.

Ist es nicht so, dass wir mehr zu lachen hätten, würden wir uns weniger für unsere Duftnoten schämen? Probiert es zu Hause aus. Es lebt sich leichter, wenn man beim Furzen loslachen kann, als wenn man sich mit rotem Kopf abwenden muss. Zeig den Menschen, dass es dazugehört. Bleib aber stets höflich und schätze die Situation und die Menschen gut ein. Bei den einen lache, bei den anderen kannst du mit einem Witz nachdoppeln und bei nochmals anderen lasse einfach niemanden spüren, dass du gefurzt hast.

Furzen kann eine Beziehung aufheitern, aber zwischendurch sicher auch schön die Lust verderben. Doch im Grossen und Ganzen: Lass es mit Freude fahren!

Foto: fotolia.com

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