Artikel Leben :: Natürlich Online

Grenzerfahrung

Kategorie: Leben
 Ausgabe 07 - 2012 - 01.07.2012

Text:  Susanne Hochuli

Vorsicht! In den nächsten Monaten könnte Ihnen auf einem Spaziergang entlang der Grenzen des Kantons Aargau eine Regierungsrätin samt Hund begegnen.

Heute werde ich etwas technisch: Stellen Sie sich eine Strecke von 330 Kilometern zwischen zwei Punkten vor. Nehmen wir als Ausgangspunkt das Rheinwaldhorn, die Quelle des Hinterrheins, marschieren die 330 Kilometer den Fluss entlang und landen alsbald 45 Kilometer vor Basel. Bis zum Grenzübertritt reicht es nicht, der Rhein legt in der Schweiz 375 Kilometer zurück. Die 45 fehlenden Kilometer bis ins Ausland würden Sie quasi als Supplement in neun Stunden marschieren, wenn Sie gutes Schuhwerk und noch den nötigen Schwung hätten. Ein Katzensprung im Vergleich zur bereits zurückgelegten Strecke; die erscheint mir schon ganz schön lang.

Nehmen wir nun einen beliebigen Punkt und marschieren von diesem los mit der Vorstellung, wieder bei ihm zu landen. Und stellen wir uns vor, dass wir nicht einfach auf einem Zirkel marschieren wollten, weil das doch etwas langweilig wäre, sondern wir würden Ecken und Kanten, Rundungen und Einbuchtungen, Höhen und Tiefen einbauen. Halt so, wie die Lebenswege von uns allen sind. Wenn wir das tun, dann, ja dann könnten wir den Aargau umwandern: ganz in den Süden bis nach Dietwil, im Norden nach Full-Reuental, im Westen bis Kaiseraugst und im Osten, dem Sonnenaufgang entgegen, bis Islisberg. Das wäre eine ganz neue Erfahrung, eine Grenz-Erfahrung. Sie wissen vielleicht noch: Im Winter hat es mich in die Höhe getrieben, auf den Kilimanjaro; weil ich wissen wollte, wie es ist, langsam zu sein.

Nun treibt es mich an, die Grenzen des Aargaus kennenzulernen – und vielleicht auch meine. Als Frau Landammann, umgangssprachlich die «Land-Amme», sollte frau wissen, für wen und was sie im Regierungsrat Prima inter Pares ist. Mir reicht das theoretische Wissen nicht. Nein, ich möchte begreifen, erfassen, erfahren, was mir in die Hände gelegt worden ist. Und so mache ich mich bald auf und nehme die mir anvertraute Argovia in den Arm und den vor mir liegenden Aargau unter meine Füsse – und unter die Pfoten meiner Hündin Mira, denn ganz alleine will ich nicht auf Schusters Rappen unterwegs sein. Ich gebe zu, der DVH (Departementsvorsteherinnen-Hund) hilft, dass es mir zu jeder Tages- und Nachtzeit wohl ist in meiner Haut.

Von zu Hause aus starte ich in Richtung Osten. Auf einer riesigen Landkarte habe ich eingezeichnet, welche Etappe ich an welchem Tag unter die Füsse nehme. Zugegeben, mein Hund und ich haben das GA und sind dem öffentlichen Verkehr nicht abgeneigt. Wir werden kein Wettrennen gegen die Zeit oder uns selber machen. Wir wollen erleben und entdecken: Über die Hügel ziehen und in die Täler absteigen, den Flüssen entlang schlendern und baden, mal über die Grenze gehen und fremde Kantonsluft schnuppern, den Einkaufstourismus in Deutschland bestaunen, aber nicht in Versuchung kommen, weil alles Gut im Rucksack mitgeschleppt werden muss. Aber auch hie und da ein Schwätzchen abhalten, Geschichten hören, die den Aargau ausmachen und die gewichtslos mitgenommen werden können. Stellen Sie sich also eine Strecke von 330 Kilometern vor, die mich an und über und rund um die Grenzen des Kantons Aargau führt – wahrhaftig eine Grenzerfahrung.

Zur Person
Susanne Hochuli, erste grüne Regierungsrätin im Aargau, ist Mutter einer 18-jährigen Tochter und wohnt mit ihr, Hund und Pferden auf ihrem Bauernhof in Reitnau.



Foto: applez / flickr / cc. pppspics / flickr / cc

Tags (Stichworte):

Kategorie: Leben

Singen vernetzt

Wie vernetzt man sich im realen Leben rasch mit neuen Menschen?

Kategorie: Leben

Standardwerk neu aufgelegt

Die «Pflanzenalchemie» von Manfred M. Junius gehört bis heute zu den...

Kategorie: Leben

Katzenmusik

Wer meint, seine Katze freue sich ebenso über Klavier-, Gitarren- oder andere...