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Spitalranglisten

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 01 - 2011 - 01.01.2011

Text:  Heinz Knieriemen

Die Gefahr im Spital zu sterben, unterscheidet sich laut Statistik von Ort zu Ort stark. Je nach Wahl der bewerteten Risiken würde die Liste «gute Spitäler – schlechte Spitäler» aber komplett anders aussehen. Für das Gesundheitswesen sind solche Bewertungen von zweifelhaftem Nutzen.

Das Bundesamt für Gesundheit ortet in den Schweizer Spitälern riesige Qualitätsunterschiede und droht damit, rigoros durchzugreifen. Das Risiko in einem Spital zu sterben, unterscheidet sich nach Aussage der Vergleichsstudie je nach Ort stark. So sterben Patienten, die nach einem Schlaganfall eingeliefert werden, im Kantonsspital Laufen, im Spitalzentrum Biel, im Spital Netz Bern und in den Solothurner Spitälern deutlich häufiger als im Schweizer Durchschnitt. Spitäler, die sich im roten Bereich bewegen, laufen laut dem Bund Gefahr, eliminiert zu werden.

Die Schweiz, Deutschland und Österreich folgen dem bewährten Muster der USA, die seit mehr als einem Jahrzehnt Spitalranglisten publizieren. Der letzte grosse Klinik-Check im Oktober 2008 betraf 41 Millionen Patientinnen und Patienten in über 5000 Kliniken und umfasste 17 Krankheitsbilder und ihre Behandlung. Das Ergebnis spiegelte sich in den Schlagzeilen der amerikanischen Medien wider: «Tödliche Spitalwahl – Hunderttausende Sterbefälle sind vermeidbar.» Im Detail lautete die Aussage, dass in amerikanischen Kliniken in den Jahren 2006 bis 2008 über 237 000 Menschen gestorben sind, weil sie im «falschen» Krankenhaus lagen. Laut Untersuchung der unabhängigen Organisation Healthgrades sind Patienten in einer der schlechtesten Kliniken des Landes um 70 Prozent stärker gefährdet zu sterben, als in einer der besten Kliniken des Landes. Wer sich in eine Fünfsterneklinik einweisen lässt, für den verdoppelt sich gemessen am landesweiten Durchschnitt die Chance, das Spital lebend wieder zu verlassen.

Problematische Statistik

Die entscheidende Frage: Haben die Spitalranglisten mit drastischen Aussagen in den USA Fortschritte gebracht und positive Bewegungen ausgelöst? Wenn man der kritischen Presse und Gesundheitsexperten Glauben schenken darf, ist das wichtigste Resultat eine weitere Entsolidarisierung des Gesundheitswesens. Jeder, der es sich leisten kann, sucht die teuren Fünfsternekliniken auf, die anderen kämpfen mit Kostendruck und Personalmangel – eine Entwicklung, die auch in der Schweiz zu beobachten ist. Hinzu kommt, dass allein die Auswahl der Krankheiten, die als Risikopotenzial in die Bewertungen einfliessen, die Ergebnisse auf den Kopf stellen kann. In den USA ist jeder zweite vermeidbare Todesfall, was immerhin fast 120 000 Menschen betrifft, auf die vier Ursachen Blutvergiftung, Lungenentzündung, Herz- und Atemversagen zurückzuführen, in der Schweiz lag der Schwerpunkt bei Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenentzündung. In beiden Ländern ist tunlichst vermieden worden, Tod durch falsch verordnete Medikamente und vor allem die Spitalinfektionen durch resistente Keime in die Statistiken einfliessen zu lassen. Dies würde ein völlig anderes Bild in der Rangliste «gute Spitäler – schlechte Spitäler» ergeben. Eine Tageszeitung aus New York zitierte in einer kritischen Analyse denn auch den britischen Kriegspremier und Spötter Winston Churchill: «Ich glaube nur an Statistiken, die ich selber gefälscht habe.»

Auffallend ist, dass in den Schweizer Statistiken sowohl das Inselspital als auch das Regionalspital Zofingen gut abschneiden, dass also individuelle Faktoren eine Rolle spielen. Doch nur ein weiterer gravierender Risikofaktor in der Bewertung ergäbe ein völlig anderes Bild. Swiss-NOSO, eine fachlich kompetente und unabhängige Organisation, die unter anderem die Spitalinfektionen überwacht, schätzt die jährliche Zahl der infizierten Patientinnen und Patienten in der Schweiz auf 70 000 Personen und die daraus entstehenden Zusatzkosten auf 250 Millionen Franken. Es entstehen so 300 000 zusätzliche Spitaltage, und es muss von 2000 Todesfällen ausgegangen werden. Und hier sind es vor allem die grossen Spitalzentren, von denen eine erhöhte Gefahr ausgeht. Das bedeutet letztlich auch, dass die Statistiken ohne grossen Aussagewert für das individuelle Risiko sind.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: fotolia.com, Viajar24h.com / flickr / cc

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