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Verspannt?

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 01 - 2011 - 01.01.2011

Text:  Sabine Hurni

Froh ist, wer bei eisiger Kälte drinnen arbeiten kann. Für die Muskeln ist die Büroarbeit jedoch oft eine Tortur. Bewegung und Wärme lockern die steifen Muskeln und Sehnen im Nacken.

Der Zeigefinger betätigt die Maustaste. Die Hand greift zum Telefonhörer. Und dann flugs zu Bleistift und Notizzettel. Das alles ist nur möglich durch ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Knochen und Nerven. Blitzschnell gehen Nervenreize vom Gehirn zum Muskel und melden ihm, welche Bewegung er auszuführen hat. Ein einzelner Muskel, der aus mehreren Tausend feinen Fasern besteht, enthält fast ebenso viele Nervenfasern. Sie steuern nicht nur die Bewegung, sondern geben dem Gehirn auch die Meldung weiter: «Nacken verspannt. Bewegung schmerzt». Der menschliche Körper besteht aus über 600 Muskeln. Selbst die kleinste Bewegung des Zeigefingers braucht mehrere Finger-, Hand-, Unterarm und Oberarmmuskeln. In jeder Muskelfaser ist Energie gespeichert. Diese reicht aber nur für eine kurze Zeit von ein paar Sekunden. Danach übernimmt die nächste Muskelfaser die Bewegung. Da jeder Muskel viele Tausend Fasern enthält, kann er für eine gewisse Zeit der Aktivität die Energie selbst bereitstellen. Dauert die Bewegung an, ist er auf den kleinsten Baustein der Kohlenhydrate, die Glukose angewiesen, die ihm die fehlende Energie liefert. Mit der Bewegung fliesst mehr Blut und somit mehr Sauerstoff durch den Muskel. Irgendwann kommt aber jeder Muskel an seine Grenzen und braucht Erholung.

Starrer Nacken

Würde wirklich jeder Muskel nur die Bewegungen ausführen, für die er auch bestimmt ist, gäbe es kaum Verspannungen. Doch sobald ein Muskel richtig ermüdet, übernimmt ein anderer seine Arbeit. Wer den Kopf nicht mehr drehen kann, dreht die Schulterpartie. Wer den Arm nicht heben kann, macht diese Bewegung mit dem ganzen Oberkörper. Sitzt die Verspannung im Nacken, sind aufgrund einer Fehlhaltung die Muskeln im Brustbereich oft verkürzt und jene am Rücken überdehnt. Bei der geraden Haltung einer Tänzerin hingegen
übernehmen die Knochenstrukturen eine wichtige Haltefunktion. Die Wirbelsäule trägt den Kopf, die Schultern hängen locker am Schlüsselbein. Ist die Statik durch das Skelett gewährleistet, können die Muskeln loslassen.

Nicht nur eine schlechte Haltung kann Nackenverspannungen auslösen. Sie können auch von einem blockierten Hals- Brust- oder Lendenwirbel verursacht sein: Durch das Nichtbewegen der Nackenmuskeln am Schreibtisch, bei der die Muskulatur unzureichend durchblutet wird, oder durch einseitige Belastungen. Wer zu Verspannungen im Nacken neigt, sollte das Problem deshalb am besten von mehreren Seiten angehen.

