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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 08 - 2011 - 01.08.2011

Text:  Marion Kaden

Viele Krebsarten sind heute gut heilbar – und viele andere Krankheiten sind schlimmer und tödlicher. Trotzdem ist Krebs die am meisten gefürchtete Krankheit unserer Zeit.

Die Diagnose «Sie haben Krebs» empfinden viele als Todesurteil. Der Boden wird den Betroffenen weggezogen, sämtliche Zukunftspläne sind mit einem Schlag vernichtet. Krebs ist die am meisten gefürchtete Krankheit unserer Zeit. Obwohl viele andere Erkrankungen ebenfalls zum Tode führen können, wie zum Beispiel der Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, hat keine diesen Nimbus des Bösartigen. Krebs wird als hinterhältige, langsam arbeitende Erkrankung empfunden, die ihr Ausmass oftmals erst im weit fortgeschrittenen Stadium zeigt.

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Medizinisch werden der allgemeinen Bezeichnung Krebs etwa 100 bis 300 teilweise höchst unterschiedliche Erkrankungen zugeordnet. Die Angaben schwanken derart erheblich, weil Experten sich bei den Zuordnungen entweder nicht sicher sind oder alljährlich neue Krebserkrankungen hinzukommen. Krebs kann sehr unterschiedliche Ausformungen haben: Aggressive Arten wie der Pankreaskrebs (Bauchspeicheldrüsenkrebs) sind nach wie vor kaum beherrschbar. Der Prostatakrebs des Mannes ist hingegen vergleichsweise harmlos. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass auch beim Weiterwachsen der Prostata keine Gefahr für den gesamten Organismus besteht. Männer mit einem Prostatakrebs können lange und bis zu einem natürlichen Lebensende damit leben, die bisher praktizierte sofortige Entfernung der wachsenden Drüse ist nicht in jedem Fall nötig.

Eine häufige Alterserkrankung

Krebs gehört zu den häufigen Erkrankungen. So erkranken laut den Zahlen der Krebsliga Schweiz drei von zehn Menschen an Krebs. Oder anders ausgedrückt: Jedes Jahr gibt es in der Schweiz rund 36 000 neue Fälle, die dem weiten Feld der Krebserkrankungen zuzuschreiben sind. Frauen und Männer sind davon in etwa gleich betroffen. Die häufigsten Krebserkrankungen bei den Männern sind Prostatakrebs (29,6 Prozent), Lungenkrebs (12,5 Prozent), Dickdarmkrebs (11,3 Prozent), schwarzer Hautkrebs (4,8 Prozent) und Blasenkrebs (4,6 Prozent). Bei den Frauen sind Brustkrebs (31,9 Prozent), Dickdarmkrebs (11,1 Prozent), Lungenkrebs (7,6 Prozent), schwarzer Hautkrebs (5,8 Prozent) und Gebärmutterkrebs (5,4 Prozent) am häufigsten.

Bei der Betrachtung der erkrankten Altersgruppen zeigt sich, dass viele Krebsarten erst etwa ab dem 50. Lebensjahr diagnostiziert werden. Die höchsten Erkrankungsraten liegen jedoch, wie die Krebsliga Schweiz bestätigt, bei vielen Arten erst zwischen dem 70. bis 80. Lebensjahr. Krebs ist also vor allem eine Alterserkrankung.

Krebs wird als Oberbegriff verwendet für Tumorerkrankungen, die ein Organ oder ein ganzes System (Blut- oder Lymphgefässe) betreffen. Als Gemeinsamkeit von Krebserkrankungen wird gegenwärtig von Onkologen eine unkontrollierte Zellvermehrung angenommen. Nach Zellteilungen sterben normale Körperzellen irgendwann – Krebszellen jedoch nicht. Aus Gründen, die noch nicht erforscht sind, wachsen sie weiter und bilden Geschwülste. Je nach Krebsart können sich zudem entfernte Tochtergeschwülste in anderen Körperregionen ausbilden. Eine gängige Theorie besagt, dass sich jene Erbinformationen (Gene), die Informationen für Aufbau und Funktionen von Zellen enthalten, im Laufe des Lebens verändern. Je nach Art des Tumors können unterschiedliche Einflussfaktoren verantwortlich sein, beispielsweise Umwelteinflüsse (UV-Strahlung, Chemikalien), Tabakrauch, Alkohol oder Virusinfektionen.

