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Das süsse Leben

Kategorie: Leben
 Ausgabe 06 - 2012 - 01.06.2012

Text:  Simon Libsig

Süssigkeiten machen nicht nur Naschkatzen glücklich, sie dienen Wortakrobaten wie Simon Libsig auch als süss-klebrige Inspiration für fabulöse (Liebes-)Abenteuer.

Er hiess Fredi Kägi, aber alle im Dorf nannten ihn bloss «de Kägi Fret». Kägi Fret war in aller Munde. Er war und hatte eine schillernde Figur. Pudding-Arme, aber Hände wie Bärentatzen. Ein Twix-Pack und Meitschibei. Seine Konfektionsgrösse war M & Ms. Er hatte ein Pfannkuchen-Gesicht und auf seinem Caramelköpfli glänzte eine Glacé, äh, eine Glatze. Nach eigener Aussage, hatte Kägi Fret einen Schoggi-Job. Das reinste Zuckerschlecken. Erste Sahne. Alles Parfait. Dabei war er ständig auf dem Sprüngli. Von Termin zu Termin zwischen Dänemark, Romanoff und Baklava. Und er reiste keineswegs mit leichtem Gebäck. Er machte Geschäfte mit Berlinern, Luxemburgerli oder Maltesers. Kägi Fret operierte international. Und das in verschiedenen Branchli. Ob mit Farmer oder Fisherman – Hauptsache es nutzte seiner Karies, äh, Karriere. Für ihn war alles «a piece of cake». Stets verkündete er selbstsicher: «Ich kandis!» Und der Erfolg gab ihm Recht: Auf seiner Nase trug er eine Brille von Dolce & Banana. Seine Füsse steckten in teuren Snickers und in seinen Zähnen funkelten goldene Makronen. Er flog mit seinem Privatjet für ein paar Stunden an die Capri-Sonne oder in die Dominikanische Republik, um Meringues zu tanzen.

«Was für ein Glückskeks!», sagten viele. Andere wiederum neideten ihm dieses süsse Leben. Er sei doch schon von Anfang an in Zuckerwatte gebettet gewesen. Seine Eltern hätten ihn vergöttert und schon als Baby mit Götterspeise gefüttert. Ausserdem hinterliessen sie ihm ein Vermögen in Schoggi-Talern. Und wieder andere hielten ihn für einen Spitzbuben, einen, der allen Sand in die Augen streuselt. Einen dieser nimmersatten Spekulatius an der Börse. Einen Besserwisser, einen dieser Smarties. Natürlich war das alles Quark mit Sauce. Kaiserschmarren!

Im Grunde war Kägi Fret vor allem eins, zerbrechlich wie ein Biskuit. Psychisch und physisch. Erst kürzlich war er wieder im Krankenhaus gewesen – gebrannte Mandeln, saure Zunge diagnostizierten die Ärzte. Häufig fühlte er sich bedroht, wie Asterix und die Cailler. Andere würden ein Kompott gegen ihn schmieden, dachte er, Meuterei auf der Bounty. Einmal hatte es einen Streit gegeben wegen einer Roulade im Management. Hätte er damals eine Magnum gehabt, es hätte wohl Torte, äh, Tote gegeben. Trotzdem, Kägi Fret hatte keineswegs einen an der Waffel. Was ihm fehlte, war eine Frau, ein Honigmäulchen, ein Sahnetörtchen, eine samtene Kit Kat. Dabei war er nicht auf einen Nesquiky aus, es ging nicht bloss um Schleckstengel, Sugus, um wildes Hubba Bubba in sämtlichen Stellungen. Obwohl er ziemlich Guetzli war im Bett. Ay Carambar! Nein, Kägi Fret suchte keine zum Vernaschen, sondern eine zum Zerschmelzen. Eine Milka fürs Leben! Für sie wollte er die Prinzenrolle übernehmen. Mit ihr wollte er ein Lebkuchenhaus bauen. Abends, After Eight, wollte er mit ihr zum Mars hochschauen, den Milky Way betrachten und sich bei jeder Sternschnuppe fragen, ob das jetzt ein Ovo, äh, ein Ufo war. Am Radio würden sie Zucchero spielen, und irgendwann würde seine Süsse ihm vielleicht sagen: «Mon Chéri, ich habe für dich eine kleine Kinderüberraschung.»

Foto: Leonid Mamchenkov / flickr / cc,  craigemorsels / flickr / cc

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