Das hilft zusätzlich bei Muskelverspannungen
Mineralstoffe: Kalzium, Magnesium und Phosphor sind für die Muskelarbeit und -entspannung äusserst wichtig. Die Mineralstoffe bauen die Energie auf. Fehlen sie, ist der Muskel schnell erschöpft. Muskelkrämpfe, Zittern, Übererregbarkeit und Schlafstörungen können die Folge sein.
Ernährung: Im Winter nehmen die Verspannungen bekanntlich zu. Verantwortlich dafür ist die Kälte. Wärmende Gewürze wie Zimt, Nelken oder Ingwer sowie wärmende Getränke und mehrmals täglich warme Mahlzeiten können die Situation entschärfen. Salate und Sandwichs sind deshalb kein ideales Winter-Mittags-Menü für Menschen mit Verspannungen.
Säure-Basen-Haushalt: Das Gleichgewicht zwischen Muskelkontraktion und Entspannung kann durch einen unausgewogenen Säure-Basen-Haushalt gestört werden. Eine Basenmischung mit Mineralstoffen oder eine basenreiche Kost mit viel Gemüse und wenig Fleisch können das Gleichgewicht wieder herstellen.
Haltung: Brust raus, Bauch rein, Kopf gerade. So bekommt man nicht nur die richtige Tanzhaltung, sondern auch eine Statik, welche die Muskeln optimalent- beziehungsweise belastet.
Wärme: Unter der warmen Dusche lässt sich der steife Nacken gut dehnen. Auch ein Bad mit Lavendelextrakt oder Rosmarin helfen bei Muskelverspannungen. Oder aber ein Besuch in der Sauna.
Dehnen: Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, sollte stündlich die Nackenmuskeln sanft dehnen. Dazu die Hände am Hinterkopf verschränken und das Kinn zur Brust ziehen.
Bewegung: Der tägliche Spaziergang tut nicht nur körperlich gut. Die frische Luft entspannt auch den Geist, nährt die Seele und hebt die Stimmung. Alltagsballast, den wir uns so oft auf die Schultern laden, lässt sich an der frischen Luft am besten abwerfen. Zur Entspannung der Muskulatur sind zudem Sportarten wie Schwimmen, Qigong und Yoga zu empfehlen.

Mit Wärme zum Ziel

Manuelle Therapien, welche die blockierten Wirbel lösen, kombiniert mit Massagen zur Lockerung der Muskulatur sind bei Nackenverspannungen angezeigt. Gerade bei Verspannungen ist Abwarten eher kontraproduktiv. Selbst die kleinste Selbstbehandlung mit einer Salbe oder einem wärmenden Öl ist besser, als nichts tun. Egal ob Wickel, Salbe oder Öl – die durch die Anwendung erzeugte Wärme hilft. Ein besonders einfacher und wirksamer Wickel macht man aus Kartoffeln. Die Kartoffel speichert die Wärme über lange Zeit. Ungeübte können sich also Zeit lassen beim Herstellen des Wickels. Die feuchte Wärme der Kartoffeln hilft nicht nur bei Nackenschmerzen, sondern auch bei Rückenschmerzen aller Art, Arthrose, Husten, Halsschmerzen oder Blasenentzündungen.

Anwendung: Für einen Kartoffelwickel braucht es vier bis sechs Kartoffeln. Sie werden gekocht und ungeschält auf ein Tuch gelegt. Damit sich das Tuch nach der Anwendung besser reinigen lässt, kann unter und über die Kartoffeln ein Haushaltspapier gelegt werden. Die Seiten des Tuchs faltet man über den Kartoffeln zusammen, sodass ein Paket entsteht. Dann zerdrückt man die Kartoffeln, damit der Wickel flach wird. Nach etwa acht Minuten ist der Wickel genug abgekühlt. Jetzt kann er direkt auf die verspannte Muskelpartie gelegt werden. Mit einem Woll- oder Frotteetuch fixiert man den Wickel und legt sich am besten ins Bett. Eine Bettflasche verstärkt den wärmenden Effekt.

Wickel lassen sich auf ähnliche Weise mit Leinsamen, Heublumen oder Johannisöl machen. Dabei geht es weniger um die enthaltenen Wirkstoffe, als um die damit erzeugte Wärme. Wenn die Bewegung aufgrund der Schmerzen kaum mehr möglich ist, muss die Blutzirkulation mithilfe der Wärme aktiviert werden. Ein belasteter Muskel braucht Glukose und Sauerstoff, damit er sich regenerieren kann. Beides gelangt über das Blut in die Muskeln. Je besser die Zufuhr ist, desto schneller kann sich der Muskel erholen. Mit gesteigerter Durchblutung werden zusätzlich Stoffwechselprodukte ausgeschwemmt, die bei Verspannungen in konzentrierter Form vorkommen. Diese Abfallprodukte rufen oft eine Schmerzreaktion hervor. Auf diese reagiert der Körper mit einer verstärkten Muskelspannung. Solange also der verspannte Muskel unbewegt und schlecht durchblutet bleibt, verschlimmern sich die Schmerzen und die Verspannungen. Sie können auch zu Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Tinnitus führen.

Fotos: fotolia.com, Like_The_Grand_Canyon / flickr / cc

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