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Kleine Beisserchen

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 04 - 2011 - 01.04.2011

Text:  Sabine Hurni

Die Backen sind rot, der Mund ist voller Speichel und das Baby quengelig. So erleben Eltern ihre Kinder, wenn die ersten Zähne hervorbrechen. Sowohl für die Eltern wie auch für die Kinder ist dies eine anstrengende Zeit.

Solange das Baby sich ausschliesslich von Muttermilch ernährt, braucht es keine Zähne. Im Gegenteil: Mithilfe der zahnlosen Zahnleisten presst der Säugling die Milch aus der Brust. Nach meistens sechs Monaten, mit dem Wechsel zur festen Nahrung, stossen dann die ersten Zähne durch. Ihr Fundament, die feinen Zahnknospen, bildet sich bereits im Mutterleib. Nach der Geburt werden diese Zähnchen immer grösser, bis sie schliesslich aus dem Kiefer in die Mundhöhle vorstossen.

Zähne sind wichtig für die Verdauung.

Dank ihnen sind wir in der Lage, die Nahrung mechanisch zu verkleinern. Der beim Kauen gebildete Speichel macht den Nahrungsbrei gleitfähig und bereitet ihn so für den Weitertransport in die Speiseröhre vor. Ein bis eineinhalb Liter Flüssigkeit produzieren die Speicheldrüsen täglich und geben sie in die Mundhöhle ab. In diesem Sekret sind bereits Verdauungsenzyme enthalten sogenannte Amylase, sie spalten Kohlenhydrate in ihre kleinsten Bausteine, die Oligosaccharide. Dieser Zuckerbaustein lässt Kohlenhydrate wie zum Beispiel Brot süsslich schmecken, wenn man sie längere Zeit kaut.

Bis es allerdings so weit ist, müssen bei den Säuglingen erst einmal 20 Milchzähne durch die Zahnleisten brechen. In der Regel bricht zuerst der untere, mittlere Schneidzahn durch. Ungefähr zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat kommen dann die oberen Schneidezähne, bis im zweiten Lebensjahr meistens 16 Zähne aus dem Kindermund lachen. Sind bis ins Alter von zweieinhalb Jahren auch noch die Backenzähne durchgebrochen, ist das Milchzahngebiss komplett.

Beissen schafft Linderung

Für einen Teil der Kinder ist der Zahndurchbruch eine Leidenszeit: Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen. Oft ist auch der Po wund. Die Kinder haben Schmerzen, sind unruhig, fiebern leicht und schlafen schlecht. Damit die Zahnungsphase, die mit keinem Mittel verkürzt oder beschleunigt werden kann, den Kindern etwas leichter fällt, können Eltern aber einiges tun. Nur schon eine leichte Massage des geschwollenen Zahnfleisches mit dem Finger wird von den Kindern oft als lindernd empfunden. Auch harte und kühlende Gegenstände nehmen die Kleinen in dieser Zeit gerne in den Mund.

In der traditionellen Volksheilkunde ist die Veilchenwurzel ein bekanntes Beissmittel. Die harte Wurzel stammt aus dem Wurzelstock der Schwertlilie (Iris germanica). Die Schwertlilie ist eine mehrjährige Pflanze mit kräftigem, kriechendem und verzweigtem Wurzelstock. Die Blätter sind schwertförmig, was ihr zum Namen verholfen hat. Im Frühling erscheinen auf etwa 80 Zentimeter hohen Stängeln die typischen Blüten mit violetten Hängeblättern und lilafarbenen Domblättern. Wegen ihres Geruchs wurde die Droge offenbar bereits in der Antike geschätzt. Ursprünglich wurden sie als Zierpflanze aus dem Mittelmeerraum ein geführt. Da sie sich aber über die Wurzelstöcke vermehrt, ist sie in den Burgund Klostergärten verwildert. Heute wird die Veilchenwurzel vor allem aus Marokko und Italien importiert.

Die Wurzeln der Schwertlilie enthalten Isoflavone, ätherische Öle und aromatische Aldehyde. Der typische Veilchenduft kommt durch das ätherische Öl Iron zustande. Es entwickelt sich erst nach zwei bis drei Jahren Lagerungszeit des getrockneten Wurzelstocks. Die Veilchen- oder Iriswurzlen enthalten zudem bis zu 50 Prozent Schleimstoffe. Deshalb dient die Veilchenwurzel seit eh und je auch als Expektorans, als schleimlösendes Hustenmittel. In der Regel wird das Heilmittel aber nicht als Einzeldroge verwendet, sondern ist Bestandteil in Hustentees. Das Pulver diente früher als Puder für Haare und Perücken.

Zahnpflege bei Kindern
Milchzähne sind besonders anfällig auf Karies, weil bei ihnen der harte Zahnzement fehlt. Sobald der erste Zahn da ist, muss dieser deshalb geputzt werden. Zudem sollte eine dauernde Einwirkung von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln unbedingt vermieden werden. Das beständige Nuckeln am Fläschchen mit gezuckertem Tee, Säften oder Milch, die gerne zum Einschlafen gegeben werden, führen sonst zu schweren, kariösen Milchzahnstörungen. Karies an den Milchzähnen gehen oft auf die zweiten Zähne über. Obwohl sie ausfallen, brauchen auch die Milchzähne unbedingt eine sorgfältige Pflege.

All das kümmert die zahnenden Kinder nicht: Sie kauen einfach gerne auf der harten Wurzel herum. Man geht davon aus, dass Veilchenwurzeln eine betäubende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung haben. Die Wirkstoffe gehen beim Kauen auf das Zahnfleisch über und entfalten dort ihre Wirkung. Viele Eltern geben ihren Kindern lieber ein solches Naturprodukt, als einen Beissring aus Plastik. Aus hygienischen Gründen sollte die Veilchenwurzel regelmässig abgekocht werden, dabei gehen aber auch Wirkstoffe verloren.

Foto: fotolia.com

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