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Eisenmangel und dessen Sinn

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 10 - 2010 - 01.10.2010

Text:  Heinz Knieriemen

Viele Frauen leiden an Eisenmangel – sagt die Labordiagnostik. Doch dass das durchaus Sinn machen kann, darüber schweigen sich die Verkäufer von Eisenpräparaten nur zu gerne aus.

Eisen ist für Mensch und Tier ein unentbehrlicher Vermittler der Lebensprozesse. Es färbt nicht nur das Blut rot, sondern macht es erst zu dem «besonderen Saft», zum Träger der vitalen Informationen. Aber auch für Pflanzen und Bakterien ist Eisen ein Mikronährstoff, der für ein optimales Wachstum in geringer Menge erforderlich ist. Das Hämoglobin, die roten Blutkörperchen, bestehen aus einem Eiweissanteil, dem Globin, und dem eisenhaltigen Häm. Dieses Eisen verleiht den roten Blutkörperchen die Fähigkeit, Sauerstoff chemisch zu binden. Das Hämoglobin nimmt den Sauerstoff in der Lunge auf. Dabei geht es nur eine lockere Bindung ein, weshalb der Sauerstoff vom Blut wieder an Zellen und Gewebe abgegeben werden kann. Die Zellen benötigen den Sauerstoff zur Oxidation, wobei über enzymatische Prozesse die Hauptnährstoffe in Energie umgewandelt werden.

Richtig essen bei Eisenmangel
Bei Eisenmangel gibt es einige Ernährungsgrundsätze, die mit Vorteil beachtet werden.
• Der überstrapazierte Hinweis, dass Fleisch, vor allem Rinds- und Schweineleberbesser, resorbierbare Eisenverbindungen enthält als pflanzliche Lebensmittel, wird in der Praxis dadurch entkräftet, dass Vegetarier und auch reine Veganer im Durchschnitt ein besseres Blutbild aufweisen.
• Hohe Eisenwerte weisen neben Innereien auch Haferflocken, Roggenbrot, Hirse, Linsen, weisse Bohnen, Bierhefe, Randen, Rüebli, Zucchini, Kresse, Schwarzwurzeln, Topinambur, Löwenzahn, Brennnesseln und Bärlauch im Salat, Schnittlauch, Rosmarin, getrocknete Aprikosen, Zwetschgen, Birnen und Feigen auf. Der viel zitierte Spinat bringt bei Eisenmangel wenig, da dieses in einer an Oxalsäure gebundenen Form vorliegt, die vom Darm schwer resorbiert werden kann.
• Tannin des schwarzen Tees wirkt als Hemmstoff für die Eisenaufnahme, ein Effekt, der durch etwas Zitronensaft wieder neutralisiert wird.
• Ein Glas frisch gepresster Orangensaft vor dem Essen steigert durch das Vitamin C die Eisenaufnahme.

Schutz vor Infektionen

Eisen ist in viele vitale Prozesse eingebunden. Jede menschliche Zelle enthält Eisen, ohne dieses kann sie nicht leben. Wie kein anderes Element beeinflusst es Aufbau und Abbau, den Kreislauf der Natur. Während die Bedeutung von Eisen für den Sauerstofftransport im Blut allgemein bekannt ist, legen wir uns meistens nicht darüber Rechenschaft ab, dass ein Überangebot an Eisen für unsere Gesundheit abträglich ist.

Eine hohe Eisenmenge beschleunigt oxidative Prozesse, erhöht den sogenannten oxidativen Stress, der die Entwicklung von Entzündungen, Gicht, Arthrose, Rheuma, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Herzschwäche, Krebs, Alzheimerkrankheit oder grauem Star beschleunigt – man rostet eben eher. Auch Bakterien brauchen Eisen zur Gewinnung der Energie und zum Wachstum. Je mehr Eisen sie im menschlichen Körper zur Verfügung haben, desto besser gedeihen sie und verursachen eher und schwerere Infektionen.

Beim Eisenmangel als Laborstatus, der in der Regel eine medikamentöse Behandlung auslöst, gerät das Lehrgebäude des linearen Ursache-Wirkung-Denkens immer mehr ins Wanken. Zur belebten Natur gehören auch Bakterien, die wie Pflanze, Tier und Mensch zum Wachstum zwingend Eisen benötigen. Der Körper hat in evolutionären Prozessen in dauernden Auseinandersetzungen mit Mikroben nun Mechanismen entwickelt, den unwillkommenen Eindringlingen das essenzielle Spurenelement Eisen vorzuenthalten. Er bindet dieses über enzymatische Prozesse in Speichereiweiss ein, drosselt die Aufnahme durch die Nahrung und entzieht es so dem Blutkreislauf.

Eisen reguliert die Selbstheilung

Bei einer Laboruntersuchung werden dann zwar weniger rote Blutkörperchen festgestellt, doch ist andererseits die Infektionsbereitschaft herabgesetzt. Es wird vermutet, dass aus diesem Grunde auch der Eisenwert im Blut von Schwangeren sinkt. In ein solches Gleichgewicht, das auf evolutionären biologischen Prozessen beruht, sollte nicht oder nur sehr zurückhaltend mit Medikamenten eingegriffen werden, zumal häufig nicht Eisenmangel, sondern Resorptionsprobleme bestehen. Es ist daher die Gefahr nicht auszuschliessen, dass der Körper in der Infektabwehr und der Fähigkeit zur Selbstheilung gestört wird, ohne dass sich ein therapeutischer Effekt einstellt.

Eine gesunde Darmflora ist  wichtig für ein intaktes Immunsystem. Gleichzeitig kann Lactoferrin den Eisenstoffwechsel ausgleichen. Daher ist die Gabe von Lactoferrin bei Menschen angezeigt, die öfter unter Eisenmangel leiden.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich leben» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: nela.dizon / flickr / cc, ella novak / flickr / cc

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