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Rückgrat zeigen

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 09 - 2010 - 01.09.2010

Text:  Lioba Schneemann

Rückenschmerzen sind zu einer Volkskrankheit geworden. Mangelnde Bewegung und einseitige Belastungen sind schuld daran. Wer Schmerzen hat, sollte normal weiterleben und sich nicht zu sehr schonen, denn dann wird alles nur noch schlimmer.

Muskelverspannungen können Rückenschmerzen und, wie das Beispiel zeigt, Kopfschmerzen verursachen. Doch Rückenschmerzen können viele Ursachen haben, sogar mit Störungen des Verdauungsapparates zusammenhängen. «Wichtig ist, erst einmal herauszufinden, wo der Grund für die Schmerzen liegt», sagt Dieter Grob, Spezialist am Wirbelsäulenzentrum der Schulthess Klinik in Zürich. «Leider ist es bei unspezifischen Rückenschmerzen aber oft nicht möglich, eine eindeutige Ursache zu finden – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Verarbeitung durch den Patienten eine wichtige Rolle spielt», sagt der Mediziner.

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Bewegungsmangel

Eine gross angelegte Studie der EU aus dem Jahr 2004 belegt, was wir bereits wussten oder ahnten: Hauptverursacher von Rückenschmerzen ist Bewegungsmangel. Auch Bewegungsmonotonie, Fehlhaltungen, Muskelschwächen spielen laut der Untersuchung eine Rolle, daneben oft auch psychische Faktoren (Stress, Angst und Sorgen). Die Wirbelsäule und Rückenmuskulatur wird demnach entweder zu wenig (sitzende Schreibtischtätigkeit, Freizeit vor dem Fernseher) oder falsch bewegt. Auch Übergewicht belastet die Wirbelkörper, Bandscheiben, Gelenke, Bänder und Muskeln zu stark. Übergewicht verändert zudem die Wirbelsäulenstatik und damit die Hebelkräfte. Andauernde Fehlernährung verschlechtert den Stoffwechsel, etwa durch Übersäuerung der Gewebe durch zu viel purinhaltige Nahrung wie Fleisch und Wurst. Rauchen kann die Bandscheiben ebenso schädigen.

Rückenschmerzen vorbeugen
• Richtig sitzen
Achten Sie darauf, dass der Oberkörper gerade aufgerichtet ist und die Beine leicht gespreizt sind. Beine nicht verschränken, Becken leicht nach vorne kippen. Wechseln Sie alle zehn Minuten Ihre Position, strecken Sie sich. Stehen Sie regelmässig auf und gehen sie umher. Sitzen Sie dynamisch auf einem Sitzhocker oder Gymnastikball.
• Richtig bücken und Lasten heben
Beim Bücken in die Knie gehen und den Oberkörper gerade und leicht nach vorne geneigt halten. Beim Heben den Rücken unbedingt gerade halten und die Bauchmuskeln anspannen. Halten Sie die Last möglichst nahe am Körper. Drehen Sie sich nicht während dem Hochheben.
• Richtig liegen
Auf dem Rücken oder auf der Seite mit angewinkelten Beinen liegen, ist besonders schonend. Richtige Matratze (weder zu hart, noch zu weich) und Lattenrost kaufen. Das Kopfkissen sollte nicht zu dick sein, allenfalls spezielles Nackenkissen anschaffen.
• Richtig stehen
Bei langem Stehen sollten Sie kein Hohlkreuz machen, stehen Sie aufrecht, bewegen Sie sich. Gut tut, wenn Sie einen Fuss erhöht abstellen oder beide Knie leicht beugen.
• Gute Schuhe
Gute Schuhe sind die Grundlage für richtiges Gehen und eine korrekte Haltung. Ihr Rücken gibt Alarm bei dünnen oder abgelaufenen Sohlen und hohen Absätzen. Ebenso sollten enge, spitze Schuhe tabu sein.
• Sport treiben
Beim Jogging oder Walking auf die richtigen Laufschuhe achten. Sie verhindern Schläge in den Rücken und schonen die Gelenke. Beim Velofahren auf einen geraden Rücken achten, die Hüfte so kippen, dass der Oberkörper gerade bleibt. Rückenschwimmen und Crawl sind ideal, beim Brustschwimmen oder Delphin können sich Nacken und Rücken verkrampfen. Geeignet sind auch Aqua-Jogging, Gymnastik, Haltungsturnen, Spazieren und im Winter Langlaufen. Stärken Sie Ihre Rückenmuskulatur durch regelmässiges Bewegen und gezieltes Training. Bei chronischen Rückenschmerzen sind Bewegung und Training die besten Therapien.
• Entspannung
Lernen Sie sich zu entspannen. Stress, Anspannung und seelische Belastungen können zu Schmerzen im Rücken führen.

Simpler Rat

Bewegen heisst also der simple Rat. Verspannte Muskeln, ein Muskelungleichgewicht sowie gestörte Bewegungsabläufe können die Folge und der Nährboden für Schmerzen sein. Falsche Bewegungen gibt es darum im Grunde gar nicht, vielmehr reduziert jede Einschränkung der Bewegung die natürlichen Möglichkeiten des Menschen, seine Muskeln zu kräftigen. Die Muskulatur rund um die Wirbelsäule wirkt wie ein Stützkorsett. Sind die Muskeln schwach oder unregelmässig ausgebildet, begünstigt dies Rückenschmerzen. Mit geschwächten Muskeln wird der Rücken immer weniger leistungsfähig. Schonung führt in der Regel in die Sackgasse und neue Schmerzen sind die Folge. Bereits eine einwöchige Ruhestellung reduziert die Kraft der Muskeln um 25 Prozent.

Auch deswegen ist der Rat «Bei Rückenschmerzen ins Bett und wenig bewegen» fatal – eine Ausnahme ist natürlich der Zustand des akuten Schmerzes oder gar eines Bandscheibenvorfalls. Marcus Baumann relativiert: «Auch eine Wirbelsäule mit krankhaften Veränderungen oder eine Diskushernie kann von Bewegung und Sport profitieren. Form und Dosis müssen aber sorgfältig an die Krankheitsphase und Situation angepasst werden.»

Literatur
• Dietrich Grönemeyer: «Mein Rückenbuch – Das sanfte Programm zwischen Hightech und Naturheilkunde», Goldmann-Verlag 2008, Fr. 16.90
• Ingo Froböse: «Das neue Rückentraining», Gräfe und Unzer 2006, Fr. 23.50

Foto: fotolia.com, zenera / flickr / cc

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