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Rummel um Vitamine

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 02 - 2012 - 01.02.2012

Text:  Heinz Knieriemen

Einerseits werden wir regelmässig angehalten, unseren Körper mit zusätzlichen Vitaminen zu versorgen, andererseits werden wir genauso regelmässig vor einer Überdosierung gewarnt. Was stimmt denn nun?

Da geistern sie wieder durch die Medien: Die regelmässig wiederkehrenden Meldungen, wonach die unkontrollierte Einnahme von Vitaminen, Mineralien und Nahrungsergänzungsmitteln der Gesundheit schadet und gar einen Anstieg der Sterblichkeitsrate verursacht. Meist sind diese Nachrichten Ladenhüter, die als neuste wissenschaftliche Erkenntnisse verkauft werden. Gemäss den Studien «Norwegian Vitamin Trial» und «Western Norway B Vitamin Intervention Trial» erkrankten Menschen mit Problemen der Herzkranzgefässe häufiger an Krebs, wenn sie mit Folsäure oder Vitamin B12 behandelt wurden.

Beide Vitamine stehen im Zentrum des Vermarktungsrummels. Vitamin B12 könne angeblich nur über eine Ernährung mit tierischem Eiweiss gesichert werden – unzählige gesunde Vegetarier und Veganer beweisen das Gegenteil. Schwangere und Stillende werden häufig als unverantwortlich dargestellt, wenn sie nicht synthetisierte Folsäure zu sich nehmen. Unsinn. Das ändert allerdings nichts daran, dass die beiden Schlüsselvitamine der B-Gruppe lebenswichtig sind.

Interessenkonflikte, Vermarktungsstrategien, unsorgfältige Versuchsanordnungen mit ungebrochenem Vertrauen in Tierversuche und die fehlende Wahrnehmung, dass Vitamine und Vitalstoffe im lebenden Organismus in Kreisläufe mit individuell zu wertenden Faktoren eingebettet sind, führen zu unsäglichen Verwirrspielen. Ein bekannter Biochemiker und Mikrobiologe nannte solche Forschungen Tierversuche am Menschen.

Vitamine und absurde Tierversuche
Die Ratte gilt als eines der meist missbrauchten Geschöpfe für Tierversuche. Doch sind solche Tests, was immer auch damit bewiesen werden soll, grundsätzlich sinnlos. Sie lassen keine Rückschlüsse auf den Menschen zu. Die im Körper ablaufenden Stoffwechselprozesse von Tieren unterscheiden sich in vieler Hinsicht von denen des Menschen. So ist etwa die Kuh als Wiederkäuer über ihren Pansenmagen zur Eigensynthese der B-Vitamine fähig. Der menschliche Organismus dagegen kann die B-Vitamine nur in beschränktem Umfang und Vitamin C gar nicht erzeugen. Sie müssen also durch die Nahrung ständig zugeführt werden. Das Versuchstier Ratte baut sich das Schlüsselvitamin C aber im Körper selber auf, was wegen der völlig anderen Stoffwechselsituation Rückschlüsse aus Tierversuchen grundsätzlich fragwürdig macht. Diese Fähigkeiten der Ratten sind bekannt, seit Seefahrer an der Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut (holländisch: Scheurbuik = rissiger Mund) erkrankten und starben, die Ratten auf Schiffen dagegen munter weiterlebten.

Was ist sinnvoll und nützlich?

Bevor zusätzliche Vitamingaben über die tägliche Nahrung hinaus erwogen werden, muss gesichert sein, dass diese vom Körper überhaupt aufgenommen und in Stoffwechselprozesse übergeleitet werden können. Ist das nicht der Fall, sollte zunächst den Ursachen für Störungen nachgegangen werden (Leber- und Magen-Darm-Probleme, Organschäden, Alkohol, Rauchen oder Wechselwirkungen mit Arzneimitteln).

Die erste Massnahme bildet immer die Optimierung der Vitalstoffe über die täglichen Mahlzeiten. Und in aller Regel wird der Bedarf an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen über die Ernährung auch hinreichend abgedeckt. Vergessen wir also die Botschaft, wonach der Mensch so unvollkommen geboren wird, dass er sofort substituiert werden muss. In den Industrienationen bestimmt nicht der Mangel, sondern der Überö uss das Krankheitsgeschehen, was unter anderem dazu geführt hat, dass sich die Diabetesrate bei Kindern in den letzten 10 Jahren verdoppelt hat. Achten wir auf eine vielseitige Ernährung, bei der die Qualität und nicht die Menge bestimmend ist. Und nie das Lustprinzip vergessen: Mit Freude und Genuss die Mahlzeiten einnehmen ist der beste Weg zur Gesundheit.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Labor wissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebens mitteln und Kosmetika.

Fotos: fotolia.com

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