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Unwirksame Antibiotika

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 11 - 2010 - 05.11.2010

Text:  Heinz Knieriemen

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit spielt sich ein dramatisches Geschehen um Arzneimittel ab, die für viele Menschen einen Segen in ihrem Heilungsprozess darstellen.

Als Alexander Fleming 1928 das Penicillin entdeckte, war das eine Revolution für die Medizin, denn die Substanz ist ein mächtiger Wirkstoff gegen bakterielle Krankheitserreger. Im Laufe der Zeit kamen weitere, hochwirksame Antibiotika dazu. Damit wurde die Grundlage geschaffen, gefährlichen Seuchen wie Cholera und Tuberkulose zu begegnen. Über viele Jahre dachte man daher, von gewissen bakteriellen Infektionen gehe kaum noch eine Gefahr aus.

Die Wirklichkeit sieht inzwischen jedoch anders aus. Immer mehr Antibiotika zeigen sich durch Resistenzbildung in der Behandlung von Krankheiten unwirksam. Laut einem EU-Bericht werden in europäischen Krankenhäusern jährlich rund drei Millionen Patienten mit arzneimittelresistenten Bakterien infiziert. Rund jeder Zehnte holt sich also in einem Spital eine Infektion. Etwa 50 000 von ihnen sterben, wie es im Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten heisst. Und neuerdings drohen sogar Superkeime aus Asien.

Leichtfertige Abgabe

Zur Entstehung und Förderung von Resistenzen tragen verschiedene Ursachen bei. Unter anderem werden Antibiotika häufig zu leichtfertig verordnet, obwohl sie nicht erforderlich oder – etwa bei viralen Infektionen – nicht geeignet sind. Die Ausbreitung von Resistenzen kennt jedoch noch andere Gründe. Bereits 1989 berichteten amerikanische Forscher erstmals von Vancomycin-Resistenzen, einem der wenigen Antibiotika für schwere Fälle. Anhand von Gewässerproben gelang es schliesslich, die Spur der resistenten Keime zurückzuverfolgen – nicht ins Spital, sondern in Tiermastbetriebe. Hier wurde Avoparcin, ein dem Vancomycin sehr ähnliches Präparat, als sogenannter antimikrobieller Leistungsförderer eingesetzt.

Bakterien und Viren sind unterschiedliche Erregertypen. Antibiotika sind gegen Viruserkrankungen wirkungslos. Deshalb ist die Meinung weitverbreitet, Bakterienund Virusinfektionen hätten nichts miteinander zu tun und der Einsatz von Antibiotika könne die Anfälligkeit für Viruserkrankungen nicht beeinflussen. Dem ist nicht so. Die Bakterienflora in unserem Körper ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Sie hat sich nicht nur entwickelt, um fremde Bakterien fernzuhalten, sondern dient auch zur Abwehr anderer Mikroorganismen wie Pilze, Parasiten und Viren. Wenn diese gutartige Flora durch Antibiotika ausgeschaltet wird, werden wir anfälliger für Infektionen aller Art.

Die moderne Medizin hat dazu geführt, dass Gesundheit und Krankheit in starren, getrennten Kategorien erlebt werden. Diese Einstellung hat zur Folge, dass wir das «Ökosystem» unseres Körpers nicht mehr wahrnehmen.

Kein Wunder, dass der Ruf von Infektionsexperten nach wirksamen, nicht antibiotischen Therapieformen immer lauter wird. Vor allem moderne pflanzliche Arzneien und ätherische Öle können hier einen wesentlichen Schritt zur Eindämmung der Resistenzentwicklung beisteuern, denn die Mehrzahl in der ärztlichen Praxis behandelten Infektionen sind Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Mandeloder Nasennebenhöhlen-Entzündungen, die von unterschiedlichen Viren zum Beispiel Coronaviren verursacht werden. Und obwohl Antibiotika gegen Viren keinerlei Wirkung haben, bekommen immer noch viele Patienten mit Atemwegsinfekten ein Antibiotikum verordnet.

Wirtschaftlich uninteressant

Der Welt gehen die Antibiotika aus – und kaum jemand tut etwas dagegen. Das hat unterschiedliche Gründe. Einer davon: Antibiotika sind nicht profitabel. Antibiotika gehören zwar zu den am meisten verkauften Medikamentengruppen. Für die Pharmaindustrie sind sie trotzdem wenig interessant, denn normalerweise wird ein Antibiotikum nur über kurze Zeit eingenommen. Medikamente, die Patienten über viele Jahre verschrieben werden, wie zum Beispiel Blutdrucksenker, Herz- Kreislauf-, Lifestyle-Mittel oder Cholesterinsenker, sind wesentlich profitabler. Hinzu kommt, dass neue Antibiotika häufig für besonders schwere Fälle reserviert werden, also nur sehr selten zum Einsatz kommen oder dass ein neu entwickeltes Antibiotikum bereits nach kurzer Zeit Resistenzen entwickelt und somit wirtschaftlich uninteressant wird.

Viele grosse Pharmafirmen haben sich deswegen aus dem Gebiet der Entwicklung neuer Antibiotika zurückgezogen und setzen vermehrt auf virale Erkrankungen mit Impfstrategien, für die sie nicht einmal selbst Werbung machen müssen.

Neben Klagen über eine gefährliche Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen sollten wir jedoch auch mehr Fingerspitzengefühl für andere Bereiche entwickeln. Bei den meisten schweren Krankheiten, an denen Menschen in den Industrieländern heute leiden und sterben, handelt es sich nicht mehr um Infektionen. Weder Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch Krebs werden durch Bakterien hervorgerufen. Und dennoch bleibt weiter der Mythos der Keimtheorie im Kopf. Es wird der Eindruck vermittelt, wir lebten von Geburt an in ständiger Gefahr vor gefährlichen Keimen.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich leben» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: NAS/Biophoto Associates/OKAPIA

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