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Das Qi im Fluss

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 10 - 2010 - 01.10.2010

Text:  Marion Kaden

Nach der traditionellen chinesischen Medizin entsteht Krankheit durch Disharmonie und einen Mangel oder Überfluss an Qi. Diese «Energie» auszugleichen und wieder zum Fliessen zu bringen, ist wichtiger Bestandteil einer TCM-Behandlung.

«Wir bieten eine Alternative an und betrachten unsere Leistungen als Ergänzung zur Schulmedizin», erklärt Ochsenbein, Chefarzt und Leiter der acht zur Medi-Qi-Gruppe gehörenden TCM-Gesundheitszentren. Viele Überweisungen erfolgen durch Hausärzte – die Behandlungen werden über Zusatzversicherungen für Komplementärmedizin abgerechnet. Bei Patienten, die ohne Überweisung in eine Medi-Qi-Klinik kommen, wird zunächst eine schulmedizinische Untersuchung durchgeführt. «Eine solche Überprüfung ist wichtig, denn Schmerzen können zum Beispiel auch durch einen Tumor bedingt sein», sagt der Chefarzt.

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Derzeit kommen die meisten Patienten über Empfehlungen von anderen zu den chinesischen Behandlungen. Laut Ochsenbein sind davon etwa die Hälfte Schmerzpatienten (Kopf-, Rücken- oder Gelenkschmerzen, Rheuma und Neuralgien), andere leiden an funktionellen Erkrankungen des Magen Darm-Traktes oder Allergien. Ebenso gehören Patienten, die an Befindlichkeitsstörungen oder Erkrankungen leiden, die psychosomatisch bedingt sind (Schlafprobleme, Burn-out), zur Klientel der TCM-Kliniken.

«Bei jeder Erstkonsultation erfolgt eine umfangreiche Anamnese mithilfe eines Übersetzers», erklärt Ochsenbein. Die Fragen beziehen sich nicht nur auf die möglichen aktuellen Schmerzen, sondern beispielsweise auf den Schlaf, dessen Qualität oder Essgewohnheiten. Der chinesische Arzt interessiert sich ebenso für die Sport- und Freizeitaktivitäten, persönlichen Eigenheiten oder geistig-seelischen Belastungen durch Familie und Arbeit. Danach folgt eine Puls- und Zungendiagnose.

Die meisten Patienten bekommen zwei Behandlungen pro Woche. Zunächst sind 10 bis 15 Sitzungen vorgesehen. Die subjektive Beurteilung der Patienten und die Verlaufsbeurteilung des TCM-Arztes bilden die Grundlage dafür, ob und wie weitergemacht wird. «Meist reicht diese Anzahl an Behandlungen aber aus, um einen langfristigen Therapieerfolg zu erreichen», sagt Ochsenbein.

Zu wenig oder zu viel Qi

Die Ernährungstherapie ist ein weiterer Grundpfeiler der TCM. Doch am Verständnis der Regeln hapert es wegen fehlender philosophischer Hintergrundkenntnisse bei den meisten europäischen Patienten (siehe Kasten) und Ernährungsempfehlungen sind kaum durchführbar. Hier müssen die chinesischen Ärzte Kompromisse machen. Eine Umstellung der Essgewohnheiten, beispielsweise das Vermeiden sogenannter Yang-Speisen (Scharfes, bestimmte Gemüsesorten), lässt sich nicht von vielen durchhalten. «Unsere Ärzte geben vor allem allgemeine Hinweise: Dass Patienten zum Beispiel Süsses vermeiden oder bei festgestellter Yin-Lastigkeit keine Speisen direkt aus dem Kühlschrank essen sollen», so Ochsenbein.

Kompromisse sind auch bei der Kräutertherapie nötig. Aus dem reichhaltigen Kräuterschatz wurden 470 chinesische Kräuter ausgewählt, die von der Medi-Qi-Gruppe in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Staatsministerium für TCM im Direktimport eingeführt werden. «Die Kräuter kommen in pulverisierter, hygienisch abgepackter Form und werden auf Verunreinigungen hin genau untersucht. Aus ihnen werden für unsere Patienten individuelle Kombinationen aus vier bis acht Kräutern zusammengestellt», sagt Ochsenbein.

Nach dem Verständnis der TCM ist Gesundheit dann gegeben, wenn der menschliche Organismus in Harmonie mit der ihn umgebenden Welt insgesamt lebt. Krankheit kann entstehen, wenn diese Harmonie eingeschränkt ist, etwa durch Zuwiderhandlung gegen universelle Lebensregeln oder durch äussere Störungen wie zum Beispiel krankmachende Klimaeinflüsse oder einseitige Ernährung. Als wichtigste Krankheitsursachen sieht die TCM den Mangel (zum Beispiel Kältegefühl) beziehungsweise den Überfluss an Qi (zum Beispiel Fieber) an.

Die Philosophie hinter der TCM
Die TCM entwickelte sich im Laufe von etwa zwei Jahrtausenden. Dabei entstanden vielschichtige Ansätze:
Yin und Yang
Die religiös-philosophische Basis beruht auf Vorstellungen von qualitativ entgegengesetzten Grundaspekten, genannt Yin und Yang. Aus den alltäglich erfahrbaren dualen Polaritäten wie Licht/Schatten, Tag/Nacht, Sommer/Winter entstand ein umfangreiches System, dessen Gegensatzpaare zuletzt sämtliche Bereiche des menschlichen Seins erfassten. Trotz der Dualität bedingen sich diese Grundqualitäten immer gegenseitig – die eine ist ohne die andere nicht denkbar. Anders als westliche dualistische Philosophien mit ihrer statischen Polarität von Gegensätzen postuliert die chinesische Vorstellung beständige Veränderungen, vor allem der dynamische Übergang von einem in den anderen Zustand. Yin und Yang befinden also sich in stetigem Wandel.
Wu Xing
Das Werden und Vergehen in der Welt wurde in der chinesischen Philosophie mit der Lehre der fünf Wandlungsphasen (Wu Xing) und ihren Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser (siehe Tabelle) erweitert.
Qi
Der Begriff wird gerne, aber fälschlich als Lebensenergie (Vis vitalis) übersetzt, doch seine Bedeutung umfasst mehr. Denn sowohl Belebtes als auch Unbelebtes hat Qi. Es ist, um es salopp auszudrücken, die Kraft, die den gesamten Kosmos durchzieht und zusammenhält.

Kulturelle Missverständnisse

Das grösste Problem liegt darin, dass Westler – auch Therapeuten – sich aus (häufig schlecht) Übersetztem etwas Verständliches herauspicken und es in bekannte, das heisst europäische Sinnzusammenhänge übertragen. Das Endprodukt hat dann nur noch wenig mit TCM zu tun. Bei der Auswahl der Therapeuten sollte man sich deshalb genaue Informationen einholen. Lebensläufe und Dauer der Ausbildungen geben eine erste Orientierung. Häufig bemühen sich übergeordnete Institutionen oder Dachverbände um Qualitätsstandards, sie geben auch gerne Hinweise auf Therapeuten.

Foto: Look, fotolia.com, medical picture, AmySelleck / flickr / cc

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