Diagnose Krebs – was nun?
Vorbeugen
Eine generelle Krebsprävention gibt es nicht. Durch Studien ist gesichert, dass der Verzicht auf Zigaretten Lungenkrebs vermeiden hilft. Auch die tiefe Hautbräunung ist out. Gemässigter Umgang mit der UV-Strahlung und Sonnencreme schützen vor malignen Melanomen (Schwarzer Hautkrebs). Als Massnahme gegen den Gebärmutterkrebs propagieren Ärzte eine in Fachkreisen umstrittene HPV-Impfung gegen humane Papillomaviren an.
Ernährung
Nur für wenige Krebsarten sind wissenschaftlich halbwegs belegte, vorbeugende Ernährungsmethoden bekannt. Zum Beispiel soll ein erhöhter Ballaststoffanteil Dickdarmkrebs vorbeugen. Gegen häufige Krebsarten wie Brustkrebs gibt es keine speziellen Ernährungsempfehlungen. Allgemein gilt: Eine alle Nährstoffbedürfnis deckende, möglichst umweltnahe und vollwertige Nahrung ist für die volle Funktion des Abwehrsystems wichtig. Und damit auch für die Vernichtung der bei allen Menschen täglich im Körper entstehenden Krebszellen.
Vorsorgen
Frauen ab dem 50 bis 69 Lebensjahr können zur Früherkennung von Brustkrebs Mammografien in Anspruch nehmen, diese sind Pflichtleistung der Schweizerischen Grundversicherung. Für alle anderen Frauen empfiehlt sich die regelmässige Kontrolle bei einer Frauenärztin, deren Kosten teilweise von den Krankenkassen übernommen werden. Bei Männern und Frauen wird ab 50 zudem eine Darmspiegelung (Koloskopie) vorgeschlagen, gegenwärtig muss diese noch selbst finanziert werden.

Nachsorge ist wichtig

Sicher ist: Jede Krebserkrankung hat eine eigene Entstehungsgeschichte, einen individuellen Verlauf und benötigt deshalb auch eine abgestimmte Therapie. Und: In vielen Köpfen ist noch nicht angekommen, dass – im Gegensatz zu früher – verschiedene Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs mittlerweile gut  behandelbar sind. Deshalb werden Krebskranke, eine gute Nachsorge und Mitarbeit der Betroffenen vorausgesetzt, zu der stetig wachsenden Gruppe der chronisch Kranken gerechnet. Konkret heisst das für Krebsbetroffene: Sie können bei guter Lebensqualität viele Jahre und Jahrzehnte weiterleben.

Alternativen zur Schulmedizin

Tatsächlich haben alternative und naturheilkundliche Verfahren eine Menge zu bieten: Homöopathie, anthroposophische Medizin, Ayurveda, traditionelle chinesische Medizin oder Phytotherapie, um nur einige zu nennen. Die meisten Verfahren haben ganzheitliche Ansätze, das heisst sie beziehen den Körper (medikamentöse Therapien, Akupunktur, Massagen), den Geist (Gesprächstherapien, Meditation) und die Seele (Malen, bildnerisches Gestalten, Tanzen) mit ein. Entsprechend der vom Patienten ausgewählten Methode schliessen sich oft umfangreiche Massnahmen an. Meistens geht es um die Stärkung des Immunsystems, die Regulation des Stoffwechsels, Ernährungsweisen oder um die psychische Stabilisierung. Viele Patienten gaben an, dabei Trost oder Hoffnung zu empfinden angesichts der lebensbedrohenden Situation.

Das Leben endet tödlich

Krebs ist eine häufige Erkrankung – niemand ist dagegen gefeit, egal wie er lebt. Das zeigt sich vor allem bei Betroffenen, die nie geraucht, sich immer gesund und bewusst ernährt und zudem Sport getrieben haben. Als hilfreiches Buch gegen die Krebspropaganda empfiehlt sich «Krankheit als Metapher» von Susan Sontag zu lesen. Die amerikanische Schriftstellerin zeigt beispielhaft an Tuberkulose und Krebs, wie durch die Verbreitung weltanschaulicher Ideen Erkrankungen mystifiziert werden können. Mystifikationen eigenen sich wiederum, um Angst zu verbreiten. Und diese ist ein mächtiges Kontrollwerkzeug.

Buchtipp
Florence Kunz-Gollut: «Niemand muss müssen in der Krebstherapie», Fr. 48.-. Bestellung direkt beim Verlag Sokutec, Ob. Steingrubenstrasse 9, 4500 Solothurn, infowhatever@socutec.ch



Fotos: fotolia.com

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