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Eine Frage der Norm

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 08 - 2011 - 01.08.2011

Text:  Sabine Hurni

Was ist bei Kindern normal? Laut oder leise, ruhig oder zapplig? Schnell wird heute die Diagnose gestellt: Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörung – und fast noch schneller wird bei ADHS-Verdacht Ritalin verschrieben. Sanfte Mittel aus der Natur helfen genauso gut.

Jedes Kind ist ein Individuum, das lernen muss, sich in festen Strukturen wie Schule oder Familienalltag zurecht zu finden. Einigen Kindern fällt das leicht – andere tun sich schwer damit. Und die Grenzen zwischen dem, was unsere Gesellschaft als normal oder eben nicht normal betrachtet, liegen oft sehr nahe beieinander. Entsprechend kontrovers wird das Thema ADHS unter Psychologen, Eltern, Lehrern und Kinderärzten diskutiert. Die einen Fachleute betrachten die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als eine Krankheit, die mithilfe von mehreren Tests diagnostiziert und mit chemischen wie auch naturheilkundlichen Mitteln behandelt werden kann. Andere Kreise grenzen sich vehement von diesem Krankheitsgedanken ab. Sie wehren sich dagegen, dass jedes unruhige, lebhafte Kind sofort den ADHS-Stempel abbekommt, nur weil es nicht in die vorgegebenen gesellschaftlichen Strukturen passt.

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Verschiedene Formen von Zappligkeit

ADHS wird im Volksmund oft vereinfacht als Hyperaktivität bezeichnet. Doch dieser Ausdruck ist nicht ganz korrekt. Nur bei einer bestimmten Art von ADHS sind die Kinder zapplig und voller Energie. ADHS kann sich auch in Form einer starken Passivität zeigen. Die Kinder sind verträumt, vergesslich, kommen am Morgen nicht aus dem Bett und trödeln herum. Diesen Typ nennt man vorwiegend unaufmerksamer ADHS-Typ. Der hyperaktive ist in der Regel ein ADHS-Mischtyp, weil er nicht nur zapplig, sondern oft auch unkonzentriert und vergesslich ist. Selbst wenn die Kleinen noch so fest an den Hausaufgaben bleiben wollen – sie schaffen es einfach nicht.

Über die Ursache für das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ist noch wenig bekannt. Es kursieren Theorien über eine genetische Funktionsstörung des Gehirns, von der jene Hirnabschnitte betroffen sind, die Steuerungs- und Koordinationsaufgaben übernehmen. Andere Thesen gehen von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen aus, von Nikotingenuss in der Schwangerschaft oder sie tippen auf eine allgemeine Reizüberflutung.

Tipps im Umgang mit ADHS-Kindern
• Gesunde Fette fördern
Die Forschung hat herausgefunden, dass ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren Hyperaktivität begünstigen kann. Omega-3-Fettsäuren kommen im Leinöl in grosser Menge vor. Auch Rapsöl und Fischöl enthalten Omega-3-Fettsäuren. Gleichzeitig sollte der Konsum von Omega- 6-Fettsäuren klein gehalten werden, weil sie die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren hemmen. Sie kommen im Sonnenblumenöl, im Fleisch und in frittierten Speisen in grossen Mengen vor.
• Selber mitmachen
Ohne Zucker, Wurstwaren, Industriefood, Farb- und Aromastoffe kann der Mensch bestens leben. Statt ein Kind alleine auf «Diät» zu setzen, macht es Sinn, dass die ganze Familie mitmacht. Das gilt auch für eingeschränkten (elektronischen) Medienkonsum, aber auch für vorbildliche Bewegung an der frischen Luft und musische Tätigkeiten.

Begleiten statt ruhigstellen

Auffälligkeiten bei Kindern können aber auch viele andere Ursachen haben. Familiäre Gründe, falsche Ernährung oder fehlende Tagesstrukturen. Hilfreich sind deshalb die fachliche Unterstützung und Begleitung durch Kinder-Psychologen und Therapeuten. Gemeinsam mit den Eltern und dem Kind erarbeiten sie neue Verhaltensregeln und gemeinsame Lösungen, damit das Kind den Familien- und Schulalltag reibungsloser bewältigen lernt. Ein Kind als einzige Lösung auf den Konsum von Tabletten zu konditionieren, ist mehr als fragwürdig. Das gilt nicht nur für chemische Medikamente, sondern auch für pflanzliche Tabletten, Nahrungsergänzungen und Globuli. Bekommen Kinder bei jeder Unpässlichkeit gleich «etwas eingeworfen», lernen sie nie auf die eigenen Kräfte zu vertrauen.

Ein Tee, ein pflanzliches Stärkungsmittel oder ein ätherisches Öl können den Weg zu neuen Ernährungs- und Lebensstrukturen jedoch unterstützen. Ausgleichend wirken bei diesem Vorgehen sämtliche beruhigenden Heilpflanzen, wie zum Beispiel Kamille, Melisse, Lavendel oder Hopfen.

Baldrian hilft sanft

Eine der am wirkungsvollsten beruhigenden Heilpflanzen in dieser Gruppe ist der Baldrian (Valeriana officinalis). Unverkennbar stechen einem bei ihm als Erstes die ätherischen Öle in die Nase. Die frische Baldrianwurzel riecht noch nicht so intensiv. Erst mit der Lagerung werden die Ester gespalten und Valerensäure und Isovalerensäure werden frei. Letztere ist dem Katzengeruch sehr ähnlich, deshalb geraten viele Katzen beim Geruch von Baldrian regelrecht in Ekstase. Die getrocknete Wurzel enthält zudem Valepotriate und Acetoxyvalerensäure. Baldrian wirkt nicht aufgrund eines einzelnen dieser Wirkstoffe beruhigend, sondern wegen seines Wirkstoffkomplexes. Das heisst durch die Wechselwirkung zwischen den Wirkstoffen. Er entspannt die Muskulatur, wirkt krampflösend und beruhigt das zentrale Nervensystem, aber ohne dass Baldrian Müdigkeit hervorruft. Deshalb kann Baldrian auch bei Unruhezuständen, nervösen Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen sowie bei nervösen Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt werden.

Literatur
Hans Reinhard Schmidt: «Ich lerne wie ein Zombie», Centaurus Verlag & Media, 2010, Fr. 29.90

Fotos: HIPP-FOTO Marianne Winkler, Beat Ernst, fotolia.com, mdanys / flickr / cc



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