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Die wundersame Krebsheilung

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 09 - 2011 - 01.09.2011

Text:  Heinz Knieriemen

Vermelden die Medien, dass die Todesrate bei Krebs sinkt, ist das eine gute Nachricht. Weniger gut ist, dass die verwendeten Statistiken und Zahlen kaum die Realität abbilden und so ohne jeden Aussagewert sind.

Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Erfolgsmeldungen zu den einzelnen Krebsarten und vor allem auf die Vorsorgestrategien. Denn hier zeigt sich deutlich, wie mit statistischen Angaben jongliert und manipuliert wird, je nachdem, was gerade bewiesen werden soll. Geradezu groteske Ausmasse nimmt die Statistik-Stolperei beim Gebärmutterhalskrebs, dem Zervixkarzinom, an. Laut Heusser hat sich das Sterberisiko bei dieser Krebsart in den letzten 20 Jahren um 70 Prozent vermindert, was auf die flächendeckende Einführung des Krebsabstriches, des sogenannten Pap-Tests, zurückzuführen sei. Nach Angaben des Nicer sterben in der Schweiz gerade noch 2 von 100 000 Frauen an dieser Krebsart. Bei einer solch glänzenden Bilanz stellt sich allerdings die Frage, warum es in den letzten Jahren und auch heute noch zu massiven Zwängereien mit den Gebärmutterhalskrebs-Impfungen gekommen ist – einer Impfung ohne jeden Erfahrungshintergrund. Junge Mädchen wurden von Ärzten, Schulen und Gesundheitsbehörden bedrängt, sich impfen zu lassen.

Wie statistische Zahlen manipuliert werden, sieht jeder, der die Erfolgsmeldungen von Nicer mit Behauptungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vergleicht, die der Impfmüdigkeit entgegenwirken sollten: «Mit einer hohen Durchimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs verursachende humane Papillomaviren werden in der Schweiz jährlich rund 50 Todesfälle und über 2000 chirurgische Eingriffe wegen Krebsvorstufen verhindert», verspricht das bei Impfstrategien wie immer euphorische BAG. Nicht erklärt wird allerdings, auf welchen Fakten die Zahlen des BAG beruhen. Das BAG will also 50 Gebärmutterhalskrebs-Todesfälle verhindern und Nicer stellt fest, dass in der Schweiz an dieser Krebsart jährlich nur noch 2 von 100 000 Frauen sterben, was etwa jener Rate entspricht, die durch Impfungen eliminiert werden soll.

Übertherapie und ihre Folgen

Auch die viel propagierte Früherkennung darf angezweifelt werden: Das Nutzen-Schaden-Verhältnis müsste beweisbar positiv sein. Dieses Nützlichkeitserfordernis wird von der Krebsvorsorge jedoch nicht erfüllt. Das zeigt sich nicht nur beim Gebärmutterhalskrebs, sondern auch bei den anderen Krebsarten, die der Vorsorge unterliegen. Kritische Ärzte und Ärztinnen bemängeln, dass die Entdeckung zahlreicher unbedeutender Gewebeanomalien zu einer erheblichen Übertherapie führt. Im Zweifelsfalle gehen Ärzte und Onkologen lieber von der Bösartigkeit einer Krankheit aus. Lieber eine Operation zuviel als eine übersehene Diagnose. Eine überflüssige Amputation der Brust oder Entfernung der Gebärmutter kann sich später nicht mehr als Kunstfehler herausstellen. Wenn der Krebs nicht wieder auftritt, wird die Operation als lebenserhaltend, als Heilung eingestuft, was die Sterberaten senkt und die statistischen Angaben schönt. Die deutsche Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) geht davon aus, dass etwa 80 Prozent der Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) unnötig und medizinisch nicht indiziert sind – in der Schweiz kann von ähnlichen Zahlen ausgegangen werden. Das Frauen-Gesundheitszentrum Berlin (FGZ), ein qualifiziertes interdisziplinäres Team, kommt praktisch zu den gleichen Resultaten.

Diese Ergebnisse lassen sich ohne weiteres auch auf das Prostatakarzinom, die am weitesten verbreitete Krebserkrankung des Mannes in den Industrienationen, übertragen. Die Diskussion geht vor allem darum, ob und wie die vielen vom Bedrohungspotenzial schwer einstufbaren Fälle überhaupt therapiert werden sollen. Denn wenn es überhaupt eine Krebsart gibt, die für Angstkampagnen ausgenützt werden kann, dann ist es der Prostatakrebs. Es hat sich gezeigt, dass viele der Routine- und Vorsorgeuntersuchungen, Labortests, Stanz- und Feinnadelbiopsien eher zu einer Ausweitung des Krankheitsbilds, zu Überbehandlungen, zu einer Häufung überflüssiger Operationen und weniger zu einer Sicherung der Lebensqualität beigetragen haben. Bei einem diagnostizierten Prostatakarzinom empfiehlt es sich, einen weniger radikalen Weg ohne Operation zu erwägen, um die häufig damit verbundenen Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz zu vermeiden. Ob und wann eine operative Krebsentfernung lebensverlängernd wirkt, ist bis heute nicht wissenschaftlich belegt. Deshalb sind auch alle schönfärbenden Statistiken ohne jeden Aussagewert.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich leben» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: F1online, fotolia.com

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