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Von Glück erfüllt

Kategorie: Leben
 Ausgabe 03 - 2012 - 01.03.2012

Text:  Tertia Hager

Investiert man sein Geld in Erlebnisse, ist das nachhaltiger für die Zufriedenheit Ferien oder eine neue Küche?

Vor dieser Entscheidung stand Emily Rosenzweig. Denn für beides reichte der amerikanischen Psychologin das Geld nicht aus. Wofür würden Sie sich entscheiden? Pragmatisch für die neue Küche? Oder emotional für Ferien? Die Psychologie kennt die bessere Antwort: Man sollte in den Urlaub fahren. Dies aus zwei Gründen, wie alltagsforschung.de schreibt. Einerseits gewöhnt man sich rasch an Gegenstände. Die neue Küche ist bald Alltag und bereitet kaum mehr Freude. Die Erinnerungen an die Ferien hingegen bereiten länger Freude – vorausgesetzt es war ein schöner Urlaub. Andererseits neigt der Mensch dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Und dabei könne man einfach immer nur verlieren, weil es stets jemanden gibt, der eine schönere Küche oder ein besseres Velo hat.

Die Psychologin Rosenzweig hat noch einen weiteren Grund gefunden, weshalb es sich lohnt, Geld für Erlebnisse und nicht für Konsumgüter auszugeben. Letztere würden oft zu Reue führen. In fünf Experimenten befragte sie Studenten nach ihren Erfahrungen mit bestimmten Anschaffungen. Vor allem wollte Rosenzweig wissen, ob die Freiwilligen jemals bereut hätten, etwas gekauft zu haben – und ob sie bereut hätten, etwas nicht gekauft zu haben. Und dabei kam heraus: Die Teilnehmer ärgerten sich im Nachhinein meist über materielle Anschaffungen. Anders war es bei Erlebnissen: Hier bereuten die Studenten, etwas nicht gekauft respektive nicht getan zu haben.

Der psychologische Mechanismus von Reue ist das sogenannte kontrafaktische Denken. Typisch für diese Denkweise sind die «Was wäre, wenn ...»-Fragen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man stellt sich vor, dass alles besser ist als die Realität. Etwa: «Wäre ich in ein anderes Hotel gefahren, wäre der Urlaub schöner gewesen.» Oder aber man stellt sich vor, dass es schlimmer hätte kommen können: «Das Hotel nebenan wäre sicher schlimmer gewesen.» Bei materiellen Anschaffungen neigt der Mensch eher zu diesen «Was wäre, wenn ...»-Fragen. Man gerät ins Sinnieren, ob der Kauf dieses oder jenes Produktes wirklich die richtige Entscheidung war – und dieses Grübeln macht unglücklich. Bei Erlebnissen sei das Gegenteil der Fall, kommt die Psychologin zum Schluss. «Erfahrungen sind einzigartiger als materielle Besitztümer», sagt Rosenzweig, «weil es für sie kaum gleichwertigen Ersatz gibt.» Sie entschied sich für Ferien und gegen die neue Küche – und bereute es nicht.

Foto: fotolia.com